
Lebkuchen-Herzen, Maßkrüge und ein kräftiger Schnupfen: Das sind die klassischsten Souvenirs, die viele Besucherinnen und Besucher vom Oktoberfest mit nach Hause bringen. Kaum sind die Festzelte geschlossen, hat die sprichwörtliche Wiesn-Grippe die bayerische Landeshauptstadt wieder fest im Griff. Wie BR24 berichtet, geht ein Forschungsteam nun der Frage nach, was genau wissenschaftlich hinter der Infektionswelle auf der Wiesn steckt.
Dieser Frage geht Stefan Max Brunner, Kardiologe am LMU-Klinikum München, wissenschaftlich auf den Grund. Nachdem er sich im vergangenen Jahr selbst auf dem Volksfest angesteckt hatte, stellte er bei der Recherche überrascht fest: Fundierte Daten oder wissenschaftliche Studien zur Wiesn-Grippe gibt es bislang kaum. Ein Umstand, den der Mediziner mit einer eigenen Untersuchung nun ändern möchte.
Brezn, Bier und Husten: Studie an der Hackerbrücke
Für die Studie rekrutierten Doktoranden der LMU Testpersonen direkt an der belebten Hackerbrücke nahe der Theresienwiese. Die Bereitschaft der Festgäste war groß, schließlich ist das Phänomen allseits bekannt. Ein bis zwei Wochen nach dem Wiesn-Besuch füllen die Teilnehmer einen Fragebogen aus, der die Häufigkeit der Besuche, den Aufenthalt in Festzelten sowie den genauen Alkoholkonsum erfasst.
Der Forscher geht von einer Kombination mehrerer Auslöser aus: Neben den enormen Menschenmassen auf engem Raum schwächen exzessiver Alkoholkonsum, mangelnde Hygiene und die kühlen Herbstnächte das Immunsystem. Bei erkrankten Teilnehmern nimmt das Team Abstriche und vergleicht die Erreger mit Proben aus dem Münchner Abwasser sowie Kontrollgruppen in Städten ohne Großveranstaltung.
Echte Grippe oder gewöhnlicher Schnupfen?
Erste Zwischenergebnisse zeigen ein klares Bild: Das echte Influenzavirus spielt bei der Wiesn-Grippe zwar eine Rolle, macht aber voraussichtlich nur einen kleineren Teil der Fälle aus. Den Großteil bilden gängige Erkältungsviren.
Ob es pünktlich zur nächsten Wiesn womöglich eine eigene Schutzimpfung gegen die Feier-Infektion geben wird? Eine spezielle „Wiesn-Spritze“ bleibt zwar Zukunftsmusik, Brunner betont jedoch schmunzelnd, dass bestehende Impfungen gegen Corona und Influenza bereits den effektivsten Schutz gegen die schwereren Erreger bieten. Die vollständigen Ergebnisse der LMU-Studie sollen im kommenden Jahr veröffentlicht werden.
Freiwillige für Studie gesucht
Die LMU sucht Freiwillige, die an einer Studie zur Untersuchung des Infektionsgeschehens in Bayern während der Zeit des Münchner Oktoberfestes teilnehmen möchten. Der Aufruf richtet sich an Volljährige, die im Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen/Schwabach leben und/oder arbeiten. Wichtig: Der Aufruf erfolgt für eine Vergleichsgruppe, also an Menschen, die nicht auf dem Oktoberfest waren.
„Es geht (...) darum, die Wiesngrippe differenzieren zu können von der saisonalen Grippewelle. Dadurch lassen sich Präventionsmaßnahmen für Festbesucher, z.B. eine Impfkampagne wie dieses Jahr auf dem Gelände evaluieren und die Belastung des Gesundheitssystem regional unterscheiden“, erklärt ein Mitarbeiter der LMU. Der wissenschaftliche Mehrwert der Studie bestehe darin, den Mythos der „Wiesn-Grippe“ zu be- oder widerlegen.
Die Teilnahme an der Studie ist bis Mitte November möglich, jedoch eher bis Ende Oktober sinnvoll, da die Erinnerung an den Zeitraum oder die Symptome einer möglichen Erkrankung verloren gehen können.

