
Die Krise in der Immobilienbranche hat die Region Nürnberg mit voller Wucht getroffen: Die Schultheiß Projektentwicklung AG hat beim Amtsgericht Nürnberg einen Antrag auf Eröffnung eines Regelinsolvenzverfahrens wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt. Das Gericht ordnete daraufhin vorläufige Sicherungsmaßnahmen an und bestellte den Nürnberger Rechtsanwalt Jochen Zaremba zum vorläufigen Insolvenzverwalter.
Der Verwalter hat umgehend einen Baustopp für alle laufenden Projekte der Schultheiß Projektentwicklung AG verhängt. Für die Region bedeutet die Schieflage erhebliche Konsequenzen: Laut Angaben von NN.de stehen mehr als 150 geplante oder bereits im Bau befindliche Eigentumswohnungen - unter anderem in Nürnberg sowie im Projekt „Am Sailersberg“ in Röthenbach an der Pegnitz - vorerst still. Wie und wann es für die betroffenen Bauprojekte weitergeht, ist derzeit noch völlig offen.
Wichtig: Kein Zusammenhang mit der Schultheiss Wohnbau AG
Angesichts der Namensähnlichkeit besteht in der Öffentlichkeit verständlicherweise eine Verwechslungsgefahr. Die Schultheiss Wohnbau AG betont auf ihrer Webseite ausdrücklich, dass die von der Insolvenz betroffene Schultheiß Projektentwicklung AG in keiner rechtlichen oder geschäftlichen Verbindung zur Schultheiss Wohnbau AG steht. Bei der Schultheiss Wohnbau AG handelt es sich um ein eigenständiges Unternehmen. Dieses stellte umgehend klar, dass es von dem Insolvenzantrag in keiner Weise betroffen ist und den Geschäftsbetrieb wie gewohnt fortführt.
Auswirkungen auf Beschäftigte, Käufer und Anleger
Von der Pleite der Schultheiß Projektentwicklung AG sind rund 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter direkt betroffen, deren Gehälter vorerst für bis zu drei Monate über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit gesichert sind. Unklar ist hingegen die Zukunft von zahlreichen Handwerksbetrieben und privaten Immobilienkäufern. Experten raten betroffenen Bauherren dringend dazu, vorerst keine weiteren Raten zu überweisen, den aktuellen Bautagebuch- und Fertigstellungsstand zu dokumentieren und rechtlichen Beistand einzuholen.
Neben Bauherren bangen auch Kapitalanleger um ihr Geld: Die Schultheiß Projektentwicklung AG hatte in der Vergangenheit, laut der Verbraucherinformationsplattform DieBewertung.de, Unternehmensanleihen im Volumen von rund 11,25 Millionen Euro begeben. Nachdem der Schultheiß Projektentwicklung AG noch zu Jahresbeginn deutliche Wachstumsziele attestiert worden waren, müssen Anleihegläubiger nun das weitere Insolvenzeröffnungsverfahren abwarten, um ihre Forderungen fristgerecht anzumelden.