Nürnberg - Nur eine einzige Änderung nahm Miroslav Klose in seiner Startformation bislang vor. Nun muss der FCN-Coach ein weiteres Mal unfreiwillig tauschen. Besonders drei Kandidaten drängen in die Erfolgself.

Allmählich wirft der Ligaalltag wieder seine Schatten voraus, immerhin sind inzwischen zwei der drei Länderspielwochen passé. Heißt im Umkehrschluss: Auch für den furios gestarteten Club wird es bald wieder ernst. Gemessen daran, dass mit dem VfL Wolfsburg sogleich der Krösus unter den Zweitligisten auf die Mittelfranken wartet, umso mehr. Nach dem größten anzunehmenden Unfall, der den Niedersachsen in Form des Bundesliga-Abstiegs widerfuhr, verlief auch der Saisonauftakt in Liga zwei außerplanmäßig. Ob das jüngste 5:1 über Darmstadt das Zeug zum Brustlöser hatte, muss sich erst noch zeigen.

Unfreiwillige Umbaumaßnahmen

Der um fünf Punkte besser aus den Startlöchern gekommene FCN wird etwas dagegen haben. Die Nürnberger glänzten an den ersten sechs Spieltagen mit beeindruckender Eingespieltheit. Lediglich einen personellen Wechsel nahm Cheftrainer Miroslav Klose inmitten der Erfolgswelle vor, als Innenverteidiger Fynn Otto kurzfristig ausfiel. Ansonsten vertraute der Weltmeister von 2014 auf das, was sich in der Vorwoche wieder und wieder bewährt hatte. Ganz an seiner Philosophie festhalten wird der Coach jedoch nicht können: Mittelfeldmann Finn Becker nutzte die Pause für einen lange geplanten Eingriff am Innenmeniskus. Dieser sei zwar „gut“ verlaufen, wie der 26-Jährige via Instagram mitteilte, fehlen wird Becker allerdings dennoch.

Sein bestens harmonierendes Mittelfeldtrio aus Adam Markhiev, Javí Fernández und eben jenen Becker muss Klose demzufolge notgedrungen umgestalten. Wer aber rückt für den Rekonvaleszenten in die Nürnberger Schaltzentrale? Bewerber gibt es jedenfalls zuhauf. Drei Kandidaten dürften sich nach aktuellem Stand um das Startelfmandat streiten. Für Vorjahres-Stammspieler Rafael Lubach spricht, dass er Becker bei dessen letzten Ausfall vertrat. Der Club mühte sich in Pokalrunde eins gegen Viktoria Köln ins Elfmeterschießen, wo der favorisierte Zweitligist das bessere Ende für sich hatte. Allzu viel Eigenwerbung hat der 21-Jährige seitdem allerdings nicht mehr betreiben können. Bei seinen Joker-Einsätzen blieb der frühere Dortmunder unter dem Strich einigermaßen glücklos.

Ghrieb und Bøving drängen in die Anfangself

Gleiches gilt auch für Zugang Rayan Ghrieb. Der Flügelspieler mit dem feinen linken Fuß ließ im Rahmen seiner begrenzten Einsatzminuten zu häufig die letzte Konsequenz vermissen. Mal verzettelte sich der Franzose im Dribbling, mal fehlte der Blick für den besser postierten Nebenmann. Inzwischen hat Ghrieb jedoch die jüngsten Eindrücke auf seiner Seite. Im Test gegen Ingolstadt gelang dem Ex-Magdeburger neben seinem traumhaften Fernschusstor auch noch die Vorlage zum zwischenzeitlichen 3:0. „Ich habe mich für Rayan so gefreut, weil er einfach ein begnadeter Fußballer ist und im Training so viele tolle Aktionen hat“, kommentierte Sportvorstand Joti Chatzialexiou bei ClubTV. Auch Trainer Klose gilt - gemessen an vergangenen Aussagen - als Fürsprecher des 27-Jährigen. Dass Julian Justvan, wie gegen den FCI gesehen, in die Zehnerrolle schlüpft und Ghrieb dafür auf rechts den Zuschlag erhält, ist denkbar.

Bliebe noch Leihgabe William Bøving, der bislang ebenfalls auf seine Startelf-Premiere im FCN-Dress wartet. Anders als seine beiden Mitstreiter verstand es der Däne außerdem sehr wohl, sich für längere Einsätze ins Schaufenster zu stellen. Zudem könnte der 23-Jährige im Nürnberger Offensivspiel so ziemlich jede Position bekleiden. Folglich würde Bøving den fränkischen Bemühungen zusätzliche Flexibilität verleihen, man denke etwa an mögliche Positionsrochaden mit Justvan oder gar Piet Scobel. Gegen den mannorientierten Verteidigungsstil der Wölfe böte sich dieses Stilmittel jedenfalls im Besonderen an.

Miroslav Klose erwartet demzufolge ein regelrechtes Luxusproblem. Einmal mehr hat der Übungsleiter die Qual der Wahl. Für Joti Chatzialexiou, federführend für die Zusammenstellung des Nürnberger Kaders verantwortlich, ist dies zugleich als Ritterschlag zu verstehen.