
Zuhause ist es immer noch am schönsten... so mögen viele Menschen denken. Und für Deutsche in Deutschland mag das sogar stimmen. Zwar flimmern auch über unsere Bildschirme tagtäglich Horrormeldungen, vor der Haustür sieht es jedoch nach wie vor so langweilig aus wie eh und je. Im trauten Heim sitzt jeder Stein brav auf dem anderen, aus dem Wasserhahn sprudelt frisches Trinkwasser, Landärzte sind vielleicht etwas rar, aber wer wirklich in Not ist, bekommt Hilfe. Entgegen der Wahrnehmung gewisser Schwarzmaler geht’s uns hier in Deutschland wie der Made im Speck. Wir werden mit mehr Privilegien geboren als 99 Prozent des Rests der Menschheit. Jahr für Jahr fahren wir deshalb ins Ausland, um uns mal wieder so richtig heilsam zu ärgern, zu schimpfen und in kathartischer Erleichterung zu seufzen: „Bin iich froh, wemmer widder daham sin.“
Von 163 untersuchten Ländern (Visions of Humanity) liegt Deutschland mit Platz 28 solide im oberen Viertel in puncto Ungefährlichkeit. Platz 1 bekleidet übrigens Island, wo es sicher ganz nett ist, um kurz Urlaub zu machen. Anschließend freut man sich dann aber wieder auf einen vernünftigen Tag-Nacht-Rhythmus, mit einer Sonne, die pünktlich auf- und untergeht, statt rund um die Uhr zu scheinen oder gar nicht.
Weder um Island noch Deutschland soll es an der Stelle allerdings gehen, sondern jene Staaten am anderen Ende der Skala. Unioncitizenship hat Länder nach Faktoren wie bewaffneten Konflikten, Terrorismus, hoher Kriminalität, politischer Instabilität und Gesundheitskrisen untersucht. Hier kommt die Top 10 der gefährlichsten Länder der Welt.
Krieg, Terror, Seuchen, Kriminalität - Kriterien der Gefahr
Das Ranking basiert auf einer Auswertung internationaler Daten zu Sicherheit, Konflikten und Reiserisiken. Da es keine weltweit einheitliche Definition dafür gibt, wie „gefährlich“ ein Land ist, wurden mehrere Risikofaktoren berücksichtigt und kombiniert, darunter Daten aus dem Global Peace Index (GPI) und dem Global Terrorism Index (GTI), Konflikt- und humanitäre Berichte der Vereinten Nationen, Gesundheitsrisikobewertungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Weltbank, des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) sowie aktuelle Reisehinweise verschiedener Regierungen. Um einen einheitlichen Vergleich zwischen den Ländern zu ermöglichen, wurden folgende zentrale Risikokategorien berücksichtigt:
- Bewaffnete Konflikte und Krieg
- Terrorismus und Aufstände
- Gewaltkriminalität und persönliche Sicherheit
- Politische Instabilität und staatliche Verwaltung
- Humanitäre Risiken und Risiken für die öffentliche Gesundheit
- Offizielle Reisewarnungen
Top 10 der gefährlichsten Länder der Welt
Russland
Russland gehört 2026 vor allem wegen des anhaltenden Krieges gegen die Ukraine, der damit verbundenen militärischen Eskalation und der zunehmenden innenpolitischen Repression zu den Ländern mit der höchsten Sicherheitsbelastung. Neben den unmittelbaren Kriegsrisiken – darunter Drohnen- und Raketenangriffe auch außerhalb der unmittelbaren Frontregion – besteht für Ausländer ein erhebliches Risiko staatlicher Überwachung, willkürlicher oder politisch motivierter Inhaftierung.
Auch in großen Städten wie Moskau, St. Petersburg und Kasan wurden Drohnenangriffe und Explosionen gemeldet. Das US-Außenministerium stuft Russland weiterhin als Level 4 – „Do not travel“ ein und nennt neben Terrorismus und Unruhen ausdrücklich das Risiko unrechtmäßiger Inhaftierung.
Ukraine
Die Ukraine ist durch den seit 2022 andauernden russischen Angriffskrieg weiterhin massiv gefährdet – mit aktiven Frontabschnitten, Raketen- und Drohnenangriffen sowie erheblichen Schäden an der Infrastruktur. Auch weit von der Front entfernte Städte sind nicht vor Angriffen gefeit.
Zusätzlich stellen zerstörte Infrastruktur, mögliche Blindgänger und die Belastung des Gesundheitssystems erhebliche Risiken dar. Das US-Außenministerium rät weiterhin ausdrücklich von jeder Reise in die Ukraine ab.
Sudan
Der seit 2023 andauernde Bürgerkrieg zwischen den sudanesischen Streitkräften und den paramilitärischen Rapid Support Forces hat große Teile des Landes verwüstet. Besonders in Darfur, Kordofan und im Großraum Khartum kommt es weiterhin zu schweren Kämpfen, während Millionen Menschen vertrieben wurden und die Versorgung mit Nahrung, Wasser und medizinischer Hilfe massiv eingeschränkt ist.
Für Reisende kommen bewaffnete Überfälle, Entführungen, sexuelle Gewalt, Terrorismus und Plünderungen hinzu. Landminen und nicht explodierte Kampfmittel sind ebenfalls eine konkrete Gefahr, während Strom- und Kommunikationsnetze jederzeit ausfallen können; selbst der Flughafen von Port Sudan war zeitweise von Drohnenangriffen betroffen. Die USA führen den Sudan deshalb weiterhin auf Level 4.
Demokratische Republik Kongo
Die Demokratische Republik Kongo ist vor allem im Osten von bewaffneten Konflikten geprägt. Gruppen wie M23 und die ADF sowie weitere Milizen kämpfen um Gebiete und Ressourcen; Gewalt, Vertreibungen, Entführungen, sexuelle Übergriffe und schwere Kriminalität treffen die Bevölkerung besonders stark.
2026 kommt ein großer Ebola-Ausbruch hinzu. Nach Angaben der WHO wurden bis zum 23. September 7.890 bestätigte Fälle und 3.799 Todesfälle registriert – eine Sterblichkeitsrate von 48,1 Prozent unter den bestätigten Fällen. Der Ausbruch hat sich inzwischen auf 63 Gesundheitszonen in sieben Provinzen ausgebreitet; die WHO bewertet das Risiko innerhalb des Landes als sehr hoch.
Die Kombination aus bewaffnetem Konflikt und einer schweren Infektionskrankheit wird durch die schwache Gesundheitsinfrastruktur zusätzlich verschärft. Das US-Außenministerium rät wegen Gesundheitsrisiken, Kriminalität, Unruhen, Terrorismus und Entführungen von Reisen in die DR Kongo ab.
Jemen
Der Jemen befindet sich nach Jahren des Bürgerkriegs weiterhin in einer tiefen politischen, wirtschaftlichen und humanitären Krise. Das Land ist zwischen verschiedenen politischen und militärischen Akteuren aufgeteilt; hinzu kommen regionale Spannungen und die Aktivitäten bewaffneter Gruppen.
Für Zivilisten und Reisende bestehen Risiken durch Terrorismus, Entführungen, bewaffnete Gewalt und Landminen. Gleichzeitig sind große Teile der Infrastruktur und des Gesundheitssystems zerstört oder stark geschwächt, wodurch selbst behandelbare Krankheiten oder Verletzungen schnell lebensbedrohlich werden können. Die USA führen den Jemen weiterhin auf Level 4 und nennen ausdrücklich Terrorismus, Kriminalität, Entführungen und Gesundheitsrisiken.
Afghanistan
Afghanistan wird seit der Machtübernahme 2021 von den Taliban kontrolliert, doch die Sicherheitslage ist keineswegs stabil. Besonders ISIS-K stellt weiterhin eine erhebliche Terrorgefahr dar und hat wiederholt Anschläge auf Zivilisten und andere Ziele verübt.
Hinzu kommen Entführungen, Gewaltkriminalität, das Risiko willkürlicher Inhaftierung und eine äußerst eingeschränkte medizinische Versorgung. Naturkatastrophen, Dürren und die schwierige Versorgungslage verschärfen die humanitären Probleme zusätzlich. Das US-Außenministerium rät ausdrücklich von jeder Reise ab und nennt Terrorismus, Entführungen, Kriminalität, unrechtmäßige Inhaftierung, Naturkatastrophen und fehlende medizinische Versorgung als zentrale Risiken.
Syrien
Syrien ist auch Jahre nach Beginn des Bürgerkriegs von den Folgen des Konflikts geprägt. Zwar hat sich die politische Situation seit dem Ende der Assad-Herrschaft Ende 2024 verändert, doch bewaffnete Auseinandersetzungen, politische Fragmentierung, Terrorismus und lokale Machtkämpfe bestehen weiterhin.
Für Reisende sind insbesondere Entführungen, Geiselnahmen, Terroranschläge, willkürliche Inhaftierungen sowie Landminen und nicht explodierte Kampfmittel gefährlich. Die Sicherheitslage unterscheidet sich zwar regional, dennoch warnt das US-Außenministerium weiterhin davor, dass kein Teil Syriens als sicher vor Gewalt angesehen werden kann.
Südsudan
Der Südsudan leidet weiterhin unter politischer Instabilität, bewaffneten Auseinandersetzungen und lokalen ethnischen Konflikten. Die staatlichen Strukturen sind schwach, während sich Gewalt und Spannungen in verschiedenen Regionen jederzeit verschärfen können.
Für Reisende bestehen erhebliche Risiken durch bewaffnete Kriminalität, Entführungen, Überfälle und lokale Konflikte. Gleichzeitig sind Landminen und nicht explodierte Kampfmittel weiterhin vorhanden, und die medizinische Versorgung ist außerhalb weniger Zentren äußerst begrenzt. Die USA warnen deshalb vor Kriminalität, Entführungen, Unruhen, Gesundheitsrisiken und weiteren Gefahren und stufen das Land als Level 4 ein.
Israel
Israel weist eine besondere Sicherheitslage auf: Während große Teile des Landes über moderne Infrastruktur und ein leistungsfähiges Gesundheitssystem verfügen, haben der Krieg im Gazastreifen und regionale Spannungen die Sicherheitsrisiken massiv erhöht. Raketenangriffe, Terrorismus und die Gefahr einer weiteren Eskalation betreffen insbesondere Konfliktgebiete und Grenzregionen.
Mali
Mali wird insbesondere durch islamistische Aufstände, Terrorismus und Entführungen sowie die politische Instabilität nach mehreren Militärputschen belastet. Außerhalb der Hauptstadt ist die staatliche Kontrolle teilweise schwach, während bewaffnete Gruppen große Gebiete destabilisieren.
Bei der Rangliste handelt es sich um eine Momentaufnahme. Sicherheitslagen können sich durch politische Entwicklungen, Naturkatastrophen, Waffenstillstände oder eine Eskalation bestehender Konflikte schnell verändern. Wer eine internationale Reise oder einen Umzug ins Ausland plant, sollte daher immer die neuesten offiziellen Reisewarnungen der eigenen Regierung sowie die Informationen örtlicher Behörden prüfen, bevor eine Entscheidung getroffen wird.