München - In einem Interview zu seinem 71. Geburtstag am vergangenen Freitag hat Bayern-Größe Karl-Heinz Rummenigge mit deutlicher Kritik an internen Vorgängen beim FC Bayern für Aufsehen und Schlagzeilen gesorgt.

Souveräner Start in Bundesliga und Champions-League, funktionierende Neuzugänge, Vertragsverlängerungen mit Sportvorstand Max Eberl und dem Vorstandsvorsitzenden Jan-Christian Dreesen. Eigentlich könnte man meinen beim „FC Hollywood“ trübt keine Sorgenfalte die sonnenverwöhnte Erfolgsstirn. Doch der glänzende Schein trügt. Im Hintergrund knirscht es beim Rekordmeister permanent. Das zeigt auch ein aktuelles Interview, das Ex-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge in der Abendzeitung gegeben hat und das hohe Wellen in der Fachpresse schlägt. Darin kritisiert das Aufsichtsratsmitglied interne Vorgänge beim FC Bayern. Doch was stößt dem Vereinsgranden so sauer auf? Ein kurzer Exkurs klärt auf.

Nachdem zunächst Ehrenpräsident Uli Hoeneß über Monate nicht mit kritischen Worten an Eberl gespart hatte - welcher sogar zugab, sich ein „dickes Fell“ angelegt zu haben - wurde das Arbeitspapier des Sportvorstands im August dann doch voller Lobeshymnen verlängert. Zu teure Neuzugänge und Starspieler-Verlängerungen, zu geringe Transfererlöse, zu viele Alleingänge und Eigenbrötlerdasein, Kompetenzgerangel mit Sportdirektor Christoph Freund: Die Liste an Mängeln war lang. Doch auf einmal herrschte Eitel Sonnenschein um die Causa Eberl, vormalige Störgeräusche verstummten - bis zum 25. September. Dann nämlich rechnete Rummenigge unmissverständlich mit der Vorgehensweise rund um die Eberl-Verlängerung ab.

Gegenüber der Münchner Zeitung erklärte er, als einziger nicht für die Verlängerung mit Sportvorstand Max Eberl gestimmt zu haben. „Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich bei der Verlängerung mit Max mit Nein stimmen soll. Erst im Verlauf der Sitzung habe ich mich entschieden, mich zu enthalten“, wird Rummenigge zitiert. Nicht aber, weil er Eberl jegliche Kompetenz abspricht, sondern weil ihn Dinge im Vorfeld der Abstimmung gestört hätten. „Mich hat etwas irritiert an der Diskussion um Max: Es ist der Eindruck entstanden, der Präsidialausschuss habe die Vertragsverlängerung bereits entschieden und diese Entscheidung nur noch an die übrigen vier Mitglieder des Aufsichtsrats weitergegeben. So läuft es aber nicht“, so der 71-Jährige.

„Wenn etwas intern besprochen und anschließend als reine Empfehlung ausgesprochen wird, habe ich damit kein Problem. Wenn eine solche Empfehlung aber an die Zeitung durchgestochen wird und dadurch der Eindruck entsteht, die Entscheidung sei praktisch schon gefallen, dann habe ich damit ein Problem.“ Er wolle seine Entscheidung unabhängig treffen und sich „nicht durch eine vorherige Empfehlung präjudizieren lassen. Die Art und Weise, wie es publik gemacht wurde, sei „nicht in Ordnung“ gewesen. „Das habe ich den Beteiligten aber auch mitgeteilt – ich bin ein Freund von offenem Visier.“ Die Beteiligten, damit dürfte sich in erster Linie Hoeneß angesprochen fühlen. Er hatte sich Anfang August am Rande des Tegernsee-Trainingslagers der Bayern dazu hinreißen lassen, Eberls Chancen auf eine Vertragsverlängerung auf 100 Prozent zu beziffern. Vor zwei Wochen gab Hoeneß bei einer Veranstaltung der Bayern-Basketballer zu: „Da habe ich genug Ärger gehabt intern mit meinen 100 Prozent.“

Eberl-Entmachtung am Campus

Zwischen den Zeilen lässt sich dennoch auch Kritik an Sportvorstand Eberl erkennen. Rummenigge verriet konkret, warum er Eberls Arbeit offenbar deutlich kritischer beurteilt als die meisten seiner Aufsichtsrats-Kollegen. „Wir wollten eigentlich Palhinha, Boey, Zaragoza und Nübel verkaufen. Zusammen hatten wir ein Paket erwartet, das zwischen 60 und 70 Millionen Euro bringen sollte. Am Ende hat es 20 Millionen gebracht.“ Gerettet hätten die Bilanz dann die Verkäufe der jungen Spieler, „unter anderem von Aseko, Ibrahimovic und Kusi-Asare“, sagte Rummenigge.

Das sei in erster Linie der Verdienst von Freund und Sauer gewesen: „Sie sind absolute Fachleute auf dem Gebiet und kümmern sich täglich um den Campus.“ Dazu passt, dass die Entmachtung von Sportvorstand Eberl am Bayern-Campus mittlerweile beschlossen ist. Sportdirektor Freund und Jochen Sauer tragen laut Rummenigge künftig die komplette Verantwortung für den Nachwuchs. Entscheidend sei, dass man „harmonisch und loyal zusammenarbeitet. Das wird in Zukunft noch wichtiger sein“, mahnt der Ex-Vorstandsboss.