
Acht Hektar Fläche wurden in Bayern vergangenes Jahr jeden Tag neu überbaut - eine Fläche von rund elf Fußballfeldern. Das ist aus den aktuellen Zahlen des Landesamtes für Statistik zu entnehmen. Damit geht der Flächenverbrauch im Vergleich zu den Vorjahren zurück. Der bayerische Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) kritisiert die Politik in einer Pressemitteilung dennoch scharf. Denn ein selbst gestecktes Ziel werde damit weit verfehlt.
Seit Jahren wolle die Bayerische Staatsregierung den Flächenverbrauch auf maximal fünf Hektar täglich reduzieren, so der LBV. „Das Prinzip der Freiwilligkeit ist krachend gescheitert“, wird Helmut Beran, Geschäftsführer Naturschutzpolitik im LBV, in der Mitteilung zitiert. „Es braucht verbindliche Regelungen, aber auch Unterstützung für Kommunen etwa bei der Nutzung von brachliegenden Flächen.“
Auch im Blick auf die Klimakrise sei es laut LBV wichtig, weniger Fläche zu verbauen. „Die extreme Hitze im Sommer 2026 hat uns drastisch vor Augen geführt, wie wichtig es ist, Wasser in der Fläche zu halten“, sagt Beran. Feuchte Böden seien unerlässlich, um die Luft bei starker Hitze abzukühlen. Denn Wasser entzieht der Umgebung durch Verdunstung Wärme und trägt so dazu bei, die Luft abzukühlen.
Besonders gravierend sei die Situation auf versiegelten Flächen, da dort Niederschläge gar nicht erst in den Boden eindringen können. „Werden immer mehr Flächen versiegelt und verbaut, verschärft das die Folgen von Hitzewellen“, warnt LBV-Geschäftsführer Beran.
Laut dem Landesamt für Umwelt war der Sommer 2026 mit 20 Grad in Bayern überdurchschnittlich warm. Allein im Freistaat gab es laut Robert-Koch-Institut 2150 Hitzetote - fünfmal so viele wie im Vorjahr. Landesweit stiegen die Temperaturen an 26 Hitzetagen auf über 30 Grad. Das mache laut LBV deutlich, dass die Folgen des Klimawandels auch im bisher eher kühlen Bayern immer gravierender werden. Zur extremen Hitze kamen lange Trockenperioden hinzu. Insgesamt hat es seit März in Bayern um ein Drittel weniger geregnet im Vergleich zum Referenzzeitraum 1971–2000.
„Falsche Landnutzung und Flächenfraß setzen einen Kreislauf in Gang, der die Folgen des Klimawandels immer weiter anheizt. Nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch zum Schutz der Menschen muss der zügellose Verbrauch von natürlichen Flächen gestoppt werden“, fordert Helmut Beran. Als eine Lösung fordert der LBV, dass Bayern keine Staatswaldflächen mehr für die Ausweisung von neuen Gewerbegebieten veräußert.