
Diese Bilder gehen um die Welt: Die Hyrox-Athletin Joanna Wietrzyk leidet – das erkennt man insbesondere am Kot, der an ihren Beinen herabläuft – während eines Wettkampfs offenbar an erheblichen Darmproblemen und Inkontinenz. Trotzdem absolviert sie alle Stationen, läuft ins Ziel und gewinnt sogar. Danach begibt sich die Sportlerin ins Krankenhaus und postet von dort eine inzwischen wieder gelöschte Story mit dem Text „Sieg ist Sieg“.
Dass sie trotz Durchfall den Wettkampf durchzog, legen ihre manche Beobachter als Zeichen besonderer Disziplin aus, in manchen Social-Media-Beiträgen wird sie gar als „Warrior for Fighting“ glorifiziert. „Wir fordern unsere Athletinnen und Athleten auf, sich bis an ihre äußersten Leistungsgrenzen zu bringen. Bisweilen gehen sie über das hinaus, was selbst wir für möglich gehalten haben“, schrieb Veranstalter Hyrox zunächst und lobte Wietrzyks Leistung: „Genau dieser Mut, diese Widerstandskraft und ihr unbedingter Wille, nicht aufzugeben, machen Spitzensportlerinnen und Spitzensportler so außergewöhnlich.“
Zugleich stößt die Aktion, deren unappetitlichen Bilder millionenfach geteilt wurden, eine Debatte über falschen Ehrgeiz, Scham und Hygiene sowie das Überschreiten von Grenzen an. Diese Debatte mündet in Anfeindungen an die Sportlerin und Vorwürfen an den Veranstalter. Denn: Beim Hyrox, in dem Teilnehmende jeweils ein Kilometer lange Laufabschnitte zurücklegen und dann bestimmte Kraft- und Ausdauerübungen mit Equipment absolvieren, teilen sich die Sportler die Strecke ebenso wie die Fitnessgeräte. Beide wurden durch das Malheur kontaminiert.
Wietrzyk wird daher nun vorgeworfen, die Gesundheit anderer Menschen gefährdet zu haben. Ein aktiver Hyrox-Athlet erklärte gegenüber dem Tagesspiegel: „Ich habe Hyrox dafür bezahlt, eine professionell organisierte und sichere Veranstaltung zu bieten. Für Menschen, die dieser Situation ausgesetzt waren, kann es reale körperliche und psychische Folgen geben.“
Chris Bayens, Wietrzyks Coach, meldete sich auf Instagram zu Wort: „Was passiert ist, war eine außergewöhnliche, unvorhergesehene und sich schnell entwickelnde Situation, die in Echtzeit kaum vollständig zu erfassen war. Die Diskussion ist legitim. Der Hass und die persönlichen Angriffe, die darauf folgten, sind es nicht.“
Der Veranstalter selbst, der sich zunächst sehr positiv zum Vorfall geäußert und die Mentalität der Sportlerin hervorgehoben hatte, ruderte angesichts der Dynamik in der öffentlichen Debatte zurück. Mitgründer Moritz Fürste entschuldigte sich auf Instagram bei allen „direkt oder indirekt“ Betroffenen und konstantierte: „Hyrox hat einen Fehler gemacht, indem nicht sofort während des Rennens reagiert wurde.“ Erst nach dem Rennen, das erklärte Hyrox China, wurden alle betroffenen Bahnen und die verunreinigte Ausrüstung gesperrt, gereinigt und desinfiziert, zudem wurden auch betroffene Bodenbeläge ausgetauscht und der Veranstaltungsort einer Grundreinigung unterzogen.
Um derartige Vorfälle zukünftig zu vermeiden, führte Hyrox eine neue Regel ein: Stellen Blut, Erbrochenes, Urin oder Fäkalien ein Gesundheits- oder Kontaminationsrisiko dar, kann die Rennleitung einen Athleten künftig aus medizinischen Gründen aus dem Wettkampf nehmen.
