Nürnberg - Das Langsee-Bad gilt als eine der besonderen Freibad- und Naturbad-Idyllen Nürnbergs. Doch hinter der grünen Kulisse kämpft der vom TSV 1846 Nürnberg betriebene Badesee nicht erst seit diesem Jahr ums Überleben.

Das Langsee-Bad in Nürnbergs Osten steht vor einer ungewissen Zukunft: In der Sommersaison 2026 musste das idyllische Naturbad nach der ersten großen Hitzewelle Anfang Juli wegen der hohen Belastung des Gewässers und anhaltend hoher Temperaturen vorübergehend schließen.

Die Algenblüte wuchs und gedieh, die Sichttiefe im See betrug zeitweise nur 45 Zentimeter, sodass der Verein seine Verkehrssicherungspflicht nicht mehr gewährleisten konnte; zudem war der Langsee stark mit Blaualgen belastet. Nach einer kurzen Teilöffnung für Familien und Kinder wurde der Badebetrieb wieder eingestellt, weil sich nicht genügend zahlende Gäste einfanden und der TSV 1846 nach eigenen Angaben sogar Geld zuschießen musste. Regen und kühlere Temperaturen hätten die Wasserqualität zwar verbessern können, doch beides blieb streckenweise so stark aus, dass eine Erholung vom Blaualgenbefall schlicht unrealistisch war. Eine schnelle und dauerhafte Lösung war nicht absehbar. Denn selbst wenn die Algenblüte nicht mehr wächst und auch der Phosphatgehalt im Wasser sinke, brauche der See auch im Nachgang noch eine Woche oder zwei Wochen bis sich die Stoffe verflüchtig haben und das Wasser betretbar sei. Der Verlust, so Sabine Servatius, beläuft sich derzeit auf 100.000 Euro. „An sich war es ein gigantischer Sommer und zunächst hatten wir gigantische Besucherzahlen.“

Spätestens seit 2021 kämpft das vom TSV 1846 Nürnberg betriebene Bad deshalb nachweisbar mit steigenden (Betriebs-) Kosten, notwendiger Instandhaltungen, Personalmangel und einer unsicheren finanziellen Zukunft. Die Vereinskasse ist seither heftig belastet. Damals erklärte der TSV, allein für Personal jährlich rund 80.000 bis 100.000 Euro aufbringen zu müssen. Das Bad könne aus eigener Kraft kaum noch getragen werden - hieß es bereits vor fünf Jahren; Unterstützung durch die Stadt wurde deshalb dringend erhofft.

Auch zwei Jahre später war die Lage keineswegs entspannter. Im Juli 2023 wurde erneut berichtet, dass das Freibad trotz seiner großen Beliebtheit und seines besonderen Charakters unter erheblichem finanziellem Druck stehe. Die Mitglieder des TSV 1846 halfen weiterhin mit großem persönlichem Einsatz bei Pflege, Betrieb und Erhalt der Anlage. Zugleich stießen sie bei notwendigen Sanierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen immer wieder an finanzielle Grenzen. Damit wurde deutlich, wie stark der Fortbestand des Bades vom ehrenamtlichen Engagement und von den Einnahmen aus dem laufenden Badebetrieb abhängt.

Jetzt - in der Sommersaison 2026 - verschärfte sich die Krise nochmals, sie spitzte sich stark zu. Das Naturbad musste wegen hoher Temperaturen und einer starken Belastung des Sees durch Blaualgen die meiste Zeit der Saison schließen: „Seit Mai hatten wir ingesamt 32 Tage geöffnet“, zählt Sabine Servatius, Vorstandsmitglied des TSV 1846 Nürnberg, im Gespräch mit nordbayern nach. Vor allem Blaualgen und eine geringe Sichttiefe machten den Badebetrieb unmöglich. Eine zwischenzeitliche Teilöffnung für Familien und Kinder endete nach vier Tagen wegen überbordenden Kosten und brachte auf nicht die erhoffte Entlastung: Weil zu wenige zahlende Gäste kamen, rechnete sich der Betrieb nicht.

Nach Angaben des TSV musste der Verein sogar Geld zuschießen – die Öffnung wurde deshalb wieder beendet, so Servatius. „Die Saison ist gelaufen“, sagt die Vorständin trocken. Und sie wird im Gespräch deutlich: „Es geht nun um die Zukunft des Langsee-Bads. Wenn die Stadt nichts macht, dann sollten wir es noch genießen, solange es geht.“ Das Bad in Nürnberg-Mögeldorf habe eine 105 Jahre währende Tradition aufzuweisen, „da kann man doch nicht einfach sagen: Das vergessen wir jetzt.“ Ein solches Naherholungsgebiet müssen man doch erhalten - „gerade wenn man auch auf die vielen Hitzetoten in diesem Jahr blickt“, so Servatius.

Suche nach einer Lösung für das Langsee-Bad ist nicht so einfach

Doch eine Lösung ist nicht einfach - und sie liegt schon gar nicht auf der Straße. Wie Sabine Serviatius sagt, müsse man in Zeiten des Klimawandels damit rechnen, dass auch der Sommer 2027 wieder von Hitzeperioden durchzogen ist - und dann stehe man im nächsten Jahr wieder vor dem identischen Problem.

Servatius sieht die Stadt Nürnberg in der Verantwortung, da sie die Eigentümerin des Bades ist. Doch mit einer Finanzspritze sei das Problem nicht erledigt, denn man wisse gar nicht, worin man die Gelder investieren solle. Daher habe man auch davon abgesehen, eine Crowdfundig-Initiative ins Leben zu rufen. „Man muss ja erstmal sehen, was wie getan werden kann, was eine mögliche Lösung sein kann - ohne eine Idee bringt Geld nichts“, so Servatius. Auch in steter Abstimmung mit der Stadt erhalte sie immer wieder die Antwort: „Kurzfristig gibt es keine Lösung. Und es gibt keine Lösung par excellence.“ Dabei liege es nicht nur an klammen Haushaltskassen, sondern auch daran, dass Gewässer auch sehr individuell sind: Was in dem einen Fall hilft, kann auf einen anderen Fall angewandt nichts bringen.

Vereinsvorstand konkretisiert Zukunft des Langsee-Bads im Herbst

Eine Lösung müsse sich aber andererseits tragen, Gelder können und dürfen nicht verschwendet werden, so Servatius. In den kommenden Wochen wird sich der Vorstand des TSV 1846 beraten, im Oktober oder November will man dann konkret überlegen, wie man sich vor einer Misere wie in dieser Saison wappnen könne - und vor allem, wie es langfristig mit dem Betrieb des Bads weitergehen kann, wie die Zukunft aussehen könnte. Denn auch, wenn der kommende Sommer nicht mehr ganz so heiß sein wird wie der diesjährige, und daher die Algenblüte das Baden nicht unterbinde: Wird der Sommer durchwachsen, fallen wenige Tage mit Freibad-Wetter an, müsse der TSV dennoch finanziell haushalten - und überlegen, ob er sich eine Öffnung leisten kann.

Auch Nachfrage der Redaktion in der Stadtverwaltung teilt man mit, „dass die Fachdienstellen der Stadt Nürnberg dem Verein sehr gerne zur Seite“, bei Analysen oder „vielleicht möglichen Lösung des Problems“. Auf die Frage, was die Stadt tun könne, damit sich das Thema im nächsten Jahr nicht wiederhole, heißt es von der zuständigen Stelle: „Jetzt gilt es für den Verein die Zeit bis zum nächsten Sommer zu nutzen, um realisierbare Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten.“ Was eine langfrisitge Lösung anbelangt, wird auf den TSV 1846 Nürnberg verwiesen: „Aktuell liegt das Langseebad im Verfügungsbereich des TSV 1846. Daher besteht zur Zeit, seitens der Stadt, kein Bedarf, eigene Pläne für das Bad zu entwerfen. Hinsichtlich der weiteren Entwicklung steht die Stadt aber, wie seit Jahren, in einem guten Austausch mit dem Verein.“

Doch so einfach gibt sich das Team hinter dem Langsee-Bad nicht geschlagen, zum Start des neuen Schuljahrs und zum Ende der Freibad-Saison in Nürnberg wird das Naturbad nocheinmal reduziert öffnen, mit einer Hüpfburg und Rabatten auf Eis. Dazu schreibt das Team in einem Post auf Instagram: „Der Langsee hat sich etwas erholt, aber es gibt noch genügend Cyanobakterientoxine im Wasser, die ein gesundheitliches Risiko darstellen und deswegen ist noch kein Schwimmen möglich.“ Doch da der Herbst Einzug halte, werde man am Dienstag, 15. September, bei 26 Grad Außentemperatur „das Nichtschwimmer- und Planschbecken sowie das Café Kiosk Flamingo von 13 bis 18 Uhr“ öffnen.