Nürnberg - Ereignisse wie der 11. September 2001 haben sich tief ins Gedächtnis eingebrannt. Viele wissen bis heute, wo sie waren und was sie gerade gemacht haben. Psychologen nennen das Blitzlichterinnerungen.

Wo warst du am 11. September 2001? Was hast du gerade gemacht? Und wer hat dir von den Anschlägen erzählt? Für viele Menschen kommen die Antworten noch heute in Sekundenschnelle. Man weiß noch, in welchem Raum man war, wer neben einem saß, was man gerade getan hat.

Heute jährt sich der 11. September 2001 zum 25. Mal. Und obwohl ein Vierteljahrhundert vergangen ist, gehört dieser Tag zu den Ereignissen, von denen viele Menschen sagen: Ich weiß noch ganz genau, wo ich war.

Das Ganze wird in der Psychologie „Blitzlichterinnerungen“ genannt. „Sie sind detailreich und farbig und beinhalten typischerweise, dass man sowohl detailliert an die Situation erinnert, in der man eine historische wichtige Nachricht gehört hat, oder auch an das Ereignis selbst. Wer sich daran erinnert, erwähnt oft, wer ihm die Nachricht übermittelt hat, was er gerade tat, was er gerade anhatte und was er dachte, fühlte und sagte“, erklärt Rechtspsychologin Julia Shaw in ihrem Buch „Das trügerische Gedächtnis. Wie unser Gehirn Erinnerungen fälscht“.

Zu solchen Momenten zählen beispielsweise Erinnerungen an die Ermordung John F. Kennedys, den Fall der Berliner Mauer oder die Terroranschläge vom 11. September 2001.

Entscheidend für die Erinnerung sind drei Faktoren

Warum gerade diese Momente so stark im Gedächtnis bleiben, hat mehrere Gründe, erklärt Shaw. Entscheidend sind drei Faktoren: „Erstens musste das Ereignis ein hohes Maß an Überraschung erzeugen. Es durfte nicht trivial oder erwartbar sein.“ Außerdem muss es eine große Bedeutung haben und starke Gefühle auslösen. Beim 11. September kamen alle drei Faktoren zusammen. Nichts daran war vorhersehbar, die Folgen waren weltweit spürbar und die Bilder und Nachrichten lösten bei vielen Menschen Angst, Trauer und Fassungslosigkeit aus.

September 11, 2001, New York, New York, USA: A man
<p>Fast jeder hat das Bild der brennenden und qualmenden Zwillingstürme im Kopf. (Archivbild)</p> © Randy Taylor via www.imago-image/ZUMA Wire

Erinnerungen werden neu zusammengesetzt

Doch ausgerechnet bei einer Erinnerung, die sich besonders klar und zuverlässig anfühlt, liegt ein psychologischer Haken: Sie muss deshalb nicht tatsächlich besonders genau sein.

Unser Gedächtnis funktioniert nicht wie eine Festplatte, auf der Erlebnisse unverändert gespeichert werden, erklären die Psychologinnen Ciara Greene und Gillian Murphy in ihrem Buch „Das fühlende Gedächtnis. Wie unser Gehirn Erinnerungen überschreibt“. Erinnerungen werden beim Abrufen immer wieder neu zusammengesetzt. Gespräche mit anderen, spätere Informationen, Fotos, Videos und die eigene Entwicklung können beeinflussen, wie wir uns an einen Moment erinnern. Vor zehn Jahren haben wir voraussichtlich noch anders vom 11. September 2001 erzählt.

Wir erinnern uns an mehr als zwei Flugzeuge und zwei Türme

Das macht die Erinnerung an den 11. September nicht weniger echt. Im Gegenteil: Für denjenigen, der sich erinnert, fühlt sie sich vollkommen real an. Gerade die Mischung aus Bildern, Gefühlen und persönlichen Details macht Blitzlichterinnerungen laut der Wissenschaftler so eindringlich.

Immer topaktuell informiert bleiben über die wichtigsten Themen aus der Region? Über unseren WhatsApp-Kanal erfährst du alle Neuigkeiten aus erster Hand.

Hier geht es direkt zum WhatsApp-Channel - eine „Schritt für Schritt“-Anleitung findest du hier.