Erbendorf - In den Wäldern der Oberpfalz und Oberfrankens fühlt sich der Habichtskauz wohl. Jedenfalls breiten sich die putzigen Eulenvögel dort stetig aus.

Habichtskäuze waren einst in Deutschland weitgehend ausgestorben. In Nordostbayern vermehren sich die scheuen Eulenvögel wieder. Das ist das Ergebnis eines seit fast zehn Jahren laufenden Wiederansiedlungsprojektes. Auch heuer hat der Verein für Landschaftspflege, Artenschutz & Biodiversität (VLAB) wieder 28 Jungvögel ausgewildert. Sie stammen aus Zoos und Wildparks in Deutschland, Frankreich und Belgien.

Seit 2017 wurden somit 161 Habichtskäuze freigelassen. Die Tiere werden nach VLAB-Angaben zunächst mehrere Wochen in großen Volieren auf die Bedingungen in freier Natur vorbereitet, bevor sie in geeigneten Waldgebieten ausgewildert werden. Wo genau die Volieren stehen, bleibt geheim, um die scheuen Vögel vor Neugierigen zu schützen. In der näheren Umgebung der Volieren hat der Verein Brutkästen aufgehängt, um die natürlichen Brutmöglichkeiten wie hohe Baumstümpfe und Totholz zu ergänzen.

Seit 2024 ist auch Nachwuchs in freier Natur nachgewiesen. Seither gab es jedes Jahr Bruten bereits ausgewilderter Vögel. „Die Beobachtungen zeigen, dass die Eulen die Wälder der Region nicht nur als Lebensraum annehmen, sondern sich dort auch fortpflanzen. Das ist ein wichtiger Schritt für die Rückkehr der Art nach Nordostbayern“, sagt Michaela Domeyer, Leiterin des Wiederansiedlungsprojektes.

Projektleiterin Michaela Domeyer vom Verein für La
<p>Die Eulen nähmen die Wälder der Region nicht nur als Lebensraum an, sondern pflanzten sich dort auch fort, sagt Michaela Domeyer.</p> © Johannes Bradtka/VLAB/dpa

Häufigste Todesursache: Verkehrsunfälle

Zwölf der jüngst ausgewilderten Habichtskäuze tragen GPS-GSM-Sender. Damit lässt sich nachvollziehen, wohin sich die Tiere bewegen, wo sie sich zu verschiedenen Tageszeiten aufhalten und welchen Gefahren sie ausgesetzt sind. Die gewonnenen Daten sollen zugleich helfen, die Entwicklung der noch jungen Population besser zu verstehen.

Für die jungen Eulen stelle gerade die erste Zeit in Freiheit eine besonders kritische Phase dar. Die Monitoringdaten zeigten, dass vor allem die ersten Monate mit erhöhten Risiken verbunden seien, sagt Domeyer. Mit zunehmendem Alter sinke das Sterberisiko deutlich. Als häufigste bislang festgestellte Todesursache gelte der Straßenverkehr – etwa Kollisionen mit Lastwagen.

Das Kerngebiet der Wiederansiedlung liegt im Steinwald, im Hessenreuther Wald und im Fichtelgebirge. Die meisten der freigelassenen Tiere seien bislang in diesem Raum geblieben, heißt es vom VLAB. Einzelne Habichtskäuze hätten allerdings weite Strecken zurückgelegt und seien unter anderem im Vogtland, im Fränkischen Jura, im westlichen Erzgebirge und am Fuße des Elstergebirges im Nordwesten Tschechiens nachgewiesen worden.

Habichtskauz soll dauerhaft heimisch werden

Das Ziel – die dauerhafte Etablierung des Habichtskauzes in der Region – sehen die Projektverantwortlichen trotz der Bruterfolge und der Auswilderungen nicht erreicht. Die Population stehe noch am Anfang ihrer Entwicklung, so Domeyer. Bislang könne sie sich nicht allein durch natürliche Fortpflanzung erhalten.

Deshalb sollen in den kommenden Jahren weitere Jungvögel in geeigneten Waldgebieten freigesetzt werden. Langfristig, so die Hoffnung, soll sich in Nordostbayern eine Population mit etwa 10 bis 15 dauerhaft von Brutpaaren besetzten Revieren ansiedeln.

„Unser Ziel ist, dass der Habichtskauz wieder zu den typischen Eulenarten der Wälder Nordostbayerns gehört. Die Freilandbruten der vergangenen Jahre belegen, dass sich die Tiere hier fortpflanzen können“, sagt Domeyer. Deshalb soll das Artenschutzprojekt noch einige Jahre fortgeführt werden. Finanziert wird es aus Eigenmitteln des VLAB sowie durch Stiftungen und private Spenden.

Vor 100 Jahren ausgestorben

Der Habichtskauz war in Mitteleuropa vor rund 100 Jahren ausgestorben. Das letzte Exemplar sei wohl um 1926 im Böhmerwald erschossen worden, heißt es.

Nach seiner Wiederansiedlung im Nationalpark Bayerischer Wald engagiert sich der VLAB seit 2017 mit Zoos, Wildparks sowie staatlichen und privaten Grundeigentümern für die Rückkehr der großen Eule in die Wälder Nordostbayerns. Abgesehen von den Habichtskäuzen in Bayern sind in Deutschland den Angaben nach keine Vorkommen bekannt.

In Bayern gehört der Habichtskauz zu den sogenannten Verantwortungsarten, für deren Erhalt der Freistaat aufgrund ihrer besonderen Bedeutung und Gefährdung eine besondere Verantwortung trägt.

Der Habichtskauz ist der größte und zugleich einer der seltensten Käuze in Mitteleuropa. Er ist etwa 60 Zentimeter groß, hat eine Spannweite von 125 Zentimetern und kann mehr als 20 Jahre alt werden. Der Eulenvogel bevorzugt als Lebensraum ältere Mischwälder, die mit freien Flächen durchsetzt sind, um besser nach seiner Hauptbeute – Mäusen – suchen zu können.