Nürnberg - Ob an Flughäfen, in Zügen oder beim Behördentermin: Immer häufiger sieht man Menschen mit einem Sonnenblumen-Band um den Hals. Dahinter steckt kein neuer Trend, sondern ein Erkennungszeichen mit ernstem Hintergrund.

Von Angststörung über Multiple Sklerose, und Atemwegserkrankungen wie Asthma, bis hin zu Alzheimer oder Autismus: Die Liste unsichtbarer Einschränkungen ist lang. Weltweit lebt eine von sechs Personen mit einer Behinderung. Und innerhalb dieser Gruppe leben schätzungsweise bis zu 80 Prozent mit einer nicht sichtbaren Beeinträchtigung – das sind über eine Milliarde Menschen. Diese können durch das Tragen einer sogenannten Hidden Disabilities-Sunflower nun auf ihre Bedürfnisse aufmerksam machen.

„Für manche Menschen ist es schwer zu verstehen oder zu glauben, dass jemand mit einer ,nicht sichtbaren Beeinträchtigung‘ tatsächlich Unterstützung benötigt. Deshalb haben wir von Hidden Disabilities Sunflower die Sunflower ins Leben gerufen – um Inklusion, Akzeptanz und Verständnis zu fördern“, schreibt die Initiative auf ihrer Webseite.

Mit dem Tragen der Sunflower können Betroffene andere wissen lassen, dass womöglich zusätzliche Unterstützung, etwas Verständnis oder einfach nur mehr Zeit benötigt wird.

So entstand die Idee zum Sonnenblumen-Band

Die Idee wurde 2016 am Flughafen Gatwick in England geboren. Die Airport Passenger Advisory Group und das Gatwick-Team setzten sich 2016 mit lokalen und nationalen Wohltätigkeitsorganisationen zusammen, um zu prüfen, ob die Verwendung eines sogenannten Lanyards, heißt auf Deutsch so viel wie Schlüsselband, Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen zugutekommen könnte.

Die Idee: Mit einem Bändchen oder Anstecker mit Sonnenblumensymbol macht man freiwillig und diskret darauf aufmerksam, dass man am Bahnhof oder im Zug gegebenenfalls mehr Zeit, Geduld oder Unterstützung braucht.

Die Idee wurde in die Tat umgesetzt und fand schnell Anklang und verbreitete sich in der ganzen Welt. Heute, gut zehn Jahre später, sind tausende Unternehmen, Universitäten, Arbeitgeber, Flughäfen oder Verkehrsunternehmen Teil des Sunflower-Netzwerks und bieten die Schlüsselbänder an. Zuletzt trat im März auch das Bahnunternehmen Eurostar dem Netzwerk bei. Laut Eurostar wurden die Mitarbeitenden geschult, um mit Fahrgästen, die das Symbol tragen, angemessen umzugehen und ein besseres Verständnis für verschiedene nicht sichtbare Behinderungen zu entwickeln. Die Bändchen liegen an diversen großen Bahnhöfen aus, die der Zug anfährt, und können dort an Fahrgäste mit einer unsichtbaren Behinderung auf Nachfrage ausgegeben werden. Eurostar betreibt Personenzüge zwischen dem europäischen Festland und England durch den Eurotunnel unter dem Ärmelkanal.

Netzwerk ist international gewachsen - besonders an Reise-Hotspots beliebt

Das Sunflower-Programm vor im Luftverkehrsbereich weit verbreitet: Weltweit sind es mehr als 320 Flughäfen in 70 Ländern, die dabei sind. In Deutschland zählen unter anderem die Airports in München, Frankfurt und Berlin dazu, auch die Lufthansa ist Mitglied. Es ist aber nicht aufs Reisen beschränkt - zu den Mitgliedern zählen etwa auch Banken, Supermarktketten und Behörden.