Karlstadt - Neue Details zum Zwischenfall im ICE 528 bei Karlstadt: Nachdem sich am Dienstagabend während der Fahrt eine Waggontür öffnete, offenbart ein Sprecher nun das Ausmaß der Rettungs- und Suchmaßnahmen.

Am Dienstagabend ging gegen 19.50 Uhr der Notruf bei den Rettungskräften ein, berichtete Benedict Rottmann, Pressesprecher der Kreisbrandinspektion Main-Spessart. Die Erstmeldung verhieß nichts Gutes: Es bestand der Verdacht, dass Personen von einem Zug erfasst worden sein könnten. Beim Eintreffen der ersten Einsatzkräfte am Eingangsportal des Schönraintunnels bei Karlstadt in Unterfranken stellte sich die Lage jedoch anders dar. Der Schnellzug ICE 528 stand nach einer Notbremsung mitten im Tunnel. Wie sich herausstellte, lag ein schwerwiegender technischer Defekt vor: Während der Fahrt hatte sich eine Waggontür geöffnet.

Die Bundespolizei sucht weiterhin nach dem Verursacher oder der Verursacherin. „Die Ermittlungen laufen nach wie vor“, sagte ein Sprecher der Bundespolizei in Würzburg. Eine verdächtige Person sei bisher nicht ermittelt worden.

Die Bundespolizei und die Deutsche Bahn schließen eine technische Panne aus. Die Notentriegelung der Tür war laut Bundespolizei beschädigt worden - ob absichtlich oder versehentlich war jedoch unklar.

Der ICE war mit rund 150 bis 200 Kilometern pro Stunde unterwegs, als sich die Verriegelung löste. Durch die hohe Geschwindigkeit und den enormen Druckunterschied befürchteten die Helfer das Schlimmste: „Hier musste man natürlich davon ausgehen, dass durch den Windzug eventuell Passagiere nach draußen gezogen wurden“, erklärte Rottmann. Der Lokführer stoppte den Zug umgehend.

Suchaktion mit Drohnen, Hubschrauber und Spürhunden

Um jegliche Gefahr für Fahrgäste auszuschließen, leiteten die Rettungskräfte eine großangelegte Suchaktion im und um den Schönraintunnel ein. Das unwegsame Gelände und die Dunkelheit machten den Einsatz extrem aufwendig.

„Alltäglich? Auf keinen Fall“, betonte Rottmann. Zu Spitzenzeiten waren knapp 300 Einsatzkräfte von Feuerwehr, BRK, THW, Landes- und Bundespolizei im Einsatz. Unterstützt wurden sie von mehreren Drohnen mit Wärmebildkameras, einem Polizeihubschrauber, Rettungshunden und dem Bahn-Rettungszug aus Würzburg. Nach mehrfachem Absuchen des Geländes folgte die Erleichterung: Es wurde glücklicherweise niemand gefunden.

Laufende Ermittlungen der Bundespolizei

Nach Berichten der Tagesschau zufolge, fahndet die Bundespolizei nun nach einer tatverdächtigen Person. Nach ersten Ermittlungen wurde die Notentriegelung der Tür manuell betätigt. Die Beamtinnen und Beamten ermitteln deshalb wegen des Verdachts auf Missbrauch von Nothilfeeinrichtungen. Eine technische Störung gab es nach Angaben einer Sprecherin der Deutschen Bahn nicht, wie die Tagesschau weiter meldet.

Forderung: Videoüberwachung nur an Türen

Der Fahrgastverband Pro Bahn fordert nach dem Vorfall, dass Überwachungskameras in den Einstiegsbereichen von Fernzügen eingebaut werden müssten. „Genau dieser Bereich, der Einstieg mit Türen und Vorraum, ist die Stelle, an der solche Eingriffe passieren, und dort schafft eine Kamera Klarheit, ohne die Reisenden im Wagen zu filmen“, sagte der Bundesvorsitzende Lukas Iffländer der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Die Aufnahmen sollten ohne Live-Beobachtung nur wenige Tage im Ringspeicher verbleiben und ausschließlich bei konkretem Anlass an Ermittlungsbehörden übergeben werden, heißt es von Pro Bahn weiter. Eine flächendeckende Videoüberwachung des gesamten Zuges lehnt der Fahrgastverband dagegen ab.

Weiterreise nach Polizeikontrolle

Nach der Entwarnung konnte der Schnellzug aus eigener Kraft langsam in den Bahnhof Lohr am Main weiterrollen. Da der ICE aus zwei gekoppelten Zugteilen bestand, verlief die Evakuierung unterschiedlich: Während die Passagiere aus dem vorderen Zugteil sofort in bereitstehende Busse umsteigen konnten, gestaltete sich die Abwicklung im hinteren Zugteil aufwendiger.

Da sich die geöffnete Tür im zweiten Zugteil befand, mussten die Reisenden dort zunächst eine Polizeikontrolle durchlaufen. Anschließend durften auch sie ihre Heimreise per Bus antreten.

Dieser Artikel wurde am 9. Septmeber 2026 um 12.34 Uhr aktualisiert.


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