
In einer unscheinbaren Straße am bahnhofsnahe Eck der Südstadt steht wohl Nürnbergs charismatischstes Kino. Dort zieht es mit seiner bunten, bemalten Fassade die Blicke auf sich - und das nunmehr seit einem halben Jahrhundert. Das Casablanca, wie du es heute kennst, entstand in den Räumen des früheren „Theaters am Kopernikusplatz“, kurz „tak“. Dieses Theater war 1973 in einer ehemaligen Druckerei eröffnet worden und schloss Ende Februar 1976. Die Brüder Wolfram und Eckhardt Weber bauten die Räume anschließend zu einem Programmkino um. Geplant wurden drei Säle sowie eine frankophile Kinokneipe.
Spannender Nebenfakt: Wolfram Weber – gemeinsam mit seinen Brüdern Eckhard und Frank – baute ab den 1970er-Jahren die Nürnberger Kinolandschaft mit auf. Die Brüder betrieben zunächst die Meisengeige, später unter anderem das Casablanca, das Metropolis und weitere Häuser. Wolfram Weber plante und eröffnete schließlich 1995 das Cinecittà und ist bis heute dessen Betreiber. 2009 stieg Wolfram Weber allerdings aus dem Betrieb des Casablanca aus; doch das sollte nicht das Ende des Filmkunsttheaters bedeuten.
Dabei beginnt die Geschichte des illustren Filmspielhauses eigentlich schon eher: Nämlich 1972 mit einer Gruppe von Eltern aus dem Kinderladen „Insel Schütt“, die das Haus in der Brosamerstraße 12 kauft - sie verschreiben sich Folgendem: „Für Kinder und Eltern eine große Wohngemeinschaft schaffen.“ In den ehemaligen Druckereiräumen eröffnet dann 1973 der bekannte Nürnberger Künstler Horst W. Blome das „Theater am Kopernikusplatz“, kurz „tak“. Nach dessen Ende im Februar 1976 bauen Wolfram und Eckhardt Weber die Räume zum Programmkino um. Im September 1976 öffnet das Casablanca mit drei Sälen und Kinokneipe und wird rasch zum Nürnberger Kultort. 1977 kommen die Crêperie Yechet Mad, 1985 die prägende Fassadenbemalung hinzu.
Als Wolfram Weber 2008 ankündigt, das Kino schließen zu wollen, formiert sich eine Interessengemeinschaft zur Rettung des Casablanca und startet eine Spendenaktion. Nach gescheiterten Verhandlungen und einer Inventarversteigerung gründet sich im März 2009 der Verein Casa e.V, der bis 2012 auf mehr als 500 Mitglieder kommt. Mit dem Konzept „Kinoplus“, Stuhlpatenschaften und großem ehrenamtlichem Einsatz renovieren Mitglieder, Sympathisanten und Freunde die Räume.
Am 18. September 2009 wird das Casablanca wiedereröffnet – als „Kino mit Courage“. Eine Förderung der Sparkasse Nürnberg von 200.000 Euro ermöglicht anschließend den Ausbau. „Da wurde es ernst“, sagte Matthias Damm, der heutige Theaterleiter des Casablanca in einem Gespräch mit der Redaktion im Jahr 2012. „Am Anfang ging es nur darum, das Kino irgendwie zu erhalten. Mit dieser Förderung im Rücken war dann klar, dass der Betrieb wieder richtig professionell auf die Beine gestellt werden musste.“
2013 folgt schließlich die vollständige Digitalisierung. Nachdem die langjährige Betreiberin der Crêperie Yechet Mad, Anna Meyer, 2017 an ihren Stiefsohn übergab und dieser das Restaurant bis 2023 weiterführte, übernahm der Verein die Räumlichkeiten - und wandelte sie mit Hilfe vieler Sympathisanten um. „Das zeigt, wie tief wir verwurzelt sind. Und es weckt den Spirit von 2009, als wir mit dem Casa angefangen haben. Auch damals haben wir viel mit ehrenamtlichen Arbeitseinsätzen erledigen können“, sagte Casa-Theaterleiter Matthias Damm im Mai 2024 gegenüber nordbayern.
50 Jahre Casablanca in der Südstadt Nürnberg: So wird das Jubiläum 2026 gefeiert
Das Casablanca feiert sein 50-jähriges Bestehen 2026 eigentlich mit einem kompletten Jubiläumsjahr: Seit Jahresbeginn stehen immer wieder Filme auf dem Programm, die 1976 in deutschen Kinos liefen – also im Gründungsjahr des kultigen Südstadtkinos.
Der Höhepunkt der Feierlichkeiten allerdings findet Mitte September statt: Von Freitag, 18. September, bis einschließlich Sonntag, 20. September, stehen vielseitige Events an:
- Freitag, 18. September: Vorschau auf die Höhepunkte des Kinoherbstes, darunter um 19 Uhr die Vorpremiere von „Schöne Seelen“ mit Josef Hader und August Diehl, dem Gewinner-Film des FIPRESCI-Award des Filmfest München
- Samstag, 19. September, 14 bis 22 Uhr: großes Straßenfest am Kopernikusplatz mit Live-Musik, Speisen und Getränken, Tombola, Kinderprogramm und weiteren Aktionen
- Samstag, 19. September, 18 Uhr: Sektempfang in Kino 1 mit einer Keynote von Dr. Christian Bräuer, dem Vorsitzenden der AG Kino/Gilde
- Sonntag, 20. September, 17 Uhr: Wiederaufführung des allerersten Films, der im Casablanca lief: Michelangelo Antonionis „Beruf: Reporter“.
Was zeichnet das Casablanca Filmkunsttheater in Nürnberg aus?
Das Casablanca ist mehr als ein Kino: In der Brosamerstraße 12 verbindet es seit 50 Jahren anspruchsvolles Arthouse-Kino mit einem gemütlichen Ambiente, einer Kinokneipe und einem engagierten Kulturprogramm. Auf drei Leinwänden laufen neben aktuellen Filmen vor allem Originalfassungen, Dokumentar- und Kurzfilme, Themenreihen, Festivals (zum Beispiel das Queerfilmfestival von 10. bis 16. September 2026) sowie Sonderveranstaltungen (unter anderem einmal im Monat der Kurzfilmabend Shorts Attacks) mit Gästen, Lesungen und Konzerten.
Anders als viele kommerzielle Häuser wird das „Kino mit Courage“ wie erwähnt seit 2009 vom gemeinnützigen Verein Casa e.V. und zahlreichen Ehrenamtlichen getragen - sein Mut zu sperrigen und politisch relevanten Themen jenseits des Massenkinos spiegelt sich in zahlreichen Programm- und Dokumentarfilmpreisen wider – unter anderem 2017 wurde es für sein Dokumentarfilmprogramm sogar als bestes Kino Deutschlands ausgezeichnet.
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