München - Rund 100 Menschen demonstrieren in München gegen das Vorgehen der Polizei nach dem Schuss auf einen 14-Jährigen. Der genaue Ablauf des Vorfalls ist bisher nicht geklärt.

Nach dem polizeilichen Schuss auf einen 14-Jährigen in München haben etwa 100 Menschen friedlich gegen die ihrer Ansicht nach rassistische Polizeigewalt demonstriert. Die Teilnehmer zogen mit Transparenten ausgestattet durch die Stadt und machten in Sprechchören ihrem Unmut Luft. Die Veranstaltung am Samstagabend sei ohne Vorkommnisse verlaufen, sagte ein Polizeisprecher. Der 14-Jährige war durch den Schuss schwer verletzt worden.

Jugendlicher hatte täuschend echt aussehende Waffe

Hintergrund der Demo ist der Fall eines Jugendlichen mit türkischer Staatsangehörigkeit, der laut Polizei am Dienstagabend mit einer Softair-Waffe im Stadtteil Schwabing unterwegs war. Dabei soll der Schüler aus dem Landkreis Miesbach, der in Begleitung eines etwa gleichaltrigen Mädchens gewesen sein soll, auf offener Straße mit der Pistole hantiert haben.

Als Zivilbeamte ihn aufgefordert haben sollen, die mutmaßlich echte Waffe fallen zu lassen, habe er sich damit in der Hand zu den Polizisten umgedreht. Daraufhin habe ein Beamter geschossen und den Jugendlichen in den Oberkörper getroffen, so die Polizei.

Die Mutter des Jungen berichtete dem Sender München.TV, wie ihr Sohn ihr die Situation geschildert habe: Er habe sich umgedreht und die Lage wahrscheinlich gar nicht richtig erfasst, sagte die Frau, die sich in einem kurdischen Dialekt äußerte. Dann habe ihr Sohn sofort die Arme hochgenommen und gerufen, dass die Waffe ein Spielzeug sei, die Polizisten sollten nicht schießen.

Ablauf der Geschehnisse noch unklar

Zum Hergang war am Donnerstag eine von der Polizei abweichende Darstellung der Münchner Linken und des Kurdischen Zentrums München aufgetaucht. Demnach hatte der Schüler die Waffe bereits niedergelegt, als die Polizei schoss. Laut Polizei hatte er hingegen die Waffe noch in der Hand, als der Schuss fiel.

Wie sich herausstellte, handelt es sich bei der Waffe des Schülers um eine Softair-Pistole. Diese sieht laut Polizei einer echten Pistole Beretta 92, Kaliber neun Millimeter, täuschend ähnlich. Der Jugendliche war wegen eines anderen Vorfalls bereits bei der Polizei bekannt. Nähere Angaben machte die Polizei dazu nicht.

Polizei-Pressesprecher Thomas Schelshorn zeigt die
<p>Polizeisprecher Thomas Schelshorn zeigt Fotos der Softair-Waffe und der echten Waffe. (Archivbild)</p> © Sabine Dobel/dpa

Fraktionen fordern Konsequenzen

Die Stadtratsfraktionen Die Grünen/Rosa Liste und SPD forderten nach dem Vorfall, die Stadt sollte sich beim Bund, dem Freistaat und beim Deutschen Städtetag für eine Verschärfung der gesetzlichen Regelungen einsetzen. „Spielzeug-, Softair- und vergleichbare Waffen sollen nicht mehr verkauft werden dürfen, wenn sie aufgrund von Größe, Form und Gestaltung nicht unmittelbar von echten Schusswaffen zu unterscheiden sind.“