Roth - Die Stadt Roth hat am vergangenen Sonntag, 9. August, zu einem verkaufsoffenen Sonntag eingeladen. Doch anstatt flanieren zu können, standen Gäste und Shoppinglustige vor verschlossenen Türen. Was war passiert?

Kommunen in ganz Bayern dürfen verkaufsoffene Sonntage anbieten, obschon gerade in Bayern strikt an den alten Öffnungszeiten und der Sonntagsruhe festgehalten wird. Wir berichten jedes Wochenende über die Gemeinden und Städte, die einen solchen Aktionstag anbieten - in diesem Zuge haben wir auch, entsprechend der vorliegenden Informationen - geöffnete Geschäfte in der Stadt Roth am vergangenen Sonntag, 9. August, angekündigt.

Im Nachgang meldete sich ein User und monierte, dass er und seine Frau keine Möglichkeit zum Sonntagsshopping hatten, da keines der Geschäfte in Roth geöffnet hatte. Wir sind in die Klärung gegangen und haben beim Rother Bürgermeister Andreas Buckreus (SPD) und in der Stadtverwaltung nachgefragt, wieso der Termin angekündigt, aber augenscheinlich nicht abgesagt wurde.

Als Grund für das Nichtstattfinden des Aktionstages für die Einzelhändler führt Buckreus an, dass der Vertrag mit dem bisherigen Dienstleister beendet war. Dieser zeichnete sich bisher in Roth auch für die Märkte und Feste wie Kirchweihen verantwortlich, die Kommunen mit den verkaufsoffenen Sonntagen koppeln. Buckreus sagt auch ganz deutlich: „Wir als Stadt Roth können solche Märkte nicht organisieren.“ Einige Kommunen verzichten aber auf die Doppelaktion und lassen die Geschäfte zwar anlassbezogen, aber jenseits von Märkten oder Kirchweihen öffnen.

In Roth ist das bislang nicht der Fall gewesen, wie der Bürgermeister mitteilt. Aber: „Wir haben eine Satzung, in der die exakten Tage als marktbegleitende Veranstaltung (verkaufsoffene Sonntage) festgelegt sind. Diese Satzung soll baldmöglichst angepasst beziehungsweise geändert werden“, stellt Buckreus in Aussicht. Das wiederum bedeutet, dass die verkaufsoffenen Sonntage gerettet beziehungsweise sichergestellt werden sollen. In der Vergangenheit waren diese stets an die Märkte gekoppelt, da das bayerische Ladenschlussgesetz einen „triftigen Anlass“ für Ladenöffnungen an Sonntagen vorschreibt, berichtet dazu nn.de. „Ob der Anlass dabei ein Markt ist oder nicht, spielt keine Rolle. In Schwabach werden verkaufsoffene Sonntage auch ohne Märkte veranstaltet, und es funktioniert offensichtlich“, wird die Stadt dort zitiert. Die Attraktivität der Innenstadt für den Einzelhandel solle gewahrt werden, „auch wenn das traditionelle ‚Markttreiben‘ als Rahmenprogramm wegfalle“.

Kein Dienstleister, keine Märkte in Roth

Die Jahrmärkte wurden in den vergangenen Jahren von einem externen Dienstleister durchgeführt, führt Roths Erster Bürgermeister weiter aus. „Im vergangenen Jahr kündigte dieser Dienstleister den Vertrag, wodurch der Kirchweihmarkt am Sonntag, 09.08.2026, erstmals nicht stattfinden konnte“, erklärt er auf Nachfrage von nordbayern. Auch verweist er darauf, dass dies bereits in Roth mehrfach thematisiert und veröffentlicht worden sei. Der Stadtmarketing-Beauftragte Mark Bartholl hat der Redaktion inzwischen auch die Pressemitteilung der Stadt vom 8. März 2026 zukommen lassen, in der von einer aktuell unsicheren Zukunft der Märkte und der verkaufsoffenen Sonntage in Roth gesprochen wird, nachdem der bisherige Marktorganisator gekündigt hatte. Darin steht unter anderem: „Viel wahrscheinlicher ist, dass sich die Stadt Roth hierbei an Schwabach orientiert und unterschiedliche Veranstaltungen initiiert, die dann aufgrund der Besucherzahlen die Öffnung der Geschäfte rechtfertigt.“ Bartholl betont in diesem Kontext, dass die „verkaufsoffenen Sonntage nicht ohne Anlass stattfinden“ können.

Die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in Roth erklärt, dass Ende Juni das offizielle Programm ausgesandt wurde, für sämtliche Informationen zur Kirchweih habe man auf die entsprechende Subsite „Kirchweihen: Stadt Roth“ beziehungsweise www.stadt-roth.de/kirchweih verwiesen, wo die aktuellen Informationen sowie das Programm zur Kirchweih zu finden sind. „Auch in der offiziellen Pressemitteilung war nie die Rede von einem verkaufsoffenen Sonntag“, heißt es nun von dieser Stelle. Am Montagmorgen, 10. August, war allerdings noch ein derzeitiger Hinweis auf der Seite der Stadt zu finden.

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<p>Am Montag, 10. August, haben wir in der Redaktion nach einer Leserbeschwerde diesen Screenshot von der Webseite der Stadt Roth gemacht. Hier ist zu sehen, dass der verkaufsoffene Sonntag am 9. August angekündigt war. </p> © vnp/Screenshot von www.stadt-roth.de

Auf der städtischen Webseite sei unter „Parken“ noch ein Hinweis auf das kostenfreie Parken zu den Großveranstaltungen der Stadt Roth gegeben worden, erklärt die Pressesprecherin. „Hier wurden auch der Kirchweihmarkt und den Matthäusmarkt genannt, verbunden mit dem **-Text, dass der Veranstalter diese Veranstaltungen gekündigt hat und die Stadt Roth aktuell andere Lösungen überprüft“, teilt die Pressestelle weiterführend mit. Allerdings sei die aktualisierte Version versehentlich falsch in der Wochenpost abgedruckt worden.

„Aktuell sind wir auf der Suche nach einem neuen Dienstleister und befinden uns in der Ausschreibung der Märkte“, betont Buckreus abschließend gegenüber unserer Redaktion. Auch Bartholl vom Stadtmarketing erklärt: „Wir haben aktuell eine Ausschreibung laufen und hoffen bis Ende des Jahres einen neuen Marktbetreiber gefunden zu haben. Sollten wir niemanden finden, gilt es andere Optionen zu prüfen, denn das Ziel ist klar: Erhalt der Verkaufsoffenen Sonntage in Roth.“ Auch der Matthäusmarkt im Oktober wird seiner Auskunft nach und nach aktuellem Stand nicht stattfinden. „Für 2027 können wir noch keine Aussage treffen“, so Bartholl. Der inzwischen ausgeschiedene Marktorganisator hat bislang nicht nicht auf die Anfrage von nordbayern reagiert.