Nürnberg - Dass Kreuzfahrten nicht gerade die Klimabelastung senken, ist allgemein bekannt. Trotzdem gibt es einige Möglichkeiten, sie zumindest umweltfreundlicher zu gestalten – wenn der Wille der Reedereien nur da ist.

Das Stereotyp, dass auf Kreuzfahrtschiffen hauptsächlich Rentnerinnen und Rentner ihren Urlaub verbringen würden, ist längst überholt. Große Unternehmen adressieren mit themenspezifischen Kreuzfahrten, wie Heavy-Metal-, Karnevals- oder einer The-Walking-Dead-Kreuzfahrt auch jüngere Zielgruppen. Bei all der Weiterentwicklung hinsichtlich der Gestaltung der Programme und der Zielkunden, haben viele Reedereien noch immer keinen Plan entwickelt, wie sie hinsichtlich der Klimaziele weiter verfahren sollen.

Nach dem Nabu-Kreuzfahrtranking 2026 ist ersichtlich, dass nur wenige Reedereien mehr Klimaziele im Vergleich zum Vorjahr erfüllt haben. Bei den meisten Reedereien stagniert der Fortschritt. Marella und Hapag-Lloyd Cruises haben bei der Erreichung der Klimaziele sogar etwas schlechter abgeschnitten als noch im Jahr 2025.

Ein großes Umweltproblem bei Kreuzfahrten: Schweröl

Der Nabu kritisiert stark, dass nur vier der zwölf untersuchten Reedereien auf Schweröl verzichten. Wie der NDR berichtet, ist Schweröl ein Abfallprodukt, das Schiffe als Treibstoff einsetzen. Es enthält viele Schwermetalle und Schwefel und belastet somit die Umwelt und Menschen in Küstennähe, aber auch die Meere selbst, stark. Nach einer Rechnung des NDR ist bei der Verbrennung selbst ein Kraftstoff mit niedrigerem Schwefelgehalt bis zu 500-mal schädlicher als Kraftstoff für Autos. Um Schifffahrt also umweltfreundlicher zu gestalten, braucht es alternative Wege, um auf Schweröl als Treibstoff zu verzichten.

Die Schifffahrt der Zukunft

Alle von der Nabu untersuchten Reedereien halten an ihren Klimazielen fest. Sie wollen bis zum Jahr 2025 genauso viele Treibhausgase emittieren wie binden, also ihre Schiffe mit einer Null-Bilanz an Treibhausgasen betreiben. Das erklärt der Nabu als positives Zeichen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um dieses Ziel zu erreichen.

Was bereits einige Reedereien in der Praxis umsetzen, ist, die Schiffe so effizient wie möglich umzugestalten, sodass der pro-Kopf-Ausstoß an schädlichen Abgasen sinkt. Neubauten können zum Beispiel energieeffizienter sein, weil die Rumpfform angepasst ist, der Propeller modifiziert oder auch der Energieverbrauch auf dem Schiff gering gehalten wird. Bei schon älteren Schiffen sind Maßnahmen wie langsamer fahren oder die Route optimieren hilfreich, um Energie einzusparen.

Während ein Schiff im Hafen liegt, gibt es die Möglichkeit, Landstrom zu nutzen, um in dieser Zeit den Stromverbrauch nicht über die klimaschädliche Verbrennung von Kraftstoff zu regeln. Als weiteres Mittel gibt es verschiedene Filter, die die Abgase reinigen sollen, die ein Schiff bei der Fahrt ausstößt. Vor allem bei Rußemissionen, haben die Reedereien noch die Möglichkeit, mit Filtern nachzubessern und die Schifffahrt damit umweltfreundlicher zu gestalten.

Kraftstoffe als das eigentliche Problem

Trotz aller Effizienz und Sparmaßnahmen bleibt das Hauptproblem der Schiffe beim Klimaschutz bestehen: die klimaschädlichen Treibstoffe. Schweröl, auch mit geringerem Schwefelanteil, ist noch immer nicht die Lösung, wie Schiffe im Jahr 2050 komplett klimaneutral fahren können. Dafür braucht es also alternative Lösungen. Es gibt bereits einige klimafreundliche Ansätze, die jedoch nicht sehr weit verbreitet sind, wie der Nabu in seinem Vergleich 2026 bilanziert.

Batterien und Brennstoffzellen sind wenig verbreitet und werden nicht bei voller Fahrt eingesetzt, sondern nur beim Manövrieren der Schiffe. Eine große Besonderheit ist daher das erste vollelektrische Schiff, das nach Angaben des Nabu noch 2026 vorgestellt werden soll. Entwickelt hat es eine deutsche Werft, und vielleicht könnte so einmal die Schifffahrt der Zukunft aussehen.