Nürnberg - Bis zu 90 Prozent der Sonne verschwinden – wo in Bayern das Spektakel am besten zu sehen ist, was es zu beachten gilt – und warum die richtige Schutzbrille unverzichtbar ist.

Seit jeher blicken Menschen in den Himmel und staunen über seine Weite und Rätsel. Während astronomische Phänomene heute vor allem wissenschaftlich untersucht oder mit Interesse beobachtet werden, prägten die Gestirne früher nahezu alle Lebensbereiche. Nach ihrer Stellung wurden unter anderem kultische Handlungen ausgerichtet, die Saat ausgebracht und Erntezeiten bestimmt.

Sonnenfinsternisse hatten dabei eine besondere Bedeutung. Sie galten vielerorts als bedrohliches Zeichen oder apokalyptisches Warnsignal. Wer den Himmel zu deuten verstand, konnte daraus zudem Vorhersagen ableiten und sich einen wichtigen gesellschaftlichen Vorteil verschaffen.

Die Maya konnten Sonnenfinsternisse mithilfe astronomischer Beobachtungen und mathematischer Berechnungen erstaunlich präzise vorhersagen. Heute ermöglichen moderne Teleskope und wissenschaftliche Modelle ein weitgehend entmystifiziertes Bild der Gestirne. Ihre Faszination haben sie dennoch nicht verloren.

Auch am Mittwoch, 12. August werden wieder viele Menschen gebannt zum Himmel schauen und beobachten, wie sich der Mond zwischen Sonne und Erde schiebt und die Sonnenscheibe teilweise verdeckt. Anders als in früheren Zeiten muss dabei allerdings niemand seine Augen gefährden: Für die Beobachtung ist eine geeignete Schutzbrille unverzichtbar.

Wo in Bayern und Franken ist die Sonnenfinsternis zu sehen?

In Bayern haben die Menschen tatsächlich gute Karten, das Naturschauspiel der besonderen Art zu erleben. Der Freistaat gehört zu den Bundesländern, in denen der Mond die Sonnenscheibe am stärksten verdeckt, denn es gilt: Je weiter im Süden und Westen Deutschlands, desto besser. Und auch das Wetter könnte in weiten Teilen mitspielen, wie die dpa berichtet. Und obacht: Wer das Spektakel verpasst, muss bis 2081 warten, bis er Vergleichbares hierzulande wieder sehen kann.

Wo es besonders dunkel wird:

Bei einer partiellen Sonnenfinsternis wie heuer in Deutschland verdeckt der Mond die Sonne nicht komplett, je weiter – grob gesagt – im Südwesten des Freistaats man sich befindet, desto höher ist die Verdeckung. Während in Hof „nur“ rund 87 Prozent der Sonne verdeckt sein werden, sind es laut einer interaktiven Karte der Nasa in Lindau am Bodensee rund 90 Prozent. Nürnberg und München liegen mit etwa 88 und 89 Prozent dazwischen. Das Himmelsereignis kann prinzipiell jedoch überall in Bayern beobachtet werden, möglichst von einem erhöhten Punkt, denn die Sonne wird – relativ knapp vor Sonnenuntergang – schon recht tief stehen.

Es gibt es zahlreiche Orte, die sich besonders gut eignen:

  • In Oberbayern: Olympiaberg, der Fröttmaninger Berg, die Hackerbrücke in München, das Ostufer des Ammersees, der Wank bei Garmisch-Partenkirchen oder der Riederstein am Tegernsee.
  • In Niederbayern sind laut Antenne Bayern der Bogenberg bei Bogen, die Veste Oberhaus in Passau oder Aussichtspunkte im Bayerischen Wald wie der Große Arber beliebte Ziele.
  • In der Oberpfalz eignen sich der Hohe Bogen, die Walhalla bei Donaustauf oder die Burg Falkenstein.
  • In Franken: Festung Marienberg in Würzburg, Kreuzberg in der Rhön, die Alte Veste bei Zirndorf, das Walberla in der Fränkischen Schweiz, die Plassenburg in Kulmbach, der Ochsenkopf im Fichtelgebirge, die Altenburg in Bamberg, die Weinberge bei Volkach, das Schloss Johannisburg in Aschaffenburg und der Hesselberg in Mittelfranken.

Auch außerhalb von Städten bieten sich grundsätzlich freie Flächen mit gutem Blick auf den Horizont nach Westen hin an - wie Felder, Seen und Hügel.

Sonnenfinsternis im Planetarium oder der Sternwarte

Diese Planetarien und Sternwarten in Bayern bieten laut Antenne Bayern Sonnenfinsternis-Veranstaltungen an. Oft ist jedoch eine Anmeldung erforderlich.

  • Sternwarte Hof
  • Sternwarte Würzburg
  • Regiomontanus Sternwarte in Nürnberg
  • Turmführung in der Sebalduskirche in Nürnberg
  • Volkssternwarte Passau
  • Sternwarte St. Ottilien
  • Sternwarte Dieterskirchen
  • Sternwarte Diedorf

Die Homepage der Langen Nacht der Astronomie listet noch andere Angebote im Freistaat auf, zum Beispiel von der Sternwarte Rosenheim, die Volkssternwarte Ottobeuren oder die Sternwarte Weikersheim.

Wann geht‘s los?

Genau genommen gibt es auch hier kleine Unterschiede je nach Standort, Hof ist ein paar Minuten früher dran als Lindau. Beginn in München etwa ist um 19.22 Uhr, das Maximum wird gegen 20.15 Uhr erwartet. Zu Ende dürfte die Sonnenfinsternis aus Beobachtersicht in aller Regel mit Sonnenuntergang sein – in München beispielsweise um 20.32 Uhr.

Wie wird das Wetter am Mittwoch?

Der Deutsche Wetterdienst verspricht in seiner bisherigen Vorhersage allerbestes Sonnenfinsternis-Wetter praktisch im gesamten Freistaat. Es wird tagsüber fast in ganz Bayern sonnig, die Nacht zum Donnerstag wird sternenklar. Höchstens am Alpenrand könnte es am Nachmittag ein paar örtliche Gewitter geben – dort wäre dann möglicherweise die Sicht auf die Sichel verdorben.

Wie schütze ich meine Augen beim Blick in die Sonne

Normale Sonnenbrillen reichen nicht aus. Benötigt wird eine geprüfte Sonnenfinsternis-Brille. Dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) zufolge muss die Schutzbrille gemäß den gültigen EU-Normen als sicher für den direkten Blick in die Sonne gekennzeichnet und mit dem CE-Symbol versehen sein. Die aktuell gültige Norm ist demnach DIN EN ISO 12312-2:2015. Es gibt sie zum Beispiel bei Optikern oder im Internet.

Das BfS warnt, dass ein Blick in die Sonne die Netzhaut in kürzester Zeit so schädigen könne, dass das Sehvermögen bleibend eingeschränkt wird oder sogar ganz verloren geht. Auch vor Schutzmitteln der Marke Eigenbau wie CDs wird gewarnt.

Hochgefährlich sind auch Ferngläser, Teleskope oder Kameras. Diese Geräte bündeln die Sonnenstrahlen laut BfS zusätzlich. Im Fachhandel werden spezielle Filteraufsätze oder Folien angeboten.

Und danach? Noch auf Sternschnuppen warten!

Denn der 12. August bietet gleich zwei Himmelsspektakel. In derselben Nacht erreicht auch der Perseiden-Meteorstrom seinen Höhepunkt. Wer nach der Sonnenfinsternis auf einem dunklen Platz bleibt, hat gute Chancen, später Sternschnuppen zu sehen. Nur etwas warten wird er oder sie gegebenenfalls noch müssen – laut Volkssternwarte München werden die maximalen Fallraten erst in den frühen Morgenstunden erwartet.

Wo wird der Himmel komplett verdunkelt sein?

Eine totale Sonnenfinsternis wird es über Grönland, Island, Spanien und einem kleinen Teil Nordostportugals geben, wie die Weltraumbehörde ESA schreibt. Am Abend des 12. August wird es unter anderem von der ESA einen Livestream geben. Mit Erläuterungen von Harald Lesch ist sie auch in der TerraX-Folge „Sonnenfinsternis über Mallorca“ live zu sehen (20.15 bis 21.00 Uhr bei 3sat).

Um eine totale Sonnenfinsternis hierzulande zu sehen, müssen sich Beobachter noch gedulden: Sie wird erst am 3. September 2081 sein. Die bislang letzte totale Sonnenfinsternis war von Deutschland aus am 11. August 1999 zu sehen.

Wie entsteht eine Sonnenfinsternis überhaupt?

Bei einer Sonnenfinsternis steht der Mond auf einer Linie zwischen Sonne und Erde, so dass der Schatten des Mondes auf die Erde fällt. Bayern liegt am 12. August nur im Halbschatten, der Mond bedeckt also nur einen Teil der Sonne. Im Kernschatten dagegen ist die Sonne völlig vom Mond bedeckt, die Sonnenfinsternis ist total.

ARCHIV - 03.08.2026, Baden-Württemberg, Stuttgart:
<p>Wer in die Sonne schauen will, sollte seine Augen schützen.</p> © Marijan Murat/dpa