
Die Hitze hat aktuell viele Orte, darunter beliebte Urlaubsländer wie Spanien, Italien, Griechenland und die Türkei, fest im Griff: In Südeuropa prognostizieren die einschlägigen Wetterportale heuer regelmäßig Temperaturen rund um 40 Grad Celsius. Gleichzeitig erreicht auch das Mittelmeer stellenweise bereits rund 30 Grad Celsius. Dem EU-Beobachtungsprogramm Copernicus Marine Service zufolge lag die globale Meeresoberflächentemperatur im Juni 2026 bei einem Rekorddurchschnitt von 24,3 Grad Celsius, was ihn zum wärmsten Juni seit Beginn der Auszeichnungen machte.
Auch etwa die Meerestemperatur in der Adria vor Kroatien war, so die Frankfurter Rundschau (FR), die sich auch auf den Copernicus-Dienst bezieht, in diesem Jahr so hoch wie noch nie zuvor. Demnach lag sie mit 21 Grad Celsius über den bisherigen Rekordwerten aus 2023 und 2024. Von einer kühlen Erfrischung kann im Mittelmeer mancherorts also kaum mehr die Rede sein. Nicht nur Urlauberinnen und Urlaubern macht das zu schaffen. Die Erwärmung erhöht auch Risiken für die Natur.
Steigende Wassertemperaturen im Mittelmeer: Algen häufen sich
Mit steigenden Wassertemperaturen treten beispielsweise Algen und Bakterien häufiger auf, wie Forschende des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung herausgefunden haben. In warmen, nährstoffreichen und eher stehenden Küstengewässern wird das Wasser dann grün und trüb. Urlauberinnen und Urlauber sollten hier dann nicht baden, um Hautreizungen, Magen-Darm-Probleme oder Ohrenentzündungen zu vermeiden, wie der Bayerische Rundfunk (BR) berichtet.
Christian Wild, Leiter des Bereichs Marine Ökologie an der Universität Bremen, erklärt gegenüber FR zudem, dass der Sauerstoffgehalt des Wassers unter solchen Bedingungen immer mehr abnehme, sodass es zu einem Sauerstoffdefizit, im Fachjargon Hypoxie, oder sogar zu einem kompletten Fehlen von Sauerstoff, einer sogenannten Anoxie, kommen könne. Weiter sagte er im Gespräch mit der FR: „Das kann zu einem Massensterben aller Tiere führen, die Sauerstoff brauchen und nicht rechtzeitig flüchten können.“ Das wiederum verschärfe das Problem noch weiter. Denn: Die toten Tiere werden unter Sauerstoffverbrauch abgebaut. Die Deutsche Stiftung Meeresschutz bezeichnet von dem Phänomen betroffene Bereiche sogar als Todeszonen.
Mittelmeer besonders anfällig für Erwärmung
Da das Mittelmeer, ähnlich wie die Ostsee oder das Schwarze Meer, ein Binnenmeer ist und nur durch die Straße von Gibraltar mit dem globalen Ozean verbunden ist, ist es laut Geomar besonders anfällig für eine Erwärmung - der Austausch von Wassermassen ist demnach stark begrenzt. Wie der Ökologe Wild gegenüber FR erklärt, sind abgeschlossene Buchten in der Nähe der Küsten, die unter dem Einfluss von Nährstoffeinträgen durch Landwirtschaft sowie mangelnder Wasserklärung stehen, sehr empfänglich für Hypoxie und Anoxie. Hier kann es durch die hohen Nährstoffkonzentrationen dem Bericht zufolge ebenfalls zu Algenblüten kommen. Auch diese verbrauchen, wenn sie absterben, für den mikrobiellen Abbau viel Sauerstoff. Die Situation spitzt sich zu, wenn dann noch Wind und Wellen ausbleiben, die das Wasser austauschen können.
Situation spitzt sich zu
Wie FR berichtet, habe es solch eine Situation in den vergangenen Jahren in den Sommermonaten an einigen Standorten in der Adria bereits gegeben - sowohl in Kroatien als auch in Italien. Medienberichten zufolge sorgen Algen erst jetzt wieder für Badeverbote und Gesundheitswarnungen in beliebten Urlaubsregionen Italiens. Hierbei handelt es sich um die Mikroalge Ostreopsis ovata. Ihre Giftstoffe können der französischen Behörde Arses zufolge unter anderem zu grippeähnlichen Symptomen, Hautreizungen und Magenbeschwerden führen.
Ergebnisse einer Studie des Ruđer Bošković Instituts in Kroatien aus dem Jahr 2021 zeigen, dass sich diese giftige Algenart auch entlang der östlichen Adriaküste ausbreitet. Zwar bewertete die Europäische Umweltagentur 95 Prozent der kroatischen Badegewässer 2024 noch als „ausgezeichnet“, doch die Wassertemperaturen steigen weiter an, wie auch FR berichtete. Das bedeutet: Die gefährlichen Algenblüten können künftig deutlich schneller entstehen und Risiken für Natur und Badegäste an der Adria mit sich bringen.