Buchtipps Literatur
Geheimtipps statt Bestsellerliste! Richtig gute Bücher für den August 2026
05.08.2026, 11:41 Uhr
So heiß wie die letzten Wochen bei uns ist es auch in dem Roman "Hitzetage", mit dem der irische Dramatiker Oisin McKenna als Erzähler debütiert: sehr aufregend - und richtig gut! Mehr Tipps vom Krimi bis zum Tagebuch eines Meisterdiebes.

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1/12 - Na, wenn das kein Buch für den Sommer ist! Die "Hitzetage" haben London fest im Griff, alles ächzt und leidet, in der Themse liegt ein gestrandeter kleiner Wal und kämpft ums Leben. Und auch die Figuren in Oisin McKennas intensivem, zum Glück humorvollem Großstadtroman sind in der Krise: Maggie, die schwanger ist und mit ihrem Freund Ed, einem Fahrradkurier, wieder zurück in die Kleinstadt will, weil sie die Miete nicht packen. Und dann das: Wie der unglücklich verliebte Phil, Maggies bester Kumpel seit Kindheitstagen, fühlt sich offenbar auch Ed zu Männern hingezogen... Ein explosives Gemisch, erzählerische Short Cuts einer Generation um die 30, die der Ire McKenna sehr genau kennt. Starkes Debüt! (Residenz, 26 Euro) Wolf Ebersberger © Residenz Verlag; Albrecht Fietz/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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2/12 - Hier steht eine ungewöhnliche Person im Mittelpunkt: Die Nonne Nora Breen kehrt im Jahr 1954 dem Kloster den Rücken zu, als eine frühere Novizin und gute Freundin in der englischen Grafschaft Kent spurlos verschwindet. Nora bezieht kurzerhand deren Zimmer in der Pension Möwennest – und ermittelt. Doch hat sich wirklich ein Verbrechen ereignet? Eine charmante, aber heruntergekommene Herberge mit höchst unterschiedlichen wie sehr eigenen Gästen und eine neugierige Ex-Klosterschwester, die ein Leben jenseits der Spiritualität entdeckt: "Mord in der Pension Möwennest" von Jess Kidd ist ein unterhaltsames wie feinfühlig geschriebenes Buch mit einer Hauptfigur, die einem von Seite zu Seite mehr ans Herz wächst. (Dumont, 18 Euro) Sabine Ebinger © DuMont; Chil Vera/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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3/12 - Man muss Graphic Novels nicht unbedingt lieben, aber diese hier von Bettina Egger ist wirklich wunderbar. Die Comicautorin hat sich Stefan Zweigs legendäres Erinnerungsbuch „Die Welt von gestern“ (Anton Pustet Verlag, 28 Euro) vorgenommen, und im Großformat auf knapp 200 Seiten erzählt sie Geschichten mit Originalzitaten und in realistischen Bildern, aus denen vor allem eine untergangene Epoche spricht. Und die Furcht vor der großen Katastrophe, die sich abzeichnet und auch das gediegene Bürgertum Zweigs nicht verschont. Eine bildgewaltige Reise in eine verlorene Zeit. Bernd Noack © Anton Pustet; Michael/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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4/12 - „Schicken Sie mich in die Strafkolonie oder aufs Schafott, es ist mir herzlich egal!“ Das sagte im Zeitalter der Belle Époque der Dieb Alexandre Marius Jacob vor Gericht. Davor wollte er, ein eleganter Gangster und Draufgänger, aber noch berichten von seinen Untaten, die stets gut gemeint waren. Wie ein moderner Robin Hood setzte sich Jacob für die untere Schicht der Pariser Gesellschaft ein, klaute im Glanz und gab's dem Elend. Ein „Arbeiter der Nacht“ war er, so heißen auch seine schillernden Erinnerungen, ein Aufständiger, vor dem die angeblich Anständigen Angst hatten. (Matthes & Seitz, 24 Euro) Bernd Noack
© Matthes & Seitz; Christel/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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5/12 - Wie es auch kommt, es kommt schlimm: entweder durch Hitze oder durch Kälte. Die eine Familie rennt (samt Hund) blind in ihr Verderben, als sie zur Wanderung im heißen kalifornischen Canyon aufbricht; die andere bibbert in Neuengland hilflos im solarbetriebenen, aber nun stromlosen Haus dahin: Ein Milliardär auf den Philippinen wollte das Klima mit Chemieeinsatz abkühlen - und löst damit mitten im Juli eine globale Eiszeit aus. Dass man das alles trotzdem mit großem Vergnügen liest, liegt an der Meisterschaft, mit der US-Autor T. C. Boyle auch seine düsteren neuen Erzählungen "Das Ende ist nur ein Anfang" satirisch zuspitzt. Wir wissen ja: Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht verzweifelt! (Hanser, 23 Euro) Wolf Ebersberger © Hanser; Roberto Lee Cortes/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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6/12 - Die Tropen als "Ort obskurer Sehnsüchte, zügelloser Hoffnungen, unvorstellbarer Schrecken", wie Joseph Conrad es beschreibt - sie sind es auch, trotz des Titels, in seiner Novelle "Ein Lächeln des Glücks". Ein junger Kapitän sitzt da mit seinem Schiff auf einer exotischen Insel (wohl Mauritius) fest, es gibt logistische Probleme. Exotischer noch ist aber die Faszination, die er für die kratzbürstige Tochter eines Kaufmanns empfindet - wie eine Gefangene wird sie, weil unehelich, im Haus gehalten. Und dann will ihm der geschäftstüchtige Vater auch noch tonnenweise Kartoffeln andrehen. Als Heiratsanreiz womöglich? Ein tiefgründiges See-Abenteuer, neu übersetzt und mit ziemlich überraschendem Kurs... (Schöffling, 18 Euro) Wolf Ebersberger © Schöffling & Co.; Pexels/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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7/12 - 1990 holte sich die BRD den Weltmeistertitel im Fußball. In der Qualifikation hatten sich die Beckenbauer-Schützlinge indes lange schwer getan, während es die untergehende DDR fast geschafft hätte, sich überraschend für das Turnier zu qualifizieren. Daran erinnert Jan Mohnhaupt in seinem Buch "Der geteilte Rasen" über die letzten Jahre des DDR-Fußballs. Er schildert mit Empathie, wie stolzen Klubs aus dem Osten der abrupte Absturz in die Niederungen des Amateurfußballs drohte, weil nur wenige für die beiden westdeutschen Bundesligen zugelassen wurden. Und erzählt auch von hässlichen Begleiterscheinungen wie Rassismus und Gewalt rund um die Stadien... Eine spannende Zeitreise! (Die Werkstatt, 24,90 Euro) Marco Puschner © Die Werkstatt; congerdesign/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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8/12 - Rita ist der Mensch, um den alle kreisen. Nun liegt sie im Krankenhaus im Koma. Sie wird nicht mehr gesund, so viel ist klar. Und damit stürzt das wacklige Konstrukt zusammen, das sie einst zusammengehalten hat. Familie, Freunde, Nachbarn kommen ins Straucheln, sind ohne Halt. "Trost", so der Titel von Angelika Klüssendorfs neuem Buch, sucht sich schließlich jeder auf seine Weise. In einer überstürzten Beziehung, einem Wort, der Natur. Es ist ein kluger Roman über das Verlassenwerden, über Verlust und Einsamkeit, der auf leise Art dann doch tröstlich wirkt. (Piper, 24 Euro) Gabi Eisenack © Piper; Enrique/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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9/12 - Manchmal komprimiert sich Geschichte in einem Satz: "Wir schaffen das" von Angela Merkel war so eine Formulierung, die stellvertretend für die Migrationsdebatte des vergangenen Jahrzehnts steht. Noch unmittelbarer war die Wirkung, als Günter Schabowski unfreiwillig die Mauer in Berlin fallen ließ - indem dem "sofort, unverzüglich" eine ebensolche Reaktion folgte. Geschichte kurz gefasst und lang erläutert: so kann Bruno Preisendörfers neues Buch "Schlagworte, die Geschichte machen" zusammengefasst werden. Beim "Wohlstand für alle" von Ludwig Erhard kommt dann sogar ein Fürther zu Ehren... Der aus Kornwestheim stammende fränkische Bestsellerautor trifft erneut den richtigen Ton für wichtige Wendepunkte. (Galiani, 28 Euro) Michael Husarek © Galiani Berlin; romco/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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10/12 - "Mit einem Fuß im Paradies" klingt nach einem verheißungsvollen Versprechen, doch entführt der Roman von Ron Rash in ein ländliches, von Dürre geplagtes Amerika der 1950er, das vor dem Umbruch steht. Der ortsbekannte Schläger Holland Winchester wird vermisst, seine Mutter macht sich große Sorgen, dass er ermordet wurde – und Sheriff Will Alexander hat schon früh einen Verdacht. Doch was passiert, wenn der Täter davonkommt? Aus fünf Perspektiven, aus fünf verschiedenen Sichtweisen wird eine eigentümliche Geschichte von Schuld und Schweigen erzählt. Großartige Literatur, die süchtig macht: Wer sich auf die dunkle Geschichte einlässt, der wird mit einem Pageturner belohnt. Absolute Leseempfehlung! (Ars Vivendi, 24 Euro) Sabine Ebinger © Ars Vivendi; Thomas/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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11/12 - Es sei keine Schande, Goethe nicht gelesen zu haben, meint der Literaturhistoriker Gustav Seibt: „Es ist nur schade.“ Und man kann es ändern, z. B. mit diesem Buch, das jahreszeitlich passend „Ein Sommer mit Goethe“ heißt (Beck, 25 Euro). Schwer belesen, augenzwinkernd und klug führt Seibt in einer Art launigem Sommerkurs durch Werk und Leben des Herrn aus Weimar, streift klassisch Bekanntes ebenso wie Überraschendes aus der Feder des Meisters. Kurzweil mit Gewinn. Übrigens ging’s ihm nicht anders als uns: „Den ganzen Tag fleißig und still wegen der Hitze…“ Bernd Noack © C.H.Beck; falco/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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12/12 - Am Anfang ist es noch idyllisch. Familienglück mit Meerblick - eben auf die vielen Ozeanfrachter, die imposant in Vancouver einfahren. Doch dann stirbt plötzlich die geliebte Mutter, und ausgerechnet Töchterchen Ellen, die Jüngste, muss die Tote am Morgen im Bett entdecken... Ein schweres Trauma im Leben des sonst so altklugen Mädchens, das die bei uns völlig unbekannte kanadische Autorin Ethel Wilson (1888-1980) in ihrem Roman "Liebe und Salzwasser" dramatisch schildert. Schön, dass der Mare Verlag ihn nun auf Deutsch herausbringt, bibliophil gestaltet dazu. Und Wilsons scheinbar naiver Stil - das Buch erschien 1956 - ist voller Lakonie und verschmitzt lächelndem Humor: eine wahre Lese-Bereicherung! (28 Euro) Wolf Ebersberger © mare; Beate/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid
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