
Heimkino-Fans in Deutschland schütteln vermutlich derzeit ungläubig den Kopf: Wer sich bei Disney+ auf einen Filmabend in gestochen scharfer Auflösung freute, findet sich plötzlich in der Streaming-Vergangenheit wieder. Wie der Spiegel berichtet, hat der Dienst 4K und HDR wegen eines juristischen Streits kurzerhand für alle Abo-Modelle abgeschaltet.
Egal ob die bildgewaltige Welt von „Avatar“, die rasanten Szenen in „Avengers: Endgame“ oder neue Familienfilme: Auf deutschen Bildschirmen flimmern die Titel aktuell mit deutlich reduzierter Qualität. Höchste Auflösungen wie 4K UHD sowie der erweiterte Dynamikumfang HDR sind vorerst gestrichen.
„Wir bedauern sehr, dass wir zu dieser Entscheidung gezwungen wurden, und teilen die Frustration unserer Kundinnen und Kunden“, heißt es zähneknirschend.
Der Knackpunkt: Ein Streit um die Zauber-Technik HEVC
Der Grund für den Bild-Entzug ist kein technisches Versehen, sondern ein handfester Lizenzzank mit dem US-Patentinhaber InterDigital. Im Zentrum steht die sogenannte HEVC-Technologie, die dafür sorgt, dass die riesigen 4K-Dateien kleiner werden, sodass sie ohne Ruckeln gestreamt werden können.
InterDigital argumentiert trocken: Genau diese Technik macht das hochwertige Seherlebnis erst möglich, mit dem Streamingdienste ihre Abo-Preise begründen. Entsprechend fordert das Unternehmen ein Stück vom Einnahmen-Kuchen. Nachdem InterDigital eine erneute gerichtliche Verfügung erwirkte, zog Disney die Notbremse. Schon in den vergangenen Monaten schwanden still und leise Features wie Dolby Vision und 3D.
Volles Geld für halbe Schärfe?
Verbraucherschützer finden den plötzlichen Schärfe-Verlust gar nicht komisch. Wer schließlich für ein Top-Abo bezahlt, sollte nicht mit abgespeckter Qualität abgespeist werden. Laut einem Bericht von Heise Online prüft die Verbraucherzentrale Niedersachsen bereits rechtliche Schritte, während Experten Abonnenten raten, Teile der Abogebühren einzufordern.
Wann Disneys Helden wieder in gewohnter Schärfe über die Bildschirme flimmern, weiß aktuell niemand. Bis eine Einigung steht, gilt für Heimkino-Fans wohl: Augen zu und durch – oder eben ein Stück weiter weg vom Fernseher rücken.


