Erlangen - Die fränkische Künstlerin Eva Nüßlein feiert mit ihrem Ausstellungskatalog ihr Debüt. Neben den ausdrucksstarken Gemälden hinterlässt die Publikation einen bleibenden Eindruck der gegenwärtigen Nürnberger Subkultur.

„Die Süße muss immer gebrochen werden - durch Tränen, Nasenbluten oder andere Störungen. Dieser Bruch ist zentraler Bestandteil meiner Arbeit“, beschreibt es Künstlerin Eva Nüßlein im Interview mit Inga Krumme. Der Text ist im Katalog „Dreck unter den Nägeln“ erschienen. In der gleichnamigen Ausstellung können sich Besuchende des Erlanger Kunstpalais noch bis September genau davon überzeugen.

Knallige Farben charakterisieren zum Beispiel Nüßleins Gemälde „When i rock the mic“, die Sängerin in Netzstrumpfhose wirft ihre violetten langen Haare nach vorne, Sterne, Musik, Performance, Ekstase sind zu erkennen. „Der wilde Glamour der Gestalt bricht sich am Dreck unter den Fingernägeln“, bringt es im Ausstellungskatalog die Kuratorin Janika Slowik auf den Punkt. Die Popkultur der 1990er, Sterne, Corpsepaint, Tränenströme, Verweise auf Songtexte, all das lässt sich in Eva Nüßleins Werken in der Erlanger Ausstellung finden. Der erschienene Katalog lässt keines der gezeigten Gemälde aus, bildet sie großformatig und teilweise Details auf Doppelseiten.

when i rock the mic
<p>Eva Nüßleins Gemälde „when i rock the mic“ verbindet Musik, Bühnenkunst und Glamour mit dem Dreckigen - wie hier unter den Nägeln.</p> © Eva Nüßlein

Eva Nüßlein ist 1991 in Bamberg geboren, hat an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg studiert und lebt mittlerweile in Berlin. Sie ist Sängerin der Nürnberger Punk-Band Ambiviolenz und in der regionalen Subkultur verwurzelt. Genau diese enge Verbindung zur regionalen Musik-, Kunst- und Kultur-Szene macht den Ausstellungskatalog „Dreck unter den Nägeln“ besonders. Denn neben Aufsätzen von Kunstpalais-Leiterin Amely Deiss und Kuratorin Janika Slowik ist auch das Interview mit der Künstlerin darin zu finden - sowie ein gestaltetes „Fanzine“. Darin finden sich Songtexte, Fotos, Briefe, Skizzen, sogar Fan-Art, liebevolle Zeilen von Künstlerinnen und Künstlern. Oder wie es heißt: „von Friends, Fans & alles dazwischen“. Vieles davon ist an Eva Nüßlein oder an ihre Band gerichtet. Dazwischen sind immer wieder Vorzeichnungen der Künstlerin zu den Gemälden zu entdecken.

In einem Text der als „Bonustrack“ am Ende des Katalogs zu finden ist, schreibt Künstler Federico Braunschweig: „Es sind angsteinflößende Aufbrüche voller Träume und Unsicherheiten, die Eva in ihrer Malerei festhält“. Der erschienene Ausstellungskatalog gibt damit einen besonderen Einblick in das noch-Werden, in künstlerische Prozesse und in die lokale Szene. Verspieltheit darf bei all den großen Themen aber nicht fehlen: Die Schrift des Katalogs leuchtet im Dunkeln und bringt damit wieder ein wenig Süße in die Tiefe.

„Eva Nüßlein. Dreck unter den Nägeln“ im Kunstpalais Erlangen

Die Ausstellung „Eva Nüßlein. Dreck unter den Nägeln“, kuratiert von Janika Slowik, ist noch bis zum 27. September 2026 im Kunstpalais Erlangen zu sehen.

„Dreck unter den Nägeln“

herausgegeben vom Kunstpalais Erlangen

  • 144 Seiten
  • mit Texten von Federico Braunschweig, Amely Deiss, Inga Krumme, Janika Slowik
  • ISBN: 978-3-923899586
  • 22 Euro (im Shop)