
Seit Sonntagabend steht fest: Spanien ist Weltmeister. Zu den Verlierern zählen aus Sicht vieler Nutzer in den sozialen Medien nicht nur die Argentinier, die sportlich den Kürzeren zogen, sondern nach Ansicht zahlreicher Fans auch mit ihrer Spielweise und ihrem Auftreten nach dem Abpfiff viele Sympathien verspielten. Und verloren habe, so der Tenor vieler Beiträge, auch der Fußball selbst – bei einem historisch-grotesken Turnier, in dem ein Politiker einmal mehr die Hauptrolle spielen wollte.
„Aufmerksamkeitsgeiler Opa“ Trump
Für große Aufregung sorgte – erwartungsgemäß – Donald Trump. Noch während die Siegermannschaft darauf wartete, dass Kapitän Rodri den WM-Pokal bei der Siegerehrung in die Höhe stemmen konnte, lief der US-Präsident mitten ins Bild und direkt zu Rodri. Der spanische Mittelfeldspieler wies Trump höflich, aber bestimmt zur Seite und erntete dafür viel Zuspruch im Netz.
Selbst Rodri war es dann irgendwann zu blöd und er schob den aufmerksamkeitsgeilen Opa aus der Cam. 😄#ESPARG#WM2026 pic.twitter.com/oq8vKlgP1j
— 𝑻𝒐𝒎 (@TomFox81) July 19, 2026
Dieses Ende der Weltmeisterschaft stimmt mich versöhnlich. Nachdem Russland ausgeschlossen wurde, die Mannschaft des Iran und einzelne andere Spieler massiv schikaniert wurden und Trump #Spanien bedroht hatte, weigern sich die Spieler der spanischen Nationalmannschaft, mit Trump… https://t.co/2lyX274h9L
— Max Otte (@maxotte_says) July 20, 2026
Am Ende musste sogar FIFA-Präsident Gianni Infantino, laut ZDF-Kommentator Trumps „Telefonjoker und Lakai“, den Republikaner aus dem Zentrum der Szene lotsen. Bereits bei der Klub-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr hatte sich Trump nicht an das Protokoll gehalten und sich unter die jubelnden Sieger gemischt. Diesmal blieb er immerhin (nur) neben dem neuen Weltmeister und nicht in der Bildmitte stehen.
#Spanien ist ja verdient Weltmeister geworden, aber die geilste Show hat mal wieder #Trump abgeliefert, der partout nicht aus der Bildfläche verschwinden wollte, als Spanien der Weltmeisterschaftspokal überreicht wurde 😂🤡 pic.twitter.com/RsDPtMizjC
— XzumTreme (@XzumTreme) July 20, 2026
Schon bevor Trump und Infantino das Spielfeld zur Siegerehrung betraten, waren deutliche Pfiffe zu hören. Die demonstrative Nähe zwischen dem US-Präsidenten und dem FIFA-Präsidenten wurde für viele zum Symbol einer Weltmeisterschaft, bei der Politik und Sport eng miteinander verwoben waren – sei es im Fall Balogun, den Ausschluss eines somalischen Schiedsrichters oder durch die Auflagen für die iranische Nationalmannschaft während des Turniers.
Halbzeit-Show sorgt für Diskussionen
Bei der Weltmeisterschaft 2026 veranstaltete die FIFA erstmals eine Halbzeitshow in einem WM-Finale. Auf der Bühne standen unter anderem Madonna, die K-Pop-Band BTS sowie die Muppets, die „Seven Nation Army“ performten. Anschließend wechselte Schauspieler Jason Sudeikis in seiner bekannten Rolle als „Ted Lasso“ den kanadischen Popstar Justin Bieber ein. Dieser begleitete sich selbst auf der Gitarre und sang „Everything Halleluja“. Im Anschluss präsentierten Shakira und der Afrobeat-Star Burna Boy gemeinsam mit tanzenden Kindern den offiziellen WM-Song. Zudem trat die Band Coldplay zusammen mit einem Grundschulchor auf.
justin bieber ehrenmann der einzige der nicht playback singt das muss man ihm lassen #Halbzeitshow #ESPARG
— melons (@tuppesgadse) July 19, 2026
Die Halbzeitshow spaltete die Fans. In den sozialen Medien bezeichneten zahlreiche Zuschauer sie als „sehr unangenehm“ oder „richtigen Müll“.
Früher hatte ein WM-Finale fast was Sakrales, es war das absolute Hochfest des Fußballs. Das da heute fühlt sich nach der Pre-Show eher an wie der billigste Rummel. Man wär nichtmal überrascht, würde in der Hydration Break noch Ronald McDonald über den Rasen springen. #wm #esparg
— Wim (@hennes77) July 19, 2026
Entweder ist es das schlechteste Playback ever oder das Bild ist versetzt zum Ton… wahrscheinlich sogar beides…#wm #ESPARG
— Tobias Kröger (@TobiasKroeger) July 19, 2026
Die Kritik richtete sich nicht nur gegen das für den Fußball ungewöhnliche Konzept einer Halbzeitshow, die zudem die Unterbrechung des Spiels verlängerte, sondern auch gegen deren konkrete Umsetzung. Der ehemalige englische Nationalspieler Wayne Rooney sagte als TV-Experte der BBC: „Ich mag viele der Künstler, aber ich denke, es war Mist.“
Der zentrale Vorwurf: Die einzelnen Auftritte seien flickenteppichartig aneinandergereiht worden, es mangele an Zusammenhängen und an Dramaturgie - so passte etwa Justin Biebers Ballade in den Augen vieler Zuschauer nicht in das Gesamtkonzept, das eher auf ein Hochtreiben der Stimmung ausgerichtet war und der Kanadier demnach einen massiven Kontrast zu den anderen Acts darstellte.
Meinung zur Halbzeitshow:
— Leo Frieling (@leo_frieling) July 19, 2026
Komm lass uns die Show möglichst voll packen mit Stars. Hängt zwar null zusammen. Hat nicht viel mit dem Fußball zu tun. Aber Hauptsache Justin Biber war da. Und BTS.
Da hatte ich das Gefühl ich hör ein beliebigen Radio Sender @fifawm #halbzeitshow
Leider traurig, was aus diesem wunderbar einfachen Fußball-Turnier geworden ist. #wm2026 #Halbzeitshow @fifacom_de @POTUS
— Michael Bröcker 💎 (@MichaelBroecker) July 19, 2026
TV-Experte Sebastian Kneißl hingegen zeigte sich auf Instagram begeistert: „Endlich Excitement“ Sehr starke Halbzeitshow, hat mich komplett abgeholt!“ Viele kritisierten aber auch die per sé ablehnenden Reaktionen auf die Show. Sie warfen den Kritikern vor, Neuerungen im Fußball grundsätzlich skeptisch gegenüberzustehen, und bemängelten zudem die wertende und durchgängige Kommentierung der Halbzeitshow in der ZDF-Übertragung.
Was war denn das bitte für eine Moderation der Halbzeitshow im @ZDF? Unglaublich viel Missgunst, deutsche Meckerkultur vom Feinsten und abfällige Worte und Blicke. Die #Halbzeitshow der Fußball-WM war wirklich gelungen und die Moderatoren haben kein gutes Wort verloren. #wm2026
— Laoghaire MacKenzie (@lady_laoghaire) July 19, 2026
Unpopular Opinion zur #WM2026:#Halbzeitshow mit echten Stars ohne #Wokeness Künstler oder andere low Quality Shit Shows wie bei den Olympischen Spielen.
— Benedikt Schonlau (@surferBS) July 19, 2026
Wirklich schön anzusehen.
„Das richtige Team hat gewonnen“
Spanien entthronte Titelverteidiger Argentinien. Obwohl das Finale erst in der Verlängerung entschieden wurde und das Ergebnis knapp ausfiel, werteten viele Beobachter den Auftritt der Spanier als Machtdemonstration.
Auch unter deutschen Fußballfans überwog die Zustimmung zum neuen Weltmeister. Das lag nicht zuletzt daran, dass Argentinien im Laufe des Turniers nach Ansicht vieler Beobachter immer wieder am Rande des Erlaubten agierte. In den sozialen Medien wurde die Mannschaft um Lionel Messi daher häufig als „Tretertruppe“ bezeichnet.
Erst hieß es, der Fussball sei halt @ körperlicher“ und „athletischer“ geworden. Da bin ich ja noch mitgegangen. Mittlerweile aber ist er mir einfach zu rüpelig. Die Ästhetik diese schönen Sports bleibt da völlig auf der Strecke. Schade.#wm
— Ulrich Schneider (@UlrichSchneider) July 19, 2026
#ESPARG Glückwunsch #Spanien zur Fußball Weltmeisterschaft, wäre eine Schande gewesen wenn nach dem heutigen Spielverlauf (und auch dem Verlauf der #WM2026) die #Tretertruppe aus #Argentinien das Ding noch gezogen hätte. GFY #Infantino pic.twitter.com/S3XUweLUl1
— Michael Mayer (@Papamicha007) July 19, 2026
Entsprechend schrieb die spanische Zeitung AS: „Es war schön, es war gerecht. Es wäre falsch gewesen, diejenigen zu belohnen, die nach New Jersey gereist sind, um zu zerstören, statt zu bauen.“ Nicht minder pathetisch formulierte es die Marca: „Wieder Könige der Welt! In die Ruhmeshalle der Helden rückt Ferran Torres ein, der ein monumentales Tor erzielte. Es ging nicht nur darum, die WM zu gewinnen, sondern darum, den Fußball zu retten!“
Philipp Lahm lobte die Mannschaft von Trainer Luis de la Fuente in seiner Kolumne für den kicker: „Spanien hat eine klare Idee - in beide Richtungen, bei Ballbesitz wie nach Ballverlust. Jeder weiß, wie er agieren soll, nicht nur in der Nationalelf, sondern in der ganzen Liga. Das ist das Plus.“ Auch Finalgegner Argentinien verfüge über eine klare Identität, die sich durch „Zweikampfverhalten“ und „Robustheit“ auszeichne. In diesem Atemzug kritisierte der Weltmeister auch die Entwicklung in Fußball-Deutschland, das sich nach seiner Ansicht von seiner DNA abgewandt hatte: „Defensive Ordnung, robustes Spiel, dann angreifen - das hat uns als Nationalmannschaft immer ausgezeichnet. Dazu sollten wir zurückkehren mit klaren Aufgaben, einer klaren Formation, damit Wiederholungseffekte im Training und im Spiel entstehen.“ Man müsse eine neue Identität im deutschen Fußball finden und diese konsequent umsetzen - so wie es Spanien macht, aber auch (trotz aller Kritik) Argentinien.
Die argentinische Presse lobte unterdessen Einsatz und Moral der eigenen Mannschaft, erkannte Spaniens Sieg aber an. Trainer Lionel Scaloni hob ebenfalls hervor, „dass wir alles gegeben haben“ und erklärte: „So alles zu geben, wie sie es heute getan haben, ist ein großartiges Vorbild für unsere Menschen und für unser Land“.
Sehr deutliche Worte fand der englische Telegraph: „Spanien gewinnt die WM in einem Triumph des Fußballs über Argentiniens Verbrechen. Es brauchte die Verlängerung, aber Gott sei Dank hat sich der Sport durchgesetzt. Spanien ist Weltmeister und der Fußball ist dadurch besser. Messi und Argentinien haben nichts verdient, denn sie haben nichts geleistet und waren damit die ersten WM-Finalisten, die in der regulären Spielzeit nicht einmal einen Torschuss hatten.“ Auch Zlatan Ibrahimovic, inzwischen TV-Experte, fasste zusammen: „Das richtige Team hat gewonnen“.
In ihrer Einschätzung der „Albiceleste“ sahen sich viele Beobachter nach dem Schlusspfiff zusätzlich bestätigt. Leandro Paredes ging mehrere spanische Spieler unmittelbar nach Abpfiff körperlich an und sorgte damit für weitere Diskussionen.
Argentinien kann #Weltmeister werden – verlieren offenbar weniger. Nach 120 Minuten Fußball folgten 30 Sekunden Testosteron-Kindergarten: schubsen, schlagen, große Gesten. #Spanien hebt den Pokal, #Argentinien verliert neben dem Finale auch noch die Würde. 🏆#FIFAWorldCup #FC26 https://t.co/T5qE4nfyTg
— Hidi Damann 🇦🇹 (@d0mturbo) July 20, 2026
Auch beim 1. FC Nürnberg wurde das Finale aufmerksam verfolgt. Leihspieler Javier Fernández teilte auf Instagram eine Story vom entscheidenden Treffer seines Landsmanns Ferran Torres. Sein argentinischer Trainer Javier Pinola hatte dagegen keinen Grund zum Feiern.
Bezeichnendes Ende
Unterm Strich zeigen sich viele Fans erleichtert, dass eine Weltmeisterschaft zu Ende gegangen ist, die von zahlreichen Skandalen, politischen Debatten, historischen Ereignissen und teils grotesken Momenten geprägt war. Andere wiederum sehen gerade in diesen Diskussionen den Beleg dafür, dass dieses Turnier noch lange nach dem Schlusspfiff nachwirken wird.
Was ist das für ein bezeichnendes Ende dieser Shitshow von WM #ESPARG #halbzeitshow
— Inspector Colombo (@Detec_Colombo) July 19, 2026
Endlich ist sie vorbei, die lächerlichste #WM aller Zeiten. Was die FIFA da veranstaltet hat, hat mit dem wie ich Flussball mag wenig zu tun. Peinlicher Höhepunkt war die #Halbzeitshow. Unwürdiger Schluss das Foto auf dem sich Trump mal wieder verewigen musste.
— Florian Hein 💙💛 (@hein_florian) July 20, 2026
Zum Glück ist diese unsägliche Marketing #WM endlich vorbei.
— Dirk Schmidt (@dirkmschmidt) July 20, 2026
Werbe-Trinkpausen, deutlich verlängerte Final-Halbzeit, zurück genommene rote Karten…
Das ist nicht mehr der Fußball, den ich mag.
