Nürnberg - Die Weltmeisterschaft 2026 ist beendet, zumindest auf dem Platz. In den sozialen Medien wird jedoch weiter diskutiert. Zwischen Kritik, Spott und Begeisterung fällt das Netz-Echo so kontrovers aus wie das Turnier selbst.

Seit Sonntagabend steht fest: Spanien ist Weltmeister. Zu den Verlierern zählen aus Sicht vieler Nutzer in den sozialen Medien nicht nur die Argentinier, die sportlich den Kürzeren zogen, sondern nach Ansicht zahlreicher Fans auch mit ihrer Spielweise und ihrem Auftreten nach dem Abpfiff viele Sympathien verspielten. Und verloren habe, so der Tenor vieler Beiträge, auch der Fußball selbst – bei einem historisch-grotesken Turnier, in dem ein Politiker einmal mehr die Hauptrolle spielen wollte.

„Aufmerksamkeitsgeiler Opa“ Trump

Für große Aufregung sorgte – erwartungsgemäß – Donald Trump. Noch während die Siegermannschaft darauf wartete, dass Kapitän Rodri den WM-Pokal bei der Siegerehrung in die Höhe stemmen konnte, lief der US-Präsident mitten ins Bild und direkt zu Rodri. Der spanische Mittelfeldspieler wies Trump höflich, aber bestimmt zur Seite und erntete dafür viel Zuspruch im Netz.

Am Ende musste sogar FIFA-Präsident Gianni Infantino, laut ZDF-Kommentator Trumps „Telefonjoker und Lakai“, den Republikaner aus dem Zentrum der Szene lotsen. Bereits bei der Klub-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr hatte sich Trump nicht an das Protokoll gehalten und sich unter die jubelnden Sieger gemischt. Diesmal blieb er immerhin (nur) neben dem neuen Weltmeister und nicht in der Bildmitte stehen.

Schon bevor Trump und Infantino das Spielfeld zur Siegerehrung betraten, waren deutliche Pfiffe zu hören. Die demonstrative Nähe zwischen dem US-Präsidenten und dem FIFA-Präsidenten wurde für viele zum Symbol einer Weltmeisterschaft, bei der Politik und Sport eng miteinander verwoben waren – sei es im Fall Balogun, den Ausschluss eines somalischen Schiedsrichters oder durch die Auflagen für die iranische Nationalmannschaft während des Turniers.

Halbzeit-Show sorgt für Diskussionen

Bei der Weltmeisterschaft 2026 veranstaltete die FIFA erstmals eine Halbzeitshow in einem WM-Finale. Auf der Bühne standen unter anderem Madonna, die K-Pop-Band BTS sowie die Muppets, die „Seven Nation Army“ performten. Anschließend wechselte Schauspieler Jason Sudeikis in seiner bekannten Rolle als „Ted Lasso“ den kanadischen Popstar Justin Bieber ein. Dieser begleitete sich selbst auf der Gitarre und sang „Everything Halleluja“. Im Anschluss präsentierten Shakira und der Afrobeat-Star Burna Boy gemeinsam mit tanzenden Kindern den offiziellen WM-Song. Zudem trat die Band Coldplay zusammen mit einem Grundschulchor auf.

Die Halbzeitshow spaltete die Fans. In den sozialen Medien bezeichneten zahlreiche Zuschauer sie als „sehr unangenehm“ oder „richtigen Müll“.

Die Kritik richtete sich nicht nur gegen das für den Fußball ungewöhnliche Konzept einer Halbzeitshow, die zudem die Unterbrechung des Spiels verlängerte, sondern auch gegen deren konkrete Umsetzung. Der ehemalige englische Nationalspieler Wayne Rooney sagte als TV-Experte der BBC: „Ich mag viele der Künstler, aber ich denke, es war Mist.“

Der zentrale Vorwurf: Die einzelnen Auftritte seien flickenteppichartig aneinandergereiht worden, es mangele an Zusammenhängen und an Dramaturgie - so passte etwa Justin Biebers Ballade in den Augen vieler Zuschauer nicht in das Gesamtkonzept, das eher auf ein Hochtreiben der Stimmung ausgerichtet war und der Kanadier demnach einen massiven Kontrast zu den anderen Acts darstellte.

TV-Experte Sebastian Kneißl hingegen zeigte sich auf Instagram begeistert: „Endlich Excitement“ Sehr starke Halbzeitshow, hat mich komplett abgeholt!“ Viele kritisierten aber auch die per sé ablehnenden Reaktionen auf die Show. Sie warfen den Kritikern vor, Neuerungen im Fußball grundsätzlich skeptisch gegenüberzustehen, und bemängelten zudem die wertende und durchgängige Kommentierung der Halbzeitshow in der ZDF-Übertragung.

„Das richtige Team hat gewonnen“

Spanien entthronte Titelverteidiger Argentinien. Obwohl das Finale erst in der Verlängerung entschieden wurde und das Ergebnis knapp ausfiel, werteten viele Beobachter den Auftritt der Spanier als Machtdemonstration.

Auch unter deutschen Fußballfans überwog die Zustimmung zum neuen Weltmeister. Das lag nicht zuletzt daran, dass Argentinien im Laufe des Turniers nach Ansicht vieler Beobachter immer wieder am Rande des Erlaubten agierte. In den sozialen Medien wurde die Mannschaft um Lionel Messi daher häufig als „Tretertruppe“ bezeichnet.

Entsprechend schrieb die spanische Zeitung AS: „Es war schön, es war gerecht. Es wäre falsch gewesen, diejenigen zu belohnen, die nach New Jersey gereist sind, um zu zerstören, statt zu bauen.“ Nicht minder pathetisch formulierte es die Marca: „Wieder Könige der Welt! In die Ruhmeshalle der Helden rückt Ferran Torres ein, der ein monumentales Tor erzielte. Es ging nicht nur darum, die WM zu gewinnen, sondern darum, den Fußball zu retten!“

Philipp Lahm lobte die Mannschaft von Trainer Luis de la Fuente in seiner Kolumne für den kicker: „Spanien hat eine klare Idee - in beide Richtungen, bei Ballbesitz wie nach Ballverlust. Jeder weiß, wie er agieren soll, nicht nur in der Nationalelf, sondern in der ganzen Liga. Das ist das Plus.“ Auch Finalgegner Argentinien verfüge über eine klare Identität, die sich durch „Zweikampfverhalten“ und „Robustheit“ auszeichne. In diesem Atemzug kritisierte der Weltmeister auch die Entwicklung in Fußball-Deutschland, das sich nach seiner Ansicht von seiner DNA abgewandt hatte: „Defensive Ordnung, robustes Spiel, dann angreifen - das hat uns als Nationalmannschaft immer ausgezeichnet. Dazu sollten wir zurückkehren mit klaren Aufgaben, einer klaren Formation, damit Wiederholungseffekte im Training und im Spiel entstehen.“ Man müsse eine neue Identität im deutschen Fußball finden und diese konsequent umsetzen - so wie es Spanien macht, aber auch (trotz aller Kritik) Argentinien.

Die argentinische Presse lobte unterdessen Einsatz und Moral der eigenen Mannschaft, erkannte Spaniens Sieg aber an. Trainer Lionel Scaloni hob ebenfalls hervor, „dass wir alles gegeben haben“ und erklärte: „So alles zu geben, wie sie es heute getan haben, ist ein großartiges Vorbild für unsere Menschen und für unser Land“.

Sehr deutliche Worte fand der englische Telegraph: „Spanien gewinnt die WM in einem Triumph des Fußballs über Argentiniens Verbrechen. Es brauchte die Verlängerung, aber Gott sei Dank hat sich der Sport durchgesetzt. Spanien ist Weltmeister und der Fußball ist dadurch besser. Messi und Argentinien haben nichts verdient, denn sie haben nichts geleistet und waren damit die ersten WM-Finalisten, die in der regulären Spielzeit nicht einmal einen Torschuss hatten.“ Auch Zlatan Ibrahimovic, inzwischen TV-Experte, fasste zusammen: „Das richtige Team hat gewonnen“.

In ihrer Einschätzung der „Albiceleste“ sahen sich viele Beobachter nach dem Schlusspfiff zusätzlich bestätigt. Leandro Paredes ging mehrere spanische Spieler unmittelbar nach Abpfiff körperlich an und sorgte damit für weitere Diskussionen.

Auch beim 1. FC Nürnberg wurde das Finale aufmerksam verfolgt. Leihspieler Javier Fernández teilte auf Instagram eine Story vom entscheidenden Treffer seines Landsmanns Ferran Torres. Sein argentinischer Trainer Javier Pinola hatte dagegen keinen Grund zum Feiern.

Image (3)
Javier Fernandez, spanischer Mittelfeldspieler beim 1. FC Nürnberg, feierte das Tor ins Glück auf Instagram. © Instagram @javifernnandeez

Bezeichnendes Ende

Unterm Strich zeigen sich viele Fans erleichtert, dass eine Weltmeisterschaft zu Ende gegangen ist, die von zahlreichen Skandalen, politischen Debatten, historischen Ereignissen und teils grotesken Momenten geprägt war. Andere wiederum sehen gerade in diesen Diskussionen den Beleg dafür, dass dieses Turnier noch lange nach dem Schlusspfiff nachwirken wird.