Nürnberg - Für ein VIP-Ticket zu Helene Fischer zahlten Fans bis zu 700 Euro. Jetzt hat die Sängerin erklärt, woran das liegt - und damit eine Debatte ausgelöst, die weit über sie hinausgeht.

Manche Fans haben für das Erlebnis sogar ihren Urlaub gestrichen, andere haben monatelang gespart. Und wieder andere boten auf Instagram halbernst ihre Organe zum Verkauf an, als die Ticketpreise für Helene Fischers 360-Grad-Stadiontour bekanntgegeben wurden: Stehplätze ab 73 Euro, komfortable Plätze bis 165 Euro, VIP-Pakete für knapp 528 Euro - und wer ein Spitzenpaket wollte, zahlte bis zu 700 Euro.

Zum Abschluss ihrer Tour, beim Finale am Freitagabend in der ausverkauften Münchner Allianz Arena vor rund 71.000 Zuschauern, hat sich die 41-Jährige nun erstmals ausführlich zu der Kritik geäußert. ARD-„Tagesthemen“-Moderator Ingo Zamperoni fragte sie direkt: Sind Konzerte bald nur noch etwas für Privilegierte und Wohlhabende?

Helene Fischer wich der Frage nicht aus. „Ja, Tickets sind teuer“, räumte sie ein. Und: „Das ist natürlich ein wichtiger Punkt.“ Sie und ihr Team würden sich im Vorfeld „wahnsinnig lange“ darüber Gedanken machen. Gleichzeitig verwies sie auf die enormen Produktionskosten: Hunderte Menschen seien an einer einzigen Show beteiligt - Musiker, Tänzer, Techniker, Bühnenbauer, Logistiker, Sicherheitspersonal. „Wir schaffen irgendwo auch Arbeitsplätze“, sagte Fischer gegenüber den „Tagesthemen“. Und: „Alles ist teurer geworden.“

Insgesamt 15 Konzerte, rund 750.000 Besucher - die Zahlen der Tour sprechen für sich. Dass die Tickets trotz der Preise weggingen wie warme Semmeln, zeigt: Die Nachfrage ist da. Aber erklärt das auch, warum Konzerttickets generell immer teurer werden?

Was wirklich hinter den Preisen steckt

Helene Fischer ist kein Einzelfall. Der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft hat errechnet, dass die Ticketpreise allein seit der Corona-Pandemie im Schnitt um 30 Prozent gestiegen sind. Laut Statista Market Insights wuchsen die Erlöse aus Online-Tickets für Musikveranstaltungen in Deutschland von 1,43 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf voraussichtlich 2,23 Milliarden Euro im Jahr 2026 - ein Plus von mehr als 55 Prozent. Und die durchschnittlichen Ticketpreise stiegen von 110,30 Euro vor der Pandemie auf zuletzt rund 131 Euro.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Erstens: Die Pandemie hat die Branche fast zum Erliegen gebracht. Viele Techniker und Bühnenarbeiter haben die Veranstaltungsbranche in dieser Zeit verlassen und sind in andere Berufe gewechselt. Der entstandene Fachkräftemangel treibt seitdem die Personalkosten nach oben. Zweitens: Energie, Material und Logistik sind teurer geworden, was sich direkt auf die Produktionskosten großer Shows auswirkt. Drittens: Künstler verdienen heute kaum noch am Verkauf von Tonträgern. Der Markt ist geschrumpft, und Streaming bringt pro Abruf kaum etwas ein, nämlich rund 0,003 Euro pro Stream. Live-Konzerte sind dadurch für viele Stars zur Haupteinnahmequelle geworden - und das spiegelt sich in den Ticketpreisen wider.

Dazu kommt ein weiterer Faktor, der Fans besonders ärgert: der Zweitmarkt. Auf Plattformen wie StubHub wurden Tickets für Helene-Fischer-Konzerte im November 2025 für mehr als 1.000 Euro angeboten, also weit über dem ursprünglichen Verkaufspreis. Gewerbliche Wiederverkäufer kaufen Tickets in großen Mengen auf und verticken sie mit massivem Aufschlag.

In Großbritannien hat die Regierung darauf bereits reagiert und plant, den Aufschlag beim Weiterverkauf auf maximal 30 Prozent zu begrenzen. In Deutschland ist eine solche Regelung bislang allerdings nicht in Sicht.