Nürnberg - Er gibt zwei Millionen Dollar im Jahr aus, um nicht zu altern - nun wurde bei ihm eine unheilbare Krankheit diagnostiziert. Was der Fall des Longevity-Gurus Bryan Johnson über die Grenzen eines ganzen Trends verrät.

Bryan Johnsons Tag beginnt jeden Morgen mit einem Schluck Olivenöl, gefolgt von rund hundert Pillen und bis zu 90 Minuten Training an dreißig Kraftgeräten. Hunderte Biomarker seines Körpers werden täglich gemessen, ein Algorithmus entscheidet, was er isst, wann er schläft, wie er lebt. Rund zwei Millionen Dollar lässt sich der 48-jährige US-Techunternehmer dieses Regime jährlich kosten. Sein erklärtes Ziel: „Don’t die“, also nicht sterben.

Jetzt hat Johnson auf der Plattform X öffentlich gemacht, dass er an einer Autoimmun-Gastritis leidet - einer chronischen Erkrankung, bei der das Immunsystem die Magenschleimhaut angreift. Nach aktuellem Stand der Forschung gilt sie als unheilbar. „Mein Magen frisst sich selbst auf“, schrieb er. Die Diagnose erhielt er im Mai 2026, laut eigenen Angaben gegenüber seinen Followern auf X.

Was dabei besonders ins Auge fällt: Hinweise auf die Krankheit gab es offenbar schon seit Jahren. Johnsons Ferritinwerte, ein Marker für die Eisenspeicher des Körpers, waren laut Fitbook seit rund elf Jahren auffällig niedrig - und das ausgerechnet in dem Körper, der wohl akribischer überwacht wird als jeder andere auf der Welt.

Was steckt hinter dem Longevity-Trend?

Johnson ist das bekannteste Gesicht einer Bewegung, die in den vergangenen Jahren vom Nischenphänomen zum Milliardenmarkt geworden ist. „Longevity“, auf Deutsch schlicht Langlebigkeit, ist der Versuch, nicht nur länger zu leben, sondern möglichst lange gesund zu bleiben. Laut einer McKinsey-Studie aus dem Jahr 2025 hat das Thema für 63 Prozent der Deutschen mittlerweile eine hohe Priorität. Ein Berliner Kaufhaus wirbt mit „Europas modernstem Longevity Hub“, eine Haftcreme verspricht Longevity fürs Gebiss.

Dahinter steckt ein breites Spektrum: Auf der seriösen Seite stehen Schlafforschung, Ernährungswissenschaft und Präventionsmedizin - also Bereiche, in denen es tatsächlich belastbare Erkenntnisse gibt. Auf der anderen Seite tummeln sich Biohacker wie Johnson, die ihren Körpern Dinge zumuten, für die es beim Menschen kaum wissenschaftliche Belege gibt: Plasmatransfusionen vom eigenen Sohn, Gentherapien im Selbstversuch, Hormongaben nach Algorithmus. Das Handelsblatt beschreibt den Longevity-Markt als ein Geschäft, in dem Marketingversprechen oft weit vor der Wissenschaft laufen - oder auch einfach daneben.

Medizinethiker sehen das ähnlich kritisch: Viele Methoden des extremen Biohackings verstoßen gegen das Gebot der Schadensvermeidung, weil sie auf unkontrollierten Selbstversuchen ohne ausreichende Datenlage basieren. Hinzu kommt ein sozialer Aspekt: Wer sich Johnsons Lebensweise leisten kann, gehört zu einer verschwindend kleinen Elite.

Keine Niederlage, sondern ein neues Projekt

Johnson selbst sieht seine Diagnose nicht als Niederlage, sondern als neues Projekt. Er wolle Millionen Immunzellen analysieren, die krankmachenden Zellen identifizieren und daraus neue Therapien entwickeln, erklärte er gegenüber seinen Followern. Die Medizin könne die Krankheit bislang nur managen, nicht heilen - das wolle sein Team nun ändern, mit künstlicher Intelligenz und auf ihn zugeschnittenen Therapien. Die Kosten von Johnsons Lebensstil dürften also bald noch mehr betragen als zwei Millionen Dollar im Jahr - aber Geld ist in diesem Fall vermutlich das geringste Problem.