Nürnberg - In Magdeburg war er nur noch zweite Wahl, nun wagt Rayan Ghrieb einen Neuanfang beim FCN. Der wiederum kann sich auf einen Kreativspieler mit Zug zum Tor freuen - Qualitäten, die dem Club gut zu Gesicht stehen.

Für den denkwürdigsten Moment seines einjährigen Intermezzos in Magdeburg sorgte Ghrieb nicht ganz freiwillig: Nachdem der Linksfuß im Berliner Olympiastadion den 2:0-Endstand für seine Farben markiert hatte, drehte er Richtung Gästeblock ab. Dort angekommen, sprang der Franzose über die Bande - und fiel tiefer als erwartet. „Dass es nach dem Sprung so weit nach unten geht, das habe ich nicht gewusst“, sagte Ghrieb anschließend der Bild-Zeitung. Den Sturz in den 2,70 Meter tiefen Graben, der im Netz schnell hohe Wellen schlug, hat der gebürtige Straßburger letztlich unbeschadet überstanden.

Auf dem grünen Rasen konnte der Flügelspieler in der Ottostadt nur vereinzelt für Furore sorgen. Erst Anfang August ließ ihn Ex-Verein Guingamp gen 2. Bundesliga ziehen. Dennoch war Ghrieb unter Neu-Trainer Markus Fiedler umgehend gefragt. Der Magdeburger Saisonstart jedoch misslang völlig - Fiedler musste in der Folge nach acht Spieltagen den Hut nehmen. Unter Nachfolger Petrik Sander hatte der inzwischen 27-Jährige dann einen schweren Stand. Ghrieb kam nunmehr hauptsächlich als Joker von der Bank, letztmals ausgerechnet beim knappen 0:1 der Blau-Weißen im Max-Morlock-Stadion. Unterm Strich stand für den Offensivspieler ein durchwachsenes Jahr, in dem Ghrieb immerhin noch sieben Scorerpunkte beisteuerte.

Klose: „Ein ganz spannender Spieler“

Gemessen daran, dass der Neu-Nürnberger nur gut 1400 Einsatzminuten sammelte, können sich diese allerdings sehen lassen. „Er ist auf jeden Fall ein ganz spannender Spieler“, hinterließ Ghrieb schon nach den ersten Einheiten Eindruck bei Miroslav Klose. Als „Zocker“ passt der technisch versierte Offensivmann bestens ins fränkische Anforderungsprofil. Während noch in der abgelaufenen Saison Strippenzieher Julian Justvan häufig auf sich allein gestellt schien, erhofft man sich von Ghrieb insbesondere kreative Impulse. Die wiederum kann der ehemalige Magdeburger durchaus liefern: Schließlich ist der Volumendribbler von seinem Naturell vielmehr Flügel-Spielmacher als klassischer Außenstürmer.

Bedeutet: Statt auf der Seitenlinie zu kleben, hält sich Ghrieb regelmäßig im rechten Halbraum auf. Wird er doch auf Außen gefunden, sucht der feine Techniker das Dribbling und zieht nach innen. Im letzten Drittel ist der französische Akteur mit algerischen Wurzeln dann ein ständiger Unruheherd: Kaum jemand kommt so häufig im gegnerischen Strafraum an die Kugel wie Ghrieb, kaum jemand sucht öfter den Abschluss (jeweils pro 90 Minuten). Auch in Sachen Torschussvorlagen und kreierten Großchancen zählt er zum Besten vom Besten in Liga zwei.

Der Stoff, aus dem die Derby-Helden sind?

An seiner Effizienz jedoch kann der Linksfuß noch arbeiten. Mit vier Treffern unterlief er seinen persönlichen Expected-Goals-Wert deutlich. Hingegen muss die Schuld dafür, dass sein herausragender Index für erwartete Torvorlagen tatsächlich nur drei Assists abwarf, in erster Instanz bei den früheren Mitspielern gesucht werden.

Zur ganzen Wahrheit gehört jedoch: Seine mitunter beeindruckenden Statistiken hat Ghrieb in begrenzter Einsatzzeit generiert. Ob er ähnliche Zahlen auch als Stammkraft zustande bringen kann, muss sich erst noch zeigen. Über die Anlagen hierfür verfügt der technisch beschlagene Franzose jedoch allemal. Nicht zuletzt hat er einen anderen Beweis schon erbracht: Zwei seiner vier Saisontore erzielte Ghrieb gegen das Fürther Kleeblatt. Der Nürnberger Anhang dürfte auf weitere hoffen.