
Badekappe auf, enge Badehose an, Klopapier mitnehmen - und bloß vorher reservieren. Wer glaubt, Camping sei die unkomplizierteste Art zu reisen, hat wohl noch nicht alle Regeln gelesen. Auf Europas Campingplätzen gelten teils Vorschriften, die auf den ersten Blick kurios wirken - hinter denen oft aber mehr steckt.
Der Campingexperte ACSI (Auto Camper Service International) inspiziert jährlich rund 10.000 Stellplätze in ganz Europa und hat die skurrilsten Gepflogenheiten zusammengetragen. Ein kleiner Reise-Knigge für alle, die diesen Sommer entspannt campen wollen - und dabei keine bösen Überraschungen erleben möchten.
Badekappen-Pflicht in Italien
Camper kennen das vielleicht noch aus Kindheitstagen: Am Pool trägt plötzlich jeder eine Badekappe. Aber ist das noch ein Ding? Ja, tatsächlich, berichtet ACSI. Auf 196 der von ACSI unter die Lupe genommenen Campingplätze in Europa ist eine Schwimmhaube nach wie vor Pflicht. Dabei auffällig: 84 Prozent davon liegen in Italien. Das ist ACSI zufolge kein Zufall: Hinter der Vorschrift stecke lokales Hygienerecht - Haare und Hautschuppen sollen draußen und das Wasser so sauber bleiben, heißt es. „Campingplätze können bei den Behörden eine Ausnahmegenehmigung beantragen, wenn sie die Wasserqualität auf andere Weise nachweislich sicherstellen“, erklärt ACSI-Geschäftsführer Ramon van Reine. Wer auf einem großen, modernen Platz Urlaub macht, könne demnach oft ganz ohne Kopfbedeckung ins kühle Nass.
Badeshorts-Verbot in Frankreich
Auch Frankreich hat ACSI zufolge seine ganz eigene Poolvorschrift: Hier ist vielerorts das Tragen von Badeshorts verboten. Stattdessen sind hier eng anliegende Badehosen angesagt. Auf jedem zehnten von ACSI inspizierten Platz in Europa gelte dieses Gebot, teilt der Campingspezialist mit. Die allermeisten liegen demnach in Frankreich - konkret sind es laut ACSI-Angaben 1044 von 1076 Campingplätzen. Wie auch beim Badekappen-Gebot in Italien steckt hier ein Hygiene-Aspekt dahinter. Die Begründung: Badeshorts würden oft auch als Straßenkleidung getragen, und das findet das Pool-Management schlicht nicht appetitlich.
Camping-Urlaub 2026: Klopapier nicht vergessen
Wer denkt, in Zeiten von Luxus-Sanitäranlagen mit Fußbodenheizung und Regendusche sei das Klopapier-Mitbringen passé, liegt ACSI zufolge nicht ganz richtig: Der Untersuchung zufolge gibt es auf rund 18 Prozent aller europäischen Campingplätze keine Toilettenpapier-Rollen in den Sanitärgebäuden. Das heißt im Umkehrschluss: WC-Papier gehört ins Reisegepäck.
Damit nicht genug: Europas Campinglandschaft ist vielfältig. Neben Vorschriften, die eher als kurios gelten, gibt es auch eine andere Seite - Camping wird zunehmend komfortabler. So steht auf etwa 4700 von ACSI inspizierten Plätzen europaweit eine Bügelstation bereit, damit Kleidung auch im Urlaub knitterfrei bleibt. Besonders in Frankreich ist der Service laut ACSI-Angaben angesagt. Demnach gibt es dieses Angebot dort bei rund 1890 Plätzen. Auch Geschirrspülmaschinen sind der Auswertung zufolge immer mehr im Kommen. Inzwischen können Camping-Gäste demnach auf mehr als 600 Plätzen auf Schwamm und Bürste beim Abwasch verzichten. Ebenso setzen Campingplatzinhaber zunehmend auf Privatsanitär direkt am Stellplatz.
Campingexperte empfiehlt Reservierung
Ein weiterer Trend, den Campingurlauber ACSI zufolge berücksichtigen sollten: Spontanurlaub ohne Reservierung wird schwieriger. 80 Prozent der europäischen Campingplätze empfehlen demnach eine Vorausbuchung für die Hauptsaison - Tendenz steigend. Nur noch auf 159 von ACSI inspizierten Plätzen ist gar keine Reservierung möglich; 2024 waren es den Angaben zufolge noch mehr als 200.
Das Sprichwort „Andere Länder, andere Sitten“ gilt demnach wohl auch beim Thema Camping. Daher gilt: Wer sich vorab informiert, spart sich vor Ort womöglich Nerven.