
Rund 3.500 Einzelstartende, 700 Staffeln und bis zu 300.000 Fans: Der Triathlon Challenge Roth ist das XXL-Event der Region. Zu bewältigen sind 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren sowie ein Marathon. Traditionell ist das Feld international hochklassig besetzt.
Sam Laidlow hat erneut die Challenge Roth gewonnen. Bei seinem zweiten Sieg nacheinander beim Triathlon-Klassiker in Franken stellte der Franzose zugleich eine Weltbestzeit über die Langstrecke auf. Für 3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen benötigte der 27-Jährige 7:21:04 Stunden.
„Ich war am Kämpfen, aber mein Team, meine Freundin und die Zuschauer haben mich ins Ziel getragen“, sagte Laidlow.
Die Stimmung an der Strecke war für die Triathleten wieder einmal beeindruckend. Roth-Neuling Bogen: „Es war noch krasser als das, was ich gehört hatte.“
Jüngste Challenge Roth-Siegerin aller Zeiten
Bei den Frauen siegte die Vorjahresdritte Alanis Siffert in 8:09:09 Stunden. Damit verbesserte sich die jüngste Challenge Roth-Siegerin der Geschichte um mehr als 30 Minuten gegenüber dem Vorjahr. „Es ist einfach unglaublich. Erst die letzten zwei Kilometer auf der Marathonstrecke habe ich gewusst, dass es klappt.“
Die Schweizerin habe damit gerechnet, dass die Britin Lucy Charles-Barclay sie noch überholen könne. „Ich habe deshalb alles gegeben. Ich hatte ja schon sehr hart trainiert. Daher ist es schön zu sehen, dass sich dies ausgezahlt hat.“ Sie schwärmt von der Stimmung. „Ihr habt mir heute alle Flügel gegeben“, rief die Schweizerin den Zuschauern im Ziel zu.
Beste Deutsche war die Leipzigerin Caroline Pohle. Sie erlebte wie Rico Bogen ihr Langstrecken-Debüt und überzeugte als Fünfte mit einem Rückstand von 23:40 Minuten.
Favorit Blummenfelt geschlagen und Bestmarke abgenommen
Laidlow verwies den großen Favoriten Kristian Blummenfelt aus Norwegen mit einem Vorsprung von 5:20 Minuten auf den zweiten Platz - und nahm ihm die bisherige Weltbestmarke über 3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen ab. Der Olympiasieger hatte im April für den Ironman Texas 7:21:24 Stunden benötigt.
In Roth erwies sich der Rückstand von fast 13 Minuten vor dem abschließenden Marathon selbst für den 32 Jahre alten Ausnahmeathleten als zu groß. Von Platz fünf aus lief Blummenfelt noch bis auf Rang zwei vor, doch für ganz vorne reichte es nicht.
Debütant Bogen überrascht
Für die größte Überraschung in dem Weltklasse-Teilnehmerfeld sorgte der Leipziger Rico Bogen. Bei seinem ersten Triathlon über die Langstrecke mischte der Weltmeister von 2023 über die halb so lange 70.3-Strecke dank einer starken Leistung auf dem Rad lange vorn mit und wurde Dritter. In 7:27:53 Stunden stellte er bei Temperaturen von um die 23 Grad zudem ebenfalls eine Bestmarke auf - kein Triathlet war bei einem Langstrecken-Debüt jemals so schnell wie er.
„Ich bin super happy über den dritten Platz bei der ersten Langdistanz“, sagte der 25-Jährige. „Ich habe auf keinen Fall gedacht, dass das mit dem Podium klappt.“ Lange hatte es für ihn sogar nach Platz zwei ausgesehen. Doch bei etwa Kilometer 39 auf der Laufstrecke hatte er gegen den heranstürmenden Blummenfelt keine Chance.
Ex-Weltmeister Lange kündigt Karriereende in Roth 2027 an
Der dreimalige Ironman-Weltmeister Patrick Lange musste von weiter hinten den Kampf an der Spitze ansehen. Mit seiner Zeit von 7:41:27 Stunden wurde der Athlet aus Bad Wildungen Neunter. „Ich hatte keine Chance bei dem, was die abfeuern. Ich bin ja gut gefahren, aber die Zeiten ...“, meinte der 39-Jährige aus Darmstadt kopfschüttelnd. Lange kündigte an, dass er im kommenden Jahr in Roth seine Karriere beenden wird. „Dieses Jahr auf Hawaii und nächstes Jahr in Roth werde ich meinen Abschied feiern.“
Jan Frodeno: „Einfach toll“
Auch Triathlon-Legende Jan Frodeno, der vor zehn Jahren die Weltbestzeit in Roth geknackt hatte und nach seinem Karriereende als Zuschauer in Roth dabei waren, zog Parallen zu seinem damaligen Rennen: „Ähnlich wie Sam Laidlow konnte ich damals meinen Sieg in Roth auch nicht genießen, weil ich bis zum Schluss wegen der Weltbestzeit auf die Uhr schauen musste.“ Die Leistung von Sam Laidlow sei „einfach toll“. „Da sieht man, dass man Konkurrenz wie mit Magnus Ditlev braucht. Die hauen vorher auf die Kacke und lassen dann auch Taten folgen.“ Der Däne Ditlev, selbst dreifacher Roth-Sieger, kam nach seinem kurzfristig angekündigten Start in 7:34:21 Stunden als Sechster ins Ziel. Die beiden Deutschen Jonas Schomburg (7:32:17 Stunden) und Frederic Funk (7:38:14 Stunden) wurden Fünfter bzw. Siebter.
So viele Zuschauer wie noch nie
Dass das Rennen einen würdigen Rahmen für einen Abschied von einer großen Karriere bildet, zeigte sich auch bei der diesjährigen Ausgabe. Noch nie waren so viele Zuschauer an der Strecke und im Stadion wie diesmal. Die Schätzungen gingen von etwa 300.000 Menschen aus. „Das wird ein Zuschauerrekord“, sagte Renndirektor Felix Walchshöfer im Bayerischen Rundfunk schon vor dem Zieleinlauf.