Tipps Literatur
Geheimtipps statt Bestsellerliste! Richtig gute Buchtipps für den Juli 2026
10.07.2026, 11:42 Uhr
Ein neuer Krimi aus Capri, eine Art polnischer "Zauberberg" und die herrlichen kleinen Karikaturen des Wieners Nicolas Mahler: Auch im heißen Juli wartet genug gute Lektüre, um den Kopf zu kühlen...

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1/14 - In seinem Roman "Nächtliche Wege" hat sich der russische, im Pariser Exil lebende Autor Gaito Gasdanow (1903–1971) in den 30er Jahren auf nächtliche Taxifahrten begeben und dabei allerlei skurrile und melancholische Abenteuer erlebt, in feiner Sprache wunderbar geschildert. Noch einmal geht es jetzt mit dem von Rosemarie Tietze übersetzten Erzählband "Ein zweites Leben" in die Stadt von Gasdanows Sehnsüchten. Auf seinen Streifzügen wechselt er magisch von Erinnerungen zu Wünschen, von Vergangenheit in Gegenwart, ein existenzialistisches Experimentierfeld voll unerwarteter Wendungen und kaum erklärlichen Umschwüngen. Eine poetische Entdeckungsreise an den Saum des Bewusstseins. (Friedenauer Presse, 24 Euro) Bernd Noack © Friedenauer Presse; Pierre Blaché/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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2/14 - Sie führt ein Leben, das man als normal bezeichnen könnte. Und genau diese Normalität erträgt sie nicht mehr. Weil alles um sie herum im Niedergang ist. Sie will ein Störfaktor sein, der andere aus ihrer Bequemlichkeit reißt. Die Leipziger Schriftstellerin Heike Geißler hat mit "Michaela Kohlhaas" eine moderne, weibliche Variante von Kleists "Michael Kohlhaas" geschaffen. Doch Michaelas Rachefeldzug äußert sich nicht in Gewalt gegen andere, sondern gegen sich selbst. Sie verwahrlost aus Protest. Radikal und konsequent zieht sie ihre Schlacht gegen Konventionen bis zum bitteren Ende durch. Verstörend und intensiv liest sich diese Geschichte, die einen anderen Blick auf die Gesellschaft erzwingt. (Suhrkamp, 24 Euro) Gabi Eisenack © Suhrkamp; Stefan Schweihofer/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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3/14 - Den Kontakt zur Familie in Süditalien hat sie schon lange verloren. Doch als Adalina aus Pisa kurz zurückkehrt in ihre Heimat Basilikata mit den kleinen Bergdörfern und der rauen Berglandschaft – bleibt sie. Sie trifft einen alten Freund, der einst mit einem kleinen Rollermobil und zig Büchern die Schulen im Umland besucht und so den Kindern die Welt der Literatur nahebrachte. Der kurze Trip nachhause wird zu einer Wiederentdeckung der eigenen Wurzeln. "Adalina und die Liebe zu den Büchern" von Tessa Hansen erzählt von Heimkommen und Bei-sich-Ankommen, von Einsamkeit und Freundschaft, von Neubeginn und Vertrauen. Und: Das Buch ist natürlich ein kleines Denkmal für die wunderbare Kraft des Lesens. (Insel, 13 Euro) Sabine Ebinger © Insel; Pexels/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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4/14 - Was für eine Entdeckung, man reibt sich fast die Augen! "Galleria Umberto", ein Roman des ziemlich vergessenen US-Autors John Horne Burns, führt voller realistischer Details in das Neapel des Jahres 1944 und die späten Turbulenzen des Zweiten Weltkrieg. 1947 geschrieben, bündelt er, höchst sinnlich und mit viel ironischer Schärfe, unterschiedlichste Schicksale in der von den Alliierten eroberten Stadt, beschreibt verwundete, dem Vermouth verfallene GIs, vor Mitleid überquellende Rotkreuzschwestern mit Hang zu Offizieren, unsichere Existenzen zwischen Front und Frieden, Schwarzmarkt und Prostitution. Von Helden: keine Spur. Gregor Hens hat das kaleidoskopische Werk für die Andere Bibliothek glänzend neu übertragen. (48 Euro) Wolf Ebersberger © Die Andere Bibliothek; giang Anna/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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5/14 - Es beginnt wie ein Krimi: mit einem unbekannten toten Mann am Strand. Er hat nichts bei sich, nur eine Kinokarte, darauf die Telefonnummer der Erzählerin. Aber hat diese ihre Heimatstadt Le Havre nicht schon seit Jahren verlassen? "Brandung", der neue Roman der Französin Maylis de Kerangal, ist kein Krimi, das muss man dazusagen. Spannung entwickelt er anders, rein innerlich: im immer wilderen Heranrollen von Wellen der Erinnerung, die über der zunehmend verwirrten Heldin - einer Pariser Synchronsprecherin mit Mann und Tochter - gleichermaßen zusammenschlagen. Ist die Leiche gar ihre verlorene Jugendliebe? Ein Kunst-Thriller, wie Antonio Tabucchi sie einst schrieb - voll literarischer Erregungen. (Suhrkamp, 25 Euro) Wolf Ebersberger © Suhrkamp; Kerstin Riemer/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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6/14 - Immer diese leeren weißen Blätter, die gefüllt werden müssen. Immer diese Ideen, die nicht kommen wollen, wenn man sie braucht. Immer so viel Arbeit und Kopfzerbrechen für die paar Leser, die es dann am Ende wirklich lieben und verstehen oder auch nur kaufen. "Ach die dumme Literatur!", so seufzte einst Hermann Hesse, und Nicolas Mahler, der wunderbare Wiener Karikaturist, nahm den Ausruf als Titel für sein neues Büchlein über die Mühen des Schreibens. Ob Thomas Bernhard, Max Frisch oder Ingeborg Bachmann: Sie alle litten teils erbärmlich als Autoren - und geben nun, als tragikomische Tropfe im frech verknappten Mahler-Stil, doch irgendwie Schützenhilfe... Die Qual hat sich ja gelohnt! (Suhrkamp, 20 Euro) Wolf Ebersberger © Suhrkamp; congerdesign/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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7/14 - Der Roman "Bergvögel", 1926 in Polen erschienen, jetzt erstmals in feiner deutscher Übersetzung vorliegend, und Zofia Nalkowska sind eine Entdeckung. Die Ich-Erzählerin berichtet darin von einem Sanatoriumsaufenthalt mit ihrem Mann in den Schweizer Alpen nahe des Genfer Sees. Einiges hat die Autorin selbst erlebt, psychologisch einfühlsam und sehr poetisch beschreibt sie nicht nur die einzelnen Persönlichkeiten, die Beziehungen der Patienten untereinander und die Natur, sondern bringt auch wichtige Themen der Zeitgeschichte wie die internationale Lage oder das Pogrom an den Armeniern im 1. Weltkrieg ein. Und wenn man an Manns "Zauberberg" denkt: Nalkowska hat ihn damals gar nicht gekannt. (Dörlemann, 23 Euro) Anja Weigmann © Dörlemann; Carsten/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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8/14 - So etwas kann nur aus Österreich kommen: diese Geschichte über "Das Gurkerl", das einem eitlen Journalisten beim Biss in seine Frühstückssemmel Essigwasser ins Auge spritzt. Der macht aus seinem Missgeschick ein Topthema, das durch alle Medien geistert und eine hysterische Debatte auslöst. Johanna Seebauer, in Wien geboren und im Burgenland aufgewachsen, hat eine heitere Spitze gegen unsere aktuelle Empörungsmaschinerie geschrieben. Veredelt durch die Illustrationen des Kölners Nikolaus Heidelbach, ist ein kleines Gesamtkunstwerk mit großem Spaßfaktor entstanden (Dumont, 20 Euro). Gabi Eisenack © Dumont; wal_172619/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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9/14 - Eine 22 Jahre alte Ehe und das Leben in einem Backsteinbungalow. "Backsteinbungalow" – dieses herrliche Wort zeigt das Können von Autorin Curtis Sittenfeld, Atmosphäre in Buchstaben zu kleiden. In "Die Umarmung", einer von zwölf Erzählungen im Band "Mittelalte Frauen", drängt sich der angekündigte Besuch des Ex-Freundes in die Routine des Paares, die nicht Freiraum lässt, sondern Gewohnheiten gebildet hat, um sich aus dem Weg zu gehen. Darf sie den Ex umarmen? Will sie es? Frauen zwischen 40 und 50 spielen die Hauptrolle der Geschichten. Es geht um Träume, Ängste und Irritationen in der Lebensmitte. Das klingt nach Schwermut, doch Curtis schafft eine Leichtigkeit, die immer ein feines Lächeln zulässt. (Dumont, 25 Euro) Kathrin Walther © Dumont; Hans/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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10/14 - Ausgerechnet es wurde Gabriele Tergits erfolgreichstes Buch: nicht ihr großer deutsch-jüdischer Zeitroman "Die Effingers" also, sondern eine "Kleine Kulturgeschichte der Blumen", 1958 erstmals gedruckt, eher gefällig illustriert. Unter dem neuen Titel "Tulpenwut und Rosenliebe" und mit klassischen Blütenbildern bekommt das reizende Buch der Berliner Emigrantin, die nach dem Krieg in England blieb, nun sein wahres Gesicht. Und lässt sich ja auch literarisch goutieren - als heitere historische Plauderei, die bewundernd bis nach Ägypten und ins alte China blickt, und als ganz persönliche Liebeserklärung Tergits, eben an die so friedvolle, letztlich humanistische Kraft des Gärtnerns. (Schöffling, 28 Euro) Wolf Ebersberger © Schöffling & Co.; Angelica Vaihel/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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11/14 - "Ich will, dass auch er weiß, wie scheußlich das Ende der Liebe schmeckt, diese nur auf einer Seite verfaulte Frucht." Damien moderiert seiner Frau Alice das Ende ihrer Ehe an, da flüchtet sie wortlos, nimmt sich ein kleines Apartment und taucht selbst für die Teenie-Tochter einfach ab. Schlaf- und Rastlosigkeit lassen Alice durch das Nachtleben treiben, bis Siham sie rettet: Alice‘ Nachbarin hat fernab der Familie eine Ausbildung begonnen und hofft so, einer Zwangsehe mit ihrem Cousin zu entkommen. Zwei Frauen auf der Flucht und doch auf der Suche nach ihrer Selbstbestimmung und Freiheit – ein intimes Portrait mit ausdrucksstarken Bildern der Pariser Schriftstellerin Cécile Tlili. (Kein & Aber, 22 Euro) Regina Heider © Kein & Aber; marino13/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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12/14 - Claudia Traidl-Hoffmann von der Uni Augsburg ist die führende deutsche Umweltmedizinerin, weltweit mit Kollegen und Instituten bestens vernetzt. Zusammen mit der Wissenschaftsautorin Katja Trippel zeigt sie nun in ihrem Buch "Die Medizin der Zukunft", wie diese ausschauen muss. Anschaulich verdeutlicht sie die schädlichen Einflüsse von Umweltverschmutzung und Klimawandel auf unsere Körpersysteme, auf Allergien und Asthma. Durch die verständliche Sprache und Beispiele nicht nur aus ihrem Patientenkreis, sondern auch aus seriösen Studien ist das selbst für Nichtmediziner hilfreich. Höchste Zeit also, etwas zu tun - erfreulicherweise gibt es auch Ratschläge, was wir persönlich beitragen können. (Rowohlt Polaris, 24 Euro) Anja Weigmann © Rowohlt Polaris; Franz Peischl/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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13/14 - Szczepan Twardoch ist einer großen Gegenwartsautoren, spätestens seit seinem Frontroman "Nulllinie", den er auch durch eigene Erfahrungen im ukrainischen Kriegsgebiet anreicherte, ist er weit über seine Heimat Polen bekannt. Sein neues Werk "Sehnsucht" kommt erneut sprachgewaltig und fantasievoll daher. Protagonist ist der Rentner Erwin Piontek, der ausbricht aus dem Alltag, um die Welt zu umsegeln. Dies tut er allerdings nur auf einem schlesischen Stausee. Langweilig wird es ihm dennoch nicht, denn Piontek landet unversehens in der Vergangenheit, genauer 1905 im kolonialen Deutsch-Südwestafrika, und dann auch noch in der Zukunft, kurz nach einem Überfall Russlands auf Polen... Das sorgt für Spannung! (Rowohlt, 24 Euro) Michael Husarek © Rowohlt; Claudia Kirchberger/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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14/14 - Das italienische Ermittler-Duo ist zurück: Die Capri-Polizisten Enrico Rizzi und Antonia Cirillo haben diesmal einen rätselhaften Fall zu lösen. Die junge und begabte Parfümeurin Lina wird tot auf der Insel aufgefunden – sie hatte sich auf die Suche nach einer seltenen Blume gemacht. La Dolce Vita, ein bisschen Amore, ein Loblied auf die Mittelmeer-Küche: Der neue Krimi "Giftige Blüten" von Luca Ventura bringt einen wieder zum Träumen vom Süden. Zum Glück greift der Autor nicht zu tief in die Klischee-Kiste. Wie nebenbei geht es auch um Einsamkeit, Vorurteile gegen Homosexualität oder die Erwartungen in einer Großfamilie, die man kaum erfüllen kann. Fazit: ein leicht zu lesender Krimi mit Tiefgang! (Diogenes, 18 Euro) Sabine Ebinger © Diogenes; nathaly durepaire/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid
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