Nürnberg - Nach dem Ausscheiden gegen Paraguay standen zahlreiche Spieler der deutschen Nationalelf den Fragen der Reporter Rede und Antwort. Darunter auch Antonio Rüdiger, der mit einer Äußerung für Wirbel sorgte.

Schonungslos analysierte Antonio Rüdiger das ernüchternde WM-Aus gegen Paraguay: „Ich glaube, das ist die bittere Wahrheit, die wir annehmen müssen. Elfenbeinküste, Ecuador heute Paraguay - ich denke, das waren jetzt nicht Argentinien, Spanien oder sonst wer“, fasste der Abwehrspieler die enttäuschenden Auftritte der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2026 zusammen. Die Mannschaft müsse sich hinterfragen.

In der Kabine habe nach dem Spiel gegen Paraguay Stille geherrscht. „Das ganze Land fiebert mit. Das ganze Land hat Erwartungen und wir sind dem nicht gerecht geworden. Das bleibt schon einige Tage“, sagte Rüdiger auf die Frage, wie lange die Mannschaft brauchen würde, um das Ausscheiden zu verarbeiten. Konkret zum Spiel sagte der Verteidiger: „Ich glaube, in der ersten Halbzeit hatten wir nicht mal einen Torschuss. Das ist dann einfach zu wenig.“

Dann fragte ein Reporter, ob Rüdiger trotz der guten Stimmung und des intakten Mannschaftsgefüges den Eindruck habe, dass „ein bis zwei böse Jungs“ in der Mannschaft fehlen würden. Der 33-Jährige sagte ernst: „Ihr wollt doch keine bösen Jungs. Oder?“, und zog die Augenbrauen nach oben. Auf den Einwand des Reporters, dass er nichts dagegen habe, wenn Jungs dabei sind, die auch mal dagegenhalten, antwortete Rüdiger: „Du weißt selber, was vorher los war. Böse Jungs“, und lachte spöttisch. Auf die Nachfrage eines anderen Reporters, was Rüdiger damit meinte, dass „wir“ keine bösen Jungs wollen, entgegnete Rüdiger: „Das weißt du besser als ich“ und ging davon.

Immer wieder Kritik

Was genau Rüdiger mit seiner Äußerung meinte, ließ er offen. Angespielt haben könnte er auf die auch medial geführte Debatte um seine eigene Berufung in den WM-Kader. Immer wieder sorgte der Defensivspezialist in der Vergangenheit durch überhartes Spiel, Provokationen und Entgleisungen auf und neben dem Platz für Schlagzeilen. Nicht wenige forderten die Nicht-Nominierung Rüdigers vor der Weltmeisterschaft, andere verteidigten ihn hingegen und verwiesen auf Doppelmoral und möglicherweise sogar rassistische Motive hinter der Kritik.

Die Frage des Reporters nach den „bösen Jungs“ dürfte sich indes auf die teilweise körperlosen Auftritte der deutschen Mannschaft im Laufe des Turniers bezogen haben. Gegen die Elfenbeinküste schaffte es die Mannschaft erst im Laufe des zweiten Durchgangs, in den Zweikämpfen ausreichend dagegenzuhalten. Gegen Ecuador wirkte die DFB-Auswahl über die komplette Spielzeit hinweg physisch unterlegen. Gegen Paraguay stimmte der körperliche Einsatz endlich - doch aufgrund der Ideenlosigkeit in der Offensive und des fatalen Abwehrverhaltens vor dem zwischenzeitlichen 0:1 reichte es dennoch einmal mehr nicht für den Einzug ins Achtelfinale bei einer Weltmeisterschaft.