
Im März 2020 überwies Netflix Carl Rinsch elf Millionen Dollar – angeblich, damit er endlich seine Science-Fiction-Serie fertigstellt. Stattdessen verspekulierte er zunächst fast die Hälfte davon an der Börse, steckte den Rest in Dogecoin und machte damit rund 23 Millionen Dollar Gewinn. Den verprasste er dann.
Die Einkaufsliste, die Staatsanwalt David Markewitz vor Gericht präsentierte, liest sich wie eine Satire auf Hollywood-Exzesse: fünf Rolls-Royce-Limousinen, ein roter Ferrari, Uhren und Designerkleidung im Wert von 652.000 Dollar, Kreditkartenrechnungen von rund 1,8 Millionen Dollar - und zwei Matratzen für zusammen 638.000 Dollar. Dabei handelte es sich um handgefertigte Hästens-Modelle aus Schweden: eine schwarze „Grand Vividus“ für 439.900 Dollar und eine weiße „Vividus“ für 210.400 Dollar, beide in Sonderanfertigung und laut Fortune zwei der teuersten Matratzen der Welt. Rinsch ließ später vor Gericht erklären, er habe sie als Requisiten für eine zweite Staffel angeschafft, die Netflix allerdings nie bestellt hatte. Dazu kamen noch 295.000 Dollar für Bettwäsche und Luxusbettwaren. Rinschs Motiv, so Markewitz, sei „blanke Gier“ gewesen.
Rinsch selbst sah das anders. Er und seine Anwälte erklärten, sein Verhalten sei durch psychische Erkrankungen und Probleme mit Medikamenten beeinflusst worden. „Dieser Prozess hat mich gezwungen, mich mit Aspekten meiner Gesundheit, meines Urteilsvermögens und meines Lebens auseinanderzusetzen“, sagte er vor Gericht. Er entschuldigte sich und räumte ein, dass „tatsächlicher Schaden entstanden ist“.
Richter Jed Rakoff ließ das teilweise gelten: Rinschs psychische Probleme „mögen einige der Exzesse erklären“, änderten aber nichts daran, dass er „gezielt gelogen hat, um beträchtliche Summen von Netflix zu erhalten, und anschließend gelogen hat, um dies zu vertuschen“, so der Richter laut CBS News.
Am Montag, 29. Juni 2026, wurde Rinsch dafür vor einem Bundesgericht in Manhattan zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Insgesamt hatte der 48-Jährige Netflix mit einer nie fertiggestellten Serie um rund 55 Millionen Dollar gebracht. Die Staatsanwaltschaft hatte fünf Jahre gefordert.
Ein Brief von Keanu Reeves
Dass Rakoff am Ende bei zweieinhalb Jahren landete, lag vor allem an Belegen zur psychischen Erkrankung des Regisseurs, möglicherweise aber auch an einem ungewöhnlichen Fürsprecher: Keanu Reeves schrieb einen Brief an das Gericht. Rinsch „bereite den Menschen in seinem Umfeld außergewöhnliche Freude und Wärme“, ließ der „Matrix“-Star wissen und räumte gleichzeitig ein, dass sein Bekannter dazu neige, sich selbst zu sabotieren, indem er „Ausmaß, Umfang und Dimensionen dessen, was ausgehandelt worden war, maßlos aufblähte“. Reeves kennt Rinsch gut: Er hatte nicht nur in dessen einzigem Kinofilm mitgespielt, sondern war auch als Produzent und Co-Financier bei „White Horse“ eingestiegen, als Rinsch das Geld ausging.
Dass Netflix überhaupt so viel Vertrauen in Rinsch setzte, ist im Nachhinein schwer zu erklären. Sein einziger Spielfilm, der Samurai-Fantasyfilm „47 Ronin“ aus dem Jahr 2013, war mit einem Budget von 175 Millionen Dollar produziert worden und an den Kinokassen komplett gefloppt: Laut Filmstarts.de machte er rund 175 Millionen Dollar Verlust. Rinsch war damals sogar aus dem Schneideraum ausgesperrt worden, weil sein Verhalten am Set als zu unberechenbar galt, wie World of Reel berichtet. Trotzdem zahlte Netflix ihm zwischen 2018 und 2019 zunächst rund 44 Millionen Dollar für das Serienprojekt „White Horse“ - und 2020 auf Rinschs Bitten hin noch einmal elf Millionen obendrauf.
Besagte elf Millionen Dollar muss Rinsch nun als Schadensersatz an Netflix zahlen. Im September soll er seine Haftstrafe antreten - sofern die Berufung, die seine Anwälte angekündigt haben, das Urteil nicht noch kippt.