Houston - Vor der Abreise mit der Elfenbeinküste zur WM schreibt Yan Diomande an seine gestorbene Schwester. Jetzt wird der emotionale und bewegende Brief veröffentlicht.

„Ich werde beweisen, dass du recht hattest“, dafür werde er alles geben, schreibt Yan Diomande am Schluss seines kurz vor dem zweiten WM-Spiel der Elfenbeinküste am Samstag gegen Deutschland veröffentlichten Briefes. Er beginnt mit: „Liebe Roxane, erinnerst du dich ...“ Es ist ein Brief an seine im Alter von 15 Jahren gestorbene Schwester, die dem Bundesliga-Profi von RB Leipzig alles bedeutete.

„Noch bevor ich überhaupt echte Fußballschuhe hatte, hast du allen gesagt: „Mein Bruder wird der Beste der Welt werden““, schreibt der 19-Jährige. Das Magazin „The Players‘ Tribune“ veröffentlichte den Brief in voller Länge und mit Bildern aus der Jugend des Angreifers. „Ich werde das erreichen, was du vorhergesagt hast, das schwöre ich“, schreibt Diomande.

Er schreibe das, weil er nicht darüber sprechen könne. „Ich schreibe das, weil ich möchte, dass du weißt: Ich werde dafür sorgen, dass deine Erinnerung weiterlebt“, äußert Diomande. Seine Schwester starb dem Brief zufolge wenige Wochen vor seinem Debüt im März 2025 in Spanien für Leganés.

„Seit deinem Tod bin ich einfach leer“

„Jemand rief mich ständig von zu Hause an. Ich war genervt. Ich verstand nicht, warum sie immer wieder anriefen“, schreibt der 19-Jährige. „Ich ging ran, und sie machten es nicht einmal behutsam. Du weißt ja, wie es bei uns zu Hause ist. Keine Emotionen. Einfach nur ... „Deine Schwester ist tot“.“ Jemand habe ihr auf einer Party etwas ins Getränk getan, sie sei nie wieder aufgewacht. „Du warst 15“, schreibt Diomande.

Vor ihrem Tod habe er noch Gefühle gehabt. „Heute fühle ich nichts mehr. Es ist, als wäre ich gar kein Mensch mehr. Seit deinem Tod bin ich einfach leer“, schreibt Diomande, der von den Glücksmomenten mit seiner kleinen Schwester berichtet.

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Yan Diomande trifft mit der Elfenbeinküste am Samstag auf Deutschland. © Petr David Josek/AP/dpa

„Erinnerst du dich, wie wir zusammensaßen und davon träumten, nach Frankreich zu ziehen? (...) Du warst die Einzige, die immer daran glaubte, dass ich der nächste Cristiano (Ronaldo) werden könnte, während alle anderen lachten“, schreibt Diomande in dem vor der WM verfassten Brief. „Alles, was du gesagt hast, ist wahr geworden. Morgen reisen wir tatsächlich zur Weltmeisterschaft. Wirklich. Dein Bruder wird für die Elfenbeinküste spielen, wie (Didier) Drogba, wie Yaya (Touré), wie Gervinho.“

Der Fußballplatz als Ort der Sehnsucht

Der Jungstar berichtet auch von seiner Zeit in Deutschland. Er war nach seinem Wechsel zu RB ständig zu spät gewesen. „Na ja, nicht wirklich zu spät. Ich war pünktlich - was in Deutschland bedeutet, dass man viel zu spät ist“, schreibt er. „Also weißt du schon, was ich gemacht habe. Ich begann, zu allem 90 Minuten zu früh zu erscheinen. Ich war immer so früh da, dass die Jungs anfingen, mich „den Deutschen“ zu nennen.“

Der Fußballplatz sei der einzige Ort, „an dem ich mich noch zu Hause fühle“, schreibt Diomande. „Dort bin ich ruhig, und dort kann ich mit dir sprechen. Ich wünschte nur, du wärst noch hier, damit ich dir sagen könnte ...“