
Knapp 85 Prozent der Regionalzüge und S-Bahnen in Bayern kamen im Jahr 2025 laut Statistik pünktlich ans Ziel – ein Wert, der sich auf den ersten Blick solide anhört, doch kaum Anlass zur Freude bietet. Denn gegenüber dem Vorjahr hat sich die Lage sogar leicht verschlechtert, und der Hauptschuldige steht fest: die marode Bahninfrastruktur.
Die Zahlen im Überblick
Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) weist in einer Pressemitteilung für 2025 eine Pünktlichkeitsquote von 84,9 Prozent aus – minimal schlechter als 2024 (85,3 Prozent). Als pünktlich gilt dabei allerdings jeder Zug mit weniger als sechs Minuten Verspätung. Im Vergleich zu DB Fernverkehr, dessen Züge nur zu 60,1 Prozent pünktlich waren, schneidet der bayerische Nahverkehr deutlich besser ab. Eine Erfolgsgeschichte ist das dennoch nicht.
Fast die Hälfte aller Verspätungen – etwa 46 Prozent – hatte infrastrukturelle Ursachen: defekte Weichen, Störungen an der Leit- und Sicherungstechnik sowie rund 100 sogenannte Langsamfahrstellen, an denen Züge wegen Gleismängeln ihr Tempo drosseln mussten. Besonders das Allgäu war flächendeckend betroffen. Der Anteil baubedingter Verspätungen stieg zudem deutlich von 10,8 auf 14,6 Prozent – unter anderem wegen Vorbereitungsarbeiten wie bei der Korridorsanierung Nürnberg–Regensburg, die seit Februar 2026 läuft.
Licht und Schatten in den einzelnen Netzen
Die Spannbreite zwischen den 33 Netzen ist enorm: Während die Bayerische Zugspitzbahn mit 98,6 Prozent Pünktlichkeit Spitzenwerte erreicht, kommt die Linie RE 25 München–Prag nur auf 56,5 Prozent – trotz einer Verbesserung um fast 13 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. In acht Netzen lag die Pünktlichkeit über 90 Prozent, in zehn Netzen kam mindestens jeder fünfte Zug zu spät.
Positiv hervorzuheben: Die Werdenfelsbahn verbesserte sich um 6,5 Punkte auf rund 84 Prozent, nachdem DB InfraGO dort Gleismängel beseitigt hatte. Die S-Bahn München erreichte fast 88, die S-Bahn Nürnberg 92 Prozent.
Zugausfälle rückläufig – Baustellen als Haupttreiber
Ein Lichtblick: Die Zugausfallquote sank von 8,1 auf 6,9 Prozent. Doch fast drei Viertel aller Ausfälle – 71,5 Prozent – gingen auf Bauarbeiten zurück, ein Anstieg um 27 Prozentpunkte gegenüber 2024. Weniger Streiks und milderes Wetter halfen, externe Einflüsse auf 5,8 Prozent zu drücken (2024: 26,3 Prozent).
Das Schlusslicht bildet das Netz Hohenlohe-Franken-Untermain mit einer Ausfallquote von 18,5 Prozent – hauptsächlich wegen massiver Personalengpässe in den Stellwerken der DB RegioNetz Infrastruktur. Erfreulich dagegen: Im Netz Kissinger Stern fiel die Quote von 8 auf nur noch 0,7 Prozent.
Klare Forderungen an die DB
Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter zeigte sich ernüchtert: „Der Schienenpersonennahverkehr boomt bei der Nachfrage, tritt aber bei der Pünktlichkeit leider weiter auf der Stelle.“ BEG-Geschäftsführerin Bärbel Fuchs forderte von DB InfraGO ein besseres Baustellenmanagement: Frühzeitigere Ankündigungen, mehr Termintreue und eine koordiniertere Steuerung seien überfällig – und lägen allein in der Hand des Infrastrukturbetreibers.