Nashville - Nashville - der feuchte Traum jedes Musik-Freaks geht hier in Erfüllung. Unser Autor ist tief ins neondurchflutete Hochenergiezentrum der US-Kultur vorgedrungen - und sogar einem Hollywoodstar über den Weg gelaufen.

Die Sonne war bereits untergegangen und ein eisiger, schneidender Wind pfiff durch die Straßenschluchten Nashvilles. Ein spontaner Wintereinbruch hatte die Temperaturen von 20 auf – 6 Grad stürzen lassen. Der Uber-Fahrer ließ mich direkt vor dem Eingang des Placemakr Music Row Hotel aussteigen und ich machte, dass ich nach drinnen kam. Hinter der Rezeption saß ein knorriger, untersetzter Schwarzer mit angehender Platte in seinem Bürostuhl und sang. Als er mich kommen sah, brach er ab.

„Nicht aufhören.“, sagte ich. „Schon gar nicht meinetwegen!“

Das brachte ihn zum Lächeln.

„Im Ernst, Sie singen grandios!“

„Oh, vielen Dank.“ Er nahm meinen Pass entgegen und scannte ihn ein. „Ich habe Gesang studiert.“

„Nicht übel. Sind alle Rezeptionisten in Nashville studierte Sänger?“

Er schnaubte sarkastisch und gab mir meinen Pass zurück. „Ich bin Travis.“, stellte er sich mit tiefer, samtener Baritonstimme vor. Er reichte mir die Hand. Ich schüttelte sie.

Wir fachsimpelten daraufhin eine Weile über den Wert von handwerklich gut gemachter Musik, Gefahren und Chancen von KI-Künstlern und der existenziellen Verkommenheit der ganzen miesen, ausbeuterischen Branche – allem voran Spotify –, als die Tür aufging. Herein kam ein schlaksiger, bestimmt 1,90 m großer Kerl mit Dreitagebart, der problemlos als jüngerer Bruder von Weezer-Sänger Rivers Cuomo durchgegangen wäre.

„Ich erinnere mich an dich!“, rief Travis und sprang auf.

„Oh wirklich?“ erwiderte der andere, gleichermaßen überrascht und geschmeichelt.

„Dieses Mal muss ich aber ein Foto mit dir machen. Wäre das in Ordnung?“

„Ja. Na klar.“

Verwirrt beobachtete ich, wie das ungleiche Paar sich für ein Selfie positionierte. Sollte ich diesen Typen kennen, überlegte ich … Aber es klingelte nichts. Außerdem sah er geradezu überdurchschnittlich normal aus. Weiß, circa Mitte 40, gesund, die üblichen, altersbedingten Verschleißerscheinungen. Vorsichtshalber bat ich ihn auch um ein Selfie. Man weiß ja nie …

Als das erledigt war, fragte ich, was er in Nashville so treibe.

„Oh, ich nehme mein neues Album hier auf.“

Ich wurde hellhörig. Aber es klingelte immer noch nichts. Wahrscheinlich hatte ich es hier mit einem der unzähligen Countrysänger zu tun, von denen ich keinen Schimmer hatte ... wenn auch mit einem der Wenigen, dem es offenbar gelungen war, sich an den eigenen Haaren aus dem zähen Sumpf brachen Talents zu ziehen.

„Was machst du hier?“

Ich sagte, ich käme aus Deutschland und da sie uns gerade das Bürgergeld zusammengestrichen hätten, wollte ich mich in den USA umschauen und mal testliegen in der sozialen Hängematte.

„Und, wie ist die so?“, fragte er.

„Hart.“

Die beiden brüllten vor Lachen. Okay, okay, ich sei Journalist auf Pressereise, räumte ich ein, und plante, eine Reportage über die Musikszene in Nashville zu schreiben. „Ich bin eben erst angekommen.“

„Deutschland? Ich komme 2026 übrigens auf Deutschlandtour.“, sagte …

Deutschlandtour? Wer in aller Welt WAR DER TYP?

„Ach wirklich? Vielleicht komme ich auf eines deiner Konzerte …“, überspielte ich meine Ahnungslosigkeit. „… um dir genau auf die Finger zu schauen!“

Er grinste, „sehr gern!“, schnappte sich seinen Trolley, wünschte uns einen schönen Abend und flanierte dann lässig durch die Lobby in Richtung Aufzug davon.

Kaum war er um die Ecke, wandte ich mich an Travis: „Wer zur Hölle war das?“

„Das war Tyler Hilton.“

„Tyler wer?“

„Tyler Hilton.“

„Ah … und ich dachte schon, ich hätte ihn kennen sollen. Das mit der Deutschlandtour hat mir echt den Rest gegeben. Ich kam mir schon total bescheuert vor …“

„Du hättest ihn kennen können.“

„Was? Warum?“

„Hast du Walk the Line gesehen, mit Joaquin Phoenix?“

„Natürlich.“

„Tyler Hilton spielt in dem Film mit.“

„Aha. Und wen spielt Tyler Hilton in dem Film?“

„Elvis.“

Ein monströses Verhängnis mit Rammschutz aus 13 mm Kruppstahl

Nachdem ich ungefähr 14 Stunden durchgeschlafen, geduscht und zum Frühstück etwas getrunken hatte, das man beinahe hätte mit Kaffee verwechseln können, machte ich mich zu Fuß auf in Richtung Stadtkern. Bereits auf den ersten paar hundert Metern (oder paar 109,36 Yards) bestätigte sich ein Vorurteil, das sich – völlig zurecht – hält: Kaum jemand geht spazieren. Die USA sind ein Autoland. Nashville stellt da keine Ausnahme dar. Die Straßen sind schachbrettartig angeordnet und breit, es herrscht reger Verkehr.

Von blitzblank polierten Luxuskarossen über hustende Jeeps mit Stierhörnern auf der Motorhaube bis hin zum streichholzschachtelgroßen Prius tummelte sich im mittäglichen Stop-and-go eine bunte Vielfalt an Marken und Fabrikaten. Sogar ein Cybertruck stand an einer Ampel, ohne in Flammen aufzugehen. Allgemein lief alles erstaunlich zivilisiert ab. Der Verkehr floss mit einer sonderbaren, beinahe hypnotischen Gleichmut vor sich hin. Niemand hupte. Niemand schnitt den anderen. Konnte es sein, dass amerikanische Autofahrer rücksichtsvoller miteinander umgingen als deutsche?

Es schien so. Das Phänomen zog sich wie ein roter Faden durch meine gesamte Zeit in Nashville und konsolidierte diesen Eindruck – mit einer Ausnahme: Amerikanische Autofahrer verhalten sich rücksichtvoll untereinander. Diese Form der Achtsamkeit endet jedoch an der Stoßstange des Vordermanns. Als Fahrradfahrer (trotz Radwegen begegnete ich in Nashville nicht einem) oder Fußgänger wäre es fatal, eine derartige Gleichbehandlung blind vorauszusetzen. Denn wenn niemand spazieren geht, rechnet auch keiner mit einem Spaziergänger. Wer sich außerhalb von Downtown-Nashville die Füße vertritt und nicht höllisch aufpasst (oder besonders flink ist), läuft ernsthaft Gefahr, unter die Räder zu kommen. Oder auf die Hörner genommen zu werden … zum Beispiel eines monströsen Blechungeheuers wie dem Jeep Gladiator Overland mit 13-mm-Rammschutz aus gefaltetem Kruppstahl. Mir liegen keine konkreten Zahlen vor, aber es würde mich doch sehr verwundern, endete man bei einem solchen Rencontre – vorsichtig geschätzt – nicht in neun von zehn Fällen als menschlicher Matschfleck auf dem Asphalt.

Laut der Anwaltskanzlei Raybin & Weissman, P.C. stirbt alle 21 Tage ein Fußgänger auf den Straßen Nashvilles. 2022 gilt als das tödlichste Jahr aller Zeiten, mit 49 Todesfällen (wpln News). Seitdem sind die Zahlen rückläufig. Grund ist eine Kampagne des Bürgermeisters, in deren Zuge die Geschwindigkeitsbegrenzungen mehrerer Straßen nach unten korrigiert wurden, mit dem Ziel, die Statistik der Verkehrstoten bis 2050 auf 0 zu reduzieren.

Geringeres Tempolimit ist gleichbedeutend mit weniger Verkehrstoten? Welch futuristischer Ansatz! Jemand sollte die Idee mal an den Bundesverkehrsminister herantragen, schoss es mir durch den Kopf … oder die eines Tempolimits überhaupt. Zum Beispiel auf unseren heißgeliebten Autobahnen (302 Tote im Jahr 2023, Statistisches Bundesamt). Vielleicht imponiert ihm die schlichte Eleganz des Konzepts. Oder wenigstens die Schlichtheit daran. Aber ich bezweifle es.

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<p>Sogar ein Cybertruck stand an einer Ampel, ohne in Flammen aufzugehen.</p> © Stefan Besner

Welcome to Music City: Unterwegs auf dem Honky Tonk Highway

Mit rund 700.000 Einwohnern ist Nashville sowohl größte Stadt als auch Hauptstadt im US-Bundesstaat Tennessee. Zudem stößt man quasi überall auf den Titel „Music City“. Der Legende nach soll die Bezeichnung auf Königin Victoria (England) zurückgehen. Als sie 1873 die Jubilee Singers der Fisk University in Nashville singen hörte, sei sie von ihren Stimmen so angetan gewesen, dass sie Nashville zur „Music City“ ausrief.

Verirrt man sich nach Downtown, gelangt man unumwunden zu der Überzeugung, dass die Stadt den Titel zurecht trägt. Links und rechts des Broadways reihen sich Plattenläden an teils mehrstöckige Saloons, Burgerbars, Restaurants und Pubs mit Namen wie Tootsies, Paradise, Crossroads, The STAGE, Hank Williams Jr. Boogie Bar, Barrel Proof u. v. m. In allen spielt Musik. In wirklich allen. Und zwar meist schon ab 10 Uhr morgens. Der Eintritt ist frei. Die Bands finanzieren sich ausschließlich durch Tips. Je besser die Show, desto spendabler das Publikum. Nicht ohne Grund nennt man den Broadway deshalb auch „Honky Tonk Highway“. Bereits tagsüber geht es hier zu wie auf dem Rummel.

Staunend wandelte ich eine ganze Weile über den Honky Tonk Highway in der Music City, – bis ich endlich das Visitor Center entdeckte. Das Gebäude sieht ein wenig aus wie der Eifelturm, wäre er von Aliens entworfen worden. Anstelle einer nackten Stahlkonstruktion ist das untere Drittel rundherum mit bläulichen Glasschindeln verkleidet. Man händigte mir die für mich hinterlegte Star Card aus (eine Art Freifahrtschein für Museen, Theater, Touren etc. Ich entschied mich für das National Museum of African American Music.

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<p>Nicht ohne Grund nennt man den Broadway auch „Honky Tonk Highway“. Bereits tagsüber geht es hier zu wie auf dem Rummel.</p> © Stefan Besner

Historie, Horror und Revolution: Eine kleine Geschichte afroamerikanischer Musik

Bevor ich das eigentliche Museum betrat, komplementierte man mich ich ins Root Theatre, einen vorgelagerten mittelgroßen Kinosaal mit knapp 200 Sitzen. Als die Türen geschlossen und die Lichter gelöscht wurden, befanden sich außer mir noch vielleicht zehn weitere Personen im Raum, ausnahmslos Schwarze.

In dem fünfzehnminütigen Streifen mit dem Titel Roots brechen die Macher die Geschichte der Afro-Amerikaner und ihrer Kultur, speziell der Musik, in holzschnittartigen Bildern herunter. Mit sonorer Sachlichkeit beleuchtet eine körperlose Stimme das Schicksal von elf Millionen Männern und Frauen, die aus dem Gebiet südlich der Sahara über den Atlantik in die USA verschleppt wurden – und wie es diesen Leuten gelang, sich trotz menschenverachtender Bedingungen ihre Menschlichkeit zu bewahren, ihre Würde und ihre Kultur. Es wird lediglich erklärt, nicht angeklagt. Gerade diese von jeglichen schrillen Tönen entkernte Objektivität schafft eine völlig surreale Atmosphäre; als würde Sir David Attenborough kommentieren, wie sich Lawrence Gordon in Saw seinen Fuß absägt. Und dabei werden die schlimmsten Bilder in Roots noch nicht einmal gezeigt.

Natürlich waren mir die Gräuel der Sklaverei im Vorfeld durchaus geläufig; dennoch ließ es mich einmal mehr fassungslos zurück, welch denkwürdige Aneinanderreihung von Ungeheuerlichkeiten diese Menschen ausgesetzt waren über die Jahrhunderte, – einzig und allein aufgrund der Tatsache, dass sie mit der falschen Hautfarbe geboren worden waren. Eine solche Tortur zu überstehen, erfordert immensen Überlebenswillen, Verstand und messerscharfe Instinkte. Im Falle der afroamerikanischen Sklaven hieß das: Biegen, aber nicht brechen unter den Peitschen und der Barbarei eines Packs sadistischer Hinterwäldler und brutaler Gutsbesitzer, die anstelle eines Gewissens eine Brieftasche mit sich rumtrugen. Beziehungsweise rumtragen ließen.

Entgegen jeder Wahrscheinlichkeit erhielten sich die Verzagten dennoch irgendwie einen Funken Kontrolle im Sog dieser Abwärtsspirale aus unverschuldeter Ohnmacht. Während der schweißtreibenden Strapazen auf den Pantagen sangen die Brüder und Schwestern die Lieder ihrer Ahnen, ersannen neue und traten so unter der sengenden Südstaatensonne mal eben eine musikalische Revolution los, die bis heute nachwirkt.

Ohne die Enkel und Urenkel jener tapferen Menschen, Pioniere wie Robert Johnson, Muddy Waters, Aretha Franklin, Bessie Smith, Miles Davis, Chuck Berry, Nina Simone oder Ray Charles, um nur einige wenige zu nennen, sähen die Charts heute ganz schön verhärmt aus. Die Beatles, die Stones, Dylan, Fleetwood Mac, Dolly Parton, Ed Sheeran oder Taylor Swift – sie alle hätte es nie gegeben. Zumindest nicht in der Form, wie wir sie kennen. Es gäbe dann weder Blues noch Folk noch Country, keinen Jazz, kein RnB und auch keine Rockmusik. Nahezu alle heutigen Populär-Stile leiten sich entweder direkt oder indirekt von schwarzer Musik ab, der Musik von Sklaven.

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<p>Die Beatles, die Stones, Dylan, Fleetwood Mac, Dolly Parton, Ed Sheeran oder Taylor Swift – sie alle hätte es nie gegeben.</p> © Stefan Besner

Nashville wäre zweifelsohne eine völlig andere Stadt. Womöglich würden Bars den Broadway säumen, deren Interieur verdächtig an Omas Teestube erinnert – mit Rüschenvorhängen und Guéridon-Tischchen aus Teakholz –, worin sich eine endlose Soiree aufgeblasener Mächtegernmozarts in Kammermusik ergeht … Oder noch schlimmer: Die ganze Straße runter bis zum Cumberland River hätte sich in ein Auffangbecken für aufstrebende Schlagersänger verwandelt, halbschlaffe Mitvierziger, die ihre zweite Selbstverwirklichung als Billigimitat von Peter Wackel suchen, und mit Titeln wie „When you think you think, you only think you think“ oder „Blue, blue, blue, blooms the gentian“ um die Gunst bierselig schunkelnder Gestalten buhlen, die aussehen, als hätten sie einen Hirnschaden. Was für eine schauderhafte Vorstellung.

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<p>Nashville ist ein Panoptikum irrer Farben und lauter Musik, die aus offenen Fenstern dröhnt. Je später die Stunde, umso lauter die Musik</p> © Stefan Besner

Neon-Oz der US-Kultur: Party im hochenergetischen Herzschrittermacher Amerikas

Stattdessen ist Nashville ein Panoptikum irrer Farben und lauter Musik, die aus offenen Fenstern dröhnt. Je später die Stunde, umso lauter die Musik und greller die Farben. Schlendert man bei Nacht den Broadway entlang, überkommt einen unwillkürlich das Gefühl, in einem Paralleluniversum gelandet zu sein, das um ein paar Extradimensionen reicher ist im Vergleich zu unserer normalen Welt. Ein warmer elektrischer Wind bläst einem in den Rücken, die Netzhaut deiner Augen ist gleichermaßen überreizt und hingerissen von all den roten und blauen und grünen und gelben Schriftzügen und Gitarren und Mikrophonsymbolen und lasziv blinkenden, in die Luft gereckten Neonbeinen. Hier jault ein Countrysänger von enttäuschter Liebe und seiner Flucht ins Whiskeyglas (Tennessee-Whiskey, selbstredend). Da singt eine junge Frau, fast noch ein Mädchen, allein mit ihrer Gitarre auf der Bühne von ihren Träumen und Ängsten – und nur ein paar Meter weiter heizt eine restlos hohldrehnde Fullband-Combo dem stampfenden, johlenden Publikum mit Highway to Hell so höllenmäßig ein, dass der Dampf aus dem Schuppen wie Sonnenwind in die Nacht entweicht. Überall strömen feierwütige Freaks durch die Gegend, werden von den verschiedenen Stilen in den verschiedenen Bars verschluckt und wieder ausgespuckt; mal mehr, mal weniger mitgenommen. Die Music City pulst wie ein hochenergetischer Herzschrittmacher im Zentrum Amerikas. Man könnte monatelang durch die Gassen, Seitensträßchen, Absteigen, Saloons und Musikschuppen streifen, den ganzen in seiner fantastischen Tonlage schwingenden Honky Tonk Highway rauf und runter, rund um die Uhr, und man würde dennoch täglich etwas Neues entdecken. Da spielt es dann auch keine Rolle, dass aus so manchem Bilderrahmen Kid Rock über den zeitlosen Musikzirkus wacht wie ein nicht wirklich finsterer und alles andere als heller Götze …

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<p>Überall strömen feierwütige Freaks durch die Gegend, werden von den verschiedenen Stilen in den verschiedenen Bars verschluckt und wieder ausgespuckt.</p> © Stefan Besner

Vier Tage lang machte ich Station in Nashville. Das ist nicht viel. Und doch sind meine Erinnerungen so ausgefallen und zahlreich, dass ich ein ganzes Jahr damit füllen könnte. Oder wenigstens ein Jahrbuch. Nashville ist die destillierte Essenz amerikanischer Kultur; – ein abgedrehtes Oz der Musik im Malstrom einer aus den Fugen geratenen Realität, ein friedliches Mekka für alle Jünger des Country, des Blues, des Rock. Elvis Presley und Dolly Parton gelang in Nashville der Durchbruch, Bob Dylan nahm zwei Alben in Nashville auf, Taylor Swift zog als Teenagerin nach Nashville, ebenso Jack White (White Stripes), um dort sein Label zu gründen, Miley Cyrus wurde in Nashville geboren, und selbstverständlich darf einer auf der Liste nicht fehlen: Johnny Cash. Wohl kaum ein anderer Künstler wird so sehr mit Nashville verknüpft wie der Man in Black. Die Stadt bildete seit Ende der 50er das Schwerkraftzentrum seines Schaffens, seines Lebens und seines Lebenswerks; bis er 2003 dort starb. Unter anderem fanden Hits wie Jackson, Man in Black oder Ring of Fire in Nashville den Weg auf schwarzes Vinyl – und in die Herzen von Millionen von Menschen.

Aber die Mühlen der Geschichte stehen nicht still – und die nächste Generation drängt bereits auf den vakanten Platz im Rampenlicht. Hier in Nashville feilen sie an ihrer Technik, ihrer Performance und lernen ihr künftiges Publikum kennen … Die Mega-Stars von morgen warten ebenso sehnsüchtig darauf, endlich geboren zu werden, wie all jene, denen zum Schicksal bestimmt ist, in der selben namenlosen Versenkung zu verschwinden, aus der sie gekommen sind.

Oder, um es mit den Worten von Johnny Cash zu sagen: I hear the train a comin‘ …

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<p>Oder, um es mit den Worten von Johnny Cash zu sagen: <em>I hear the train a comin‘ …</em></p> © Stefan Besner