Nürnberg - Mitte Oktober meldete der Veranstalter: Rock im Park 2026 ist ausverkauft. Angesichts des Line-Up wollen viele Fans dennoch irgendwie auf das Mega-Event. Der Ticket-Zweitmarkt ist eine Chance, doch die bereitet Unmut.

Iron Maiden, The Offspring, Limp Bizkit oder Linkin Park: Die großen Namen im Line-Up von Rock im Park können sich sehen lassen. Demzufolge ist der Run auf die Weekend- oder Tagestickets heuer immens - auch jetzt, direkt vor dem Start des diesjährigen Großrockens versuchen Fans noch irgendwie irgendein Ticket zu ergattern.

Die beliebteste und einzig offizielle und genehmigte Anlaufstelle ist der FanSale auf dem Portal Eventim, mit dem Veranstalter Argo Konzerte GmbH kooperiert. Doch dort sollen - verschiedenen Einträgen aus dem Netz und einer User-Zuschrift zufolge - nur überteuerte Tickets für RIP 2026 zu finden sein. Auch von „Preiswucher“ ist vielfach die Rede. „Eigentlich sollte Musik verbinden, doch für viele Fans wird die Vorfreude auf das ausverkaufte Festival derzeit durch astronomische Preise und fragwürdige Gebühren überschattet“, schreibt unserer Redaktion ein frustrierter User und Rockfan. Er prangert den „Widerspruch zwischen den offiziellen Regeln und der gelebten Praxis“ an.

Obwohl der Veranstalter (ARGO Konzerte GmbH) in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen unter Punkt 11 den gewerblichen und überteuerten Weiterverkauf von Tickets explizit untersagt, findet dies auf der „offiziellen“ Eventim-Partnerplattform FanSale statt. Dabei werden Karten für Preise weit jenseits des Originalpreises verkauft - auch, wenn das eigentlich durch die AGB unterbunden werden soll. Zusätzlich fallen via dem FanSale Service- und Bearbeitungsgebühren an, die den Endpreis oft in empfindliche Höhen treiben - und das obschon Festivaltickets zum einen eh nicht mehr günstig sind, und zum anderen viele junge Menschen und langjährige Fans eisern auf dieses Jahreshighlight sparen. Auf der FanSale-Seite lassen sich demnach Angebote finden, die teils Hunderte Euro über dem Originalpreis liegen. Dann kommen noch zusätzlich Servicegebühren zum Preis hinzu.

„Dass eine Tochterfirma des offiziellen Ticketpartners (Eventim) von Verstößen gegen die AGB des Veranstalters profitiert, hinterlässt einen sehr bitteren Beigeschmack“, findet der User, der sich mit der Redaktion in Kontakt gesetzt hat. Er moniert außerdem stark, dass „hier eine Monopolstellung ausgenutzt wird, um aus der Not derer, die beim Erstverkauf leer ausgingen, Profit zu schlagen“, für ihn sei das moralisch höchst fragwürdig. „Während der Veranstalter vorgibt, die Fans vor Wucher zu schützen, scheint die Realität auf dem Zweitmarkt eine andere Sprache zu sprechen“, findet er.

Überteuerte Zweitmarkttickets für Rock im Park - ein Rechenbeispiel

Ein Rechenexempel: Ein RIP-Kombi-Ticket, also für drei Tage Musik, Camping und Parken, liegt je nach Vorverkaufsgebühr bei 361 bis 379 Euro. Dafür zahlt der Fan bereits eine Pauschale für die Abwicklung und den Anbieter. Kann dieser Fan dann nicht teilnehmen und will sein Ticket veräußern, verlangt FanSale bis zu 10 Prozent Provision vom Verkäufer oder der Verkäuferin. Der neue Käufer zahlt nochmals bis zu 15 Prozent Servicegebühr an die Plattform, hinzu kommen auch erneute Versandkosten. Das Ergebnis: Eventim verdient an ein und demselben Ticket-Barcode mehrfach, während der Ticketpreis für den Endverbrauchenden über Gebühren aufgebläht wird.

Laut den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Rock im Park, die auch auf der Webseite nachzulesen sind, ist es ausdrücklich untersagt, Tickets zu einem höheren Preis als dem aufgedruckten Originalpreis (zzgl. der beim Erstkauf angefallenen Gebühren) privat weiterzuverkaufen. Auch gewerblicher Handel, ein kommerzieller oder gewerblicher Weiterverkauf ist komplett verboten. Verstößt ein Verkäufer gegen diese Regeln, hat der Veranstalter das Recht, das Ticket entschädigungslos zu sperren. Der Käufer steht dann am Einlass mit einer ungültigen Karte da.

Wie mit Tickets aus dem Graumarkt oder nicht-autorisierten Zweitmärkten umzugehen ist

Als Graumarkt für den Weiterverkauf von Tickets gilt die Plattform kleinanzeigen: Das Einstellen ist erlaubt und wird von vielen genutzt. Solange der Verkaufende das Ticket zum Originalpreis (oder günstiger) anbietet, handelt er im Einklang mit den Festival-AGB. Um Betrugsvorwürfe oder Probleme zu vermeiden, empfiehlt sich hier meist eine persönliche Übergabe des Papiertickets vor Ort oder die Nutzung von Eventims Ticket-Transfer, falls es sich um ein digitales Ticket handelt. Allerdings: Durch Kooperationen mit Marktplätzen werden private RiP-Inserate auf kleinanzeigen oft blockiert.

Als nicht-autorisierter Zweitmarkt gilt die Plattform viagogo. Das heißt: Tickets können hierüber verkauft werden, allerdings sieht der Veranstalter diese Plattform kritisch. Auf Viagogo werden Tickets oft zu stark überhöhten Preisen angeboten. Wenn der Veranstalter die Ticketnummern auf solchen Plattformen zurückverfolgt, sperrt er diese häufig - doch: Wenn der Käufer wegen einer Sperrung nicht auf das Festivalgelände kommt, greift die Viagogo-Käufergarantie, heißt es seitens viagogo. Das Geld wird dem Käufer erstattet, und als Verkäufer bleibt man aber auf den Kosten oder Strafgebühren der Plattform sitzen.

Das Versprechen, den „Schwarzmarkt“ (wie viagogo) auszutrocknen, wurde zwar teilweise eingelöst, da die Tickets auf FanSale verifiziert sind. Dort wird das alte Ticket sicher ungültig gemacht und für den Käufer ein komplett neues, fälschungssicheres Ticket ausgestellt. Der Preis dafür ist jedoch ein legalisierter und systematischer Wucher durch den Erstmarktanbieter selbst. Für die Rock-im-Park-Community bedeutet das: Wer auf Nummer sicher gehen will, bezahlt das auch.

Auf Nachfrage der Redaktion von nordbayern bei dem Veranstalter erreichte uns bislang kein offizielles Statement zum Sachverhalt und auch nicht darüber, wie man einem Preiswucher entgegenwirken möchte.

Künstlerinnen und Künstler in Deutschland machen gegen Zweitticket-Wucher mobil

Wie die dpa berichtet, haben Artists wie Die Toten Hosen, Nina Chuba, Die Ärzte, AnnenMayKantereit und Johannes Oerding, aber auch Verbände, Veranstalter und Konzertagenturen im Mai 2026 einen offenen Brief an die Bundesregierung geschickt, in dem sie schärfere Regeln gegen Wucherpreise beim Wiederverkauf von Tickets fordern. Dass Händler massenhaft Tickets kauften, um sie anschließend mit horrenden Preisaufschlägen wieder zu verkaufen, schade der Branche und den Fans gleichermaßen, heißt es in dem Brief mit dem Titel „Gegen Wucher und Betrug“. Das Geld, das Fans auf dem Zweitmarkt bezahlen müssten, um an Konzerttickets zu kommen, fließe nicht in die Produktion neuer Musik, in faire Löhne oder in die nächste Tour. „Es landet in den Taschen von Zwischenhändlern, die zur Kultur nichts beitragen als Abzocke“, kritisieren die Musiker.

Genauso gravierend sei der Betrug mit gefälschten Tickets: „Fans zahlen teils mehrere hundert Euro und stehen am Einlass mit wertlosem Papier da.“ Mit diesen Problemen dürfe die Politik die Musiker und ihre Fans nicht alleinlassen. „Was die gesamte Branche braucht, ist ein gesetzlicher Rahmen.“

In vielen anderen europäischen Ländern und in den USA gebe es Regelungen, um einem Betrug mit Konzerttickets wirksam zu begegnen. „Deutschland hingegen ist ein nahezu regulierungsfreier Raum für Ticketspekulanten. Das ist ein politisches Versäumnis, das die gesamte Livemusikbranche und ihre Fans jeden Tag spüren.“

Die Bundesregierung müsse jetzt zügig einen Gesetzentwurf vorlegen. „Kultur ist keine Ware und Tickets sind keine Spekulationsobjekte“, betonen die Unterzeichner in ihrem Brief.

Vor allem müssten Veranstalter bestimmen können, auf welchen Plattformen ihre Tickets weiterverkauft werden dürften. Außerdem müsse es gewerblichen Weiterverkäufern verboten werden, mehr als 25 Prozent auf den Ticketpreis aufzuschlagen. Auch der Einsatz von automatisierter Software zum massenweisen Kauf von Tickets müsse verboten werden, so die Forderung.

mit Material der dpa erstellt