
Benjamin Jungblut
Man muss die Dinge ja nehmen, wie sie sind: In Sachen Festivalerfahrung galt ich lange als Späteinsteiger. Erst mit Mitte zwanzig habe ich mich überhaupt das erste Mal ins Getümmel von Rock im Park gewagt, damals noch mit Kamera fürs Lokalfernsehen und einer Mischung aus Neugier, Überforderung und zu wenig Schlaf im Gepäck. Seitdem hat mich diese spezielle Mischung aus Lärm, Menschen und leicht fragwürdiger Verpflegung aber nicht mehr losgelassen.
Inzwischen ist aus dem vorsichtigen Erstkontakt so etwas wie eine feste Tradition geworden. Und auch wenn Bands und Bier ihren Teil beitragen: Der eigentliche Zauber entsteht jedes Jahr wieder durch das Team vor Ort, das zwischen Zeitdruck, Wetterkapriolen und Funklöchern erstaunlich gute Laune verbreitet. Für den Live-Ticker heißt das konkret: ein paar spontane Einblicke, hier und da eine Liveschalte und alles, was sonst noch ungeplant vor die Linse läuft. Kurz gesagt: Es dürfte wieder sehr unterhaltsam werden.
Jonas Volkert
Rock, du warst meine erste große Liebe. Green Day, Metallica, Rage Against the Machine dröhnten in Dauerschleife aus meinem muffigen Jugendzimmer im Nürnberger Vorort. ‚Ohne Gitarre? Ohne mich!‘, damals der Leitsatz - frei von jeglicher Ironie. Das erste Konzert: Die Ärzte bei Rock im Park 2007; ein Jahr später sogar erstmals ganz legal auf dem Festival, danach Dauergast.
Ach Rock, wir haben uns seitdem ein bisschen aus den Augen verloren, oder? In meine Playlisten schlichen sich plötzlich ganz andere Töne. Erst fehlten die Verzerrer, dann die Verstärker - und irgendwann dann sogar die Gitarren. Gut, Daft Punk, die waren ja auch noch irgendwie Rock - Robot Rock halt. Aber diese Rap-Musik in meinem Spotify-Jahresrückblick? Ich bin ehrlich: Mein damaliges Ich wäre doch auch enttäuscht von meinem heutigen.
Aber Rock, ich hab‘ dich nie vergessen! Alte Liebe rostet nicht und Edel-Metal erst recht nicht. Wie wär‘s, probieren wir‘s nochmal, du, ich und 85.000 andere, nächstes Wochenende? Ich hät‘ schon mal wieder Lust auf Moshpit, Schlamm und Dosenbier.
Christian Urban
„Ich bin zu alt für den Scheiß.“ Seit ein paar Jahren ist das der vorherrschende Gedanke, wenn ich am Sonntag nach dem Ende von RiP (und ungefähr 25.000 Schritten pro Festivaltag) daheim ins Bett falle und mir alles, aber auch wirklich alles weh tut. Zum Glück hält dieser Zustand aber nicht lange an, und sobald die Schmerzen vergessen sind und ich mich wieder ein ein Mensch fühle, freue ich mich auf meinen Ticker-Einsatz im nächsten Jahr. So war es im letzten Jahr, und auch diesmal wird es wieder so sein, da bin ich mir sicher.
Den Freitag nehme ich zum Eingrooven, denn da spielt keine Band, die mich reizt (aber das muss nichts heißen - manchmal sind die unbekannten Acts die besten). Am Samstag betreue ich den Ticker in der Redaktion, ansonsten wäre ich zu Iron Maiden gepilgert. Mein Highlight-Tag ist allerdings der Sonntag: Architects, Papa Roach, Limp Bizkit - und Linkin Park! Das wird großartig. Ich kann es kaum erwarten, Emily Armstrong in Aktion zu sehen und hoffe sehr, dass ihr Auftritt ein gewaltiges „F*CK YOU!“ in Richtung all der Menschen sein wird, die sie wegen ihrer Rolle als neue Sängerin der Band mit Hass überschüttet haben.
Und ansonsten freue ich mich, abends duschen und in meinem eigenen Bett schlafen zu können, denn: Ich bin zu alt für den Scheiß.
Saskia Muhs
„Sold my Soul for Rock‘n‘Roll“ steht in meiner Insta-Bio und das ist auch nicht geflunkert. Seit meiner frühesten Jugend ist Musik, insbesondere wenn sie harte Riffs enthält, meine große Leidenschaft. Musik bestimmt wie ich lebe, Urlaub mache und meine Freizeit gestalte. Angefangen hat alles vor sehr langer Zeit mit der der Band HIM, von da aus ging die Reise schnell in Richtung Heavy Metal in all seinen Facetten: Von Glam- über Thrash- bis Death Metal fand sich alles auf meinem MP3-Player. Sobald es legal möglich war und auch meine Eltern einsahen, dass sie mich eh nicht davon abhalten können, fuhr ich 2008 mit süßen 16 auf mein erstes Festival: Wacken.
Nun, fast 20 Jahre später, ist der Musik-Kosmos, in dem ich meine Bahnen ziehe deutlich größer geworden, in Sachen Festivals lebe ich allerdings auf deutlich kleinerem Fuß - die Nische ist mein neues zu Hause. Auf riesigen Festivals mit mehr als 3000 Besuchern findet man mich nur noch selten und wenn, dann tendenziell auch eher außerhalb Deutschlands. Für das Rock im Park mach ich allerdings regelmäßig eine Ausnahme und habe es nie bereut, für ein Wochenende den Bürostuhl gegen das Open-Air-Office zu tauschen. So auch bestimmt in diesem Jahr, denn seien wir ehrlich: Wer die Möglichkeit bekommt, sich Iron Maiden quasi während der Arbeitszeit live anzuschauen und diese nicht nutzt, der verdient mindestens 10 Punkte Abzug in Sachen Coolness. Ansonsten bin ich ganz besonders gespannt auf die Show Blood Incantation und ihrem ziemlich abgefahrenen Mix aus Detah Metal, Psychedelic, und Progressive.
Andrea Munkert
Rock und seine Schnoddrigkeit waren immer meins. Schon als Kind und Jugendliche hab ich die Rocksongs der 60er und 70er geliebt. Das ist auch heute noch so: The Doors (über allem), The Kinks, Jimi Hendrix - name them - laufen in meiner Playlist rauf und runter, auch nach Jahren noch. This shit never gets old, oder? In den 90ern verlor ich mein Herz dann auch an Punkrock und vor allem Grunge: Nirvana, Silverchair, Him, The Ramones, Queens of the Stoneage und so viele mehr. Doch der Rock der 60er, seine Magie, verließ mich nie: Ich war so faszniert von Woodstock, der Mutter aller Festivals, und dem Aufbruch der damaligen Zeit, dass ich meine Uni-Abschlussarbeiten darüber schrieb. Im Herzen bin ich eine Altrockerin - deswegen freue ich mich im diesjährigen Line-Up vor allem auf Iron Maiden. Und aus sehr nostalgischen Gründen auf The Offspring.
Viele Jahre war ich draußen auf dem Zeppelinfeld. Ich erinnere mich an eine patschnasse Nacht, die ich im Clubbing-Zelt zum Set von Markus Kavka (auch so ein Teenie-Held wegen MTV) beendete. Ich erinnere mich an legendäre Smashing Pumpkins vor gut acht, neun Jahren. Ich erinnere mich an Tage als Studierende, als Tickets viel zu teuer fürs Taschengeld oder den Nebenverdienst waren und wir Runden um Runden um das Gelände drehten, bis wir einen optimalen und vor allem kostenlosen Spot gefunden haben, an dem wir unseren damaligen Helden von Placebo huldigen konnten. Ich erinnere mich an vieles - und an vieles nicht mehr, denn auch das ist Rock im Park. Zeit, Erinnerungen wieder aufzufrischen - ganz nach dem Prinzip: for those who like to rock, we salute you.
Philipp Rothenbacher
20 Jahre. This goes down under like oil! Ja, liebe Kinder, am 2. Juni 2006 betrat Dr. phil. Philipp Rothenbacher erstmals den heiligen Rockrasen am Dutzendteich - wobei die Center damals auf dem Luitpoldhain und die Alterna vor dem Fake-Kolosseum der Nazis stand. Süße 18 war er, Franz Ferdinand bejubelnd, die Bloodhound Gang feiernd, Alice in Chains huldigend, Tool ignorierend, Bushido mit Bechern bewerfend, Depeche Mode schlechter als Placebo findend (Sorry, Prof. Urban), Turbonegro vergötternd (Hank, we miss you!). Und wie war das nochmal mit Reamonn samt Nelly Furtado als Vorband von Metallica?
Zwei Dekaden später, einige graue (und insgesamt bedeutend weniger) Haare mehr, aber selten weiser, begeht er auch noch seinen 14. RiP-Ticker-Einsatz für dieses Hohe Medienhaus - als ganz komischer Kauz, der sich in Wahrheit nur auf Iron Maiden freut. Und die Hives. Und Social D. Und Bad Nerves. Und so weiter.
Johannes Handl
Es gibt sicher nettere Begrüßungen. Als Iron Maiden 2003 zum ersten Mal bei Rock im Park spielten, wurden sie in einem Begleitheft als „hübsch-hässliche Heavy-Heroen“ vorgestellt. Zumindest Band-Maskottchen Eddie dürfte sich geschmeichelt gefühlt haben. Was sie wohl 23 Jahre später dazu sagen würden? Ihre aktuelle Tour „Run for your lives“ habe ich mir zur Sicherheit schon 2025 auf der Waldbühne in Berlin angesehen – und würde es jederzeit wieder tun.
Ob mit Rage Against the Machine, Audioslave oder Prophets of Rage: Tom Morello ist Stammgast in Nürnberg. Diesmal zeigt er unter seinem eigenen Namen, was man aus einer Gitarre rausholen kann. Ein Pflichttermin! Gespannt bin ich auch auf den Auftritt der US-Band Magnolia Park. Deren Bassist Vinzent Ernst ist nämlich ein waschechter Nürnberger. Ein Heimspiel also für den 28-Jährigen, der früher als Fan das Festival besuchte und inzwischen selbst um die ganze Welt tourt.
Nach „Evil“ Jared Hasselhoff im Vorjahr und Finch, auch „David Hasselhoff des Ostens“ genannt, in diesem Jahr hätte ich da übrigens so eine Idee, welcher Hasselhoff 2027 sein überfälliges Rock-im-Park-Debüt geben sollte …
Stefan Besner
Rock im Park, Himmel. Wie bin ich hier nochmal gelandet? Ist das nicht diese Veranstaltung mit Schotten auf Rasen, die Enten am Teich füttern? Vielleicht trügen mich da auch meine Erinnerungen … Immerhin ist das letzte Mal schon ziemlich genau ein Jahr her. Von Krankheit gebeutelt und sintflutartigen Regenfällen gepiesackt, konnten mich damals weder Kälte noch Keime davon abhalten, für euch vor Ort zu berichten. Damit sich ein solches Szenario nicht wiederholt, habe ich mir dieses Jahr einen Plan zurechtgelegt: Seit Wochen weigere ich mich, den Wetterbericht zu verfolgen, ernähre mich ausschließlich von Actimel – und halte bis Freitag die Luft an. Ab jetzt. Wir sehen uns!
Katrin Wiersch
Ich musste lange in meinem Bildarchiv zurückscrollen, bis ich die letzten Bilder von Rock im Park und mir wieder gefunden habe. 2005 war ich das letzte Mal als Festivalbesucher dort. Das erste Mal 1995, als es noch im Münchner Olympiastadion stattfand.
Die Faszination rund ums Festival in Nürnberg ließ mich trotzdem nie los. Ob als Redakteurin vor Ort oder mit dickem Babybauch am Zaun, um Rise Against wenigstens hören zu können.
Jetzt bin ich wieder dabei, etwas älter aber nicht unbedingt leiser - und bin gespannt, welche Geschichten ihr mir erzählt und ob sich der Frontmann von Papa Roach, Jacoby Shaddix, immer noch das Mikro ans Hirn haut. Let there be rock!
Malina Dittrich
Auf Festivals gehöre ich traditionell zu der Sorte Mensch, die genau nicht das Nötigste dabeihat. Ich bin schon mit Plastiktüten in den Turnschuhen durch Matschlöcher gestapft, habe mich durch fremde Dosenravioli geschnorrt und so lange an Glücksrädern gedreht, bis endlich eine Sonnenbrille heraussprang. Dieses Jahr bei Rock im Park soll mal wieder alles anders werden – zumindest nehme ich mir das fest vor. Und falls doch wieder etwas schiefgeht: Einen Block, einen Stift und ein Handy habe ich auf jeden Fall dabei, um fleißig zu berichten und zu tickern.
Jannik Westerweller
Mein erst zweites Jahr im Ticker-Einsatz, trotzdem bin ich erfahrener Rock-im-Park-Gänger: Denn gerade in meiner Jugend war das Festival für mich das absolute Highlight des Jahres. Jetzt darf ich mich darauf freuen, an den Ort zurückzukehren, wo vor vier Jahren meine journalistische Karriere begonnen hat.
Mein Hauptaugenmerk in diesem Jahr sind die wichtigen Dinge im Leben - Musik, Menschen und merkwürdige Begegnungen auf matschigem Boden. Also: Wenn ihr einen Typen mit zerknittertem Notizbuch, fleckigem Shirt und dem fragenden Blick eines Mannes, der seit zwei Tagen kein Gemüse gesehen hat, durch die Menge torkeln seht – das bin ich.
Johannes Lenz
„Third time‘s a charm“, pflegt man in England zu sagen. Aha. Am Wochenende werde ich das Sprichwort auf seinen Wahrheitsgehalt überprüfen, denn in diesem Jahr bin ich zum dritten Mal für den VNP bei Rock im Park am Start. Meine Skepsis rührt ausschließlich daher, dass es die letzten beiden Jahre schon in sich hatten. Dabei durfte ich Billy Talent, Die Ärzte, Queens of the Stone Age, Green Day und Korn live erleben; mein 16-jähriges Ich wäre komplett hohlgedreht, auch Jahre später waren das unvergessliche Erlebnisse.
Kann es in diesem Jahr überhaupt besser werden? Kurzer Blick aufs Line-Up: Iron Maiden kommen. Irre. The Offspring, Mastodon, The Hives, auch nicht schlecht. Ok, das könnte sich tatsächlich ausgehen mit besagtem „charm“. Dafür würde ich mich sogar eine Woche lang von labbrigem Toast, Baked Beans und frittierten Mars-Riegeln ernähren.
Melanie Kunze
Hätte ich nicht „irgendwas mit Medien“ gemacht, hätte ich nach dem Studium sicher „irgendwas mit Kultur“ gemacht. Denn ich bin sowohl gern auf (Rock-)Konzerten als auch im Theater und in Opernhäusern. Nicht selten fahre ich für bestimmte Vorstellungen nach Wien, Berlin oder London.
Dass eines der größten Festivals in Deutschland, Rock im Park, direkt vor meiner Haustüre stattfindet, habe ich in den vergangenen Jahren immer privat genutzt. Heuer bin ich nun als Reporterin vor Ort und werde nicht nur tickern, sondern auch Texte für unser Medienhaus verfassen. Worauf ich mich besonders freue? Auf Iron Maiden. Für deren Auftritt sollte ich mir statt Opernglas und Fächer wohl besser Ohrstöpsel einpacken. Manchmal braucht selbst eine Opernliebhaberin ein bisschen Heavy Metal, Gitarrenwände und Pyro.
Thomas Correll
Anfangs war Hiphop meine Schiene. So haben sie mir damals auf dem Splash-Festival in die Schuhe geschifft, während ich im Zelt dämmerte – nicht auf Rock im Park. Mit RiP verbinde ich weniger einschneidende Erfahrungen, wobei ich immerhin mal Kiss live gesehen habe, Ende der Neunziger. Mittlerweile kann ich mit fast jeder Art von Musik etwas anfangen - außer mit den Red Hot Chili Peppers, aber die sind ja nicht da.
Am meisten freue ich mich auf Ecca Vandal (Geheimtipp), Iron Maiden (Legenden) und Tom Morello (Fuck you, I won’t do what you tell me!). Aber generell kann ich mir kaum etwas Schöneres vorstellen, als drei Tage lang durchgehend Konzerte zu besuchen und dabei von Halloumi-Wraps und Wodka-Eis zu leben.
Ein Spaß wird’s auf jeden Fall und ich bin sicher, unser kompetentes, gutaussehendes und kultiviertes Ticker-Team wird diesen Spaß auch für alle rüberbringen, die zuhause mitrocken. Wenn ich mir was wünschen darf: Keine Gewitter, bitte. Und dass mir niemand in die Schuhe schifft.













