Geheimtipps statt Bestsellerliste! Richtig gute Bücher für den Juni 2026
02.06.2026, 11:48 Uhr
Wo gibt es in Italien die besten Eisdielen? Was liebt Billie Eilish an Sylvia Plath und ihrem erschütternden Roman? Welche 30 Bücher bleiben vom 20. Jahrhundert? Fragen, die unsere Buchtipps für den Juni stellen - Viel Spaß beim Finden der Antworten!

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1/15 - Diesen Sommer sollen die Dreharbeiten beginnen, mit Superstar Billie Eilish in der Hauptrolle - und keine Frage: Der Film wird auch dem Buch wieder viele Leser bringen. So oder so ist "Die Glasglocke" (1963), der einzige Roman der Lyrikerin Sylvia Plath, längst ein Klassiker der amerikanischen Literatur. Am Anfang ungemein komisch, dann immer dunkler, ja drastisch schildert er autobiografisch, wie ein begabtes College-Girl in New York bei einer Frauenzeitschrift schreiben darf und das Leben in vollen Zügen genießen will - und dann doch in eine gefährliche Depression schlittert. Die französische Illustratorin Beya Rebai gibt dieser Neuausgabe mit ihren zauberhaften Pastellen schon einen Hauch von Kino... (Suhrkamp, 28 Euro) Wolf Ebersberger © Suhrkamp; Igor Ovsyannykov/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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2/15 - In Frankreich schlug der neue Roman von Karine Tuil wie eine Bombe ein. In "Die Liebeshungrigen" erzählt die 1972 geborene Autorin von der Liebe in den Sphären der Macht. Alle Protagonisten sind abgehoben: der ehemalige Staatspräsident, die Intellektuellen, die Schönen vom Film - Ähnlichkeiten mit lebenden Personen in Paris oder Cannes sind vielleicht nicht beabsichtigt, liegen aber auf der Hand. Tuil schreibt sich indiskret in diese Löwengrube, die mit dem alltäglichen Leben nichts zu tun hat, hinein. Dabei geht es ihr nicht um Voyeurismus, sondern um ethische Fragen. Die da oben erscheinen allesamt als kalte Machtmenschen: Wer sie liebt, muss wissen, dass er eines Tages ihrem Ehrgeiz zum Opfer fallen wird. (dtv, 25 Euro) Bernd Noack © dtv; Nathan Osman/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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3/15 - Ein gewaltiges Unterfangen: Anhand von nur 30 Werken will Edwin Frank herausfinden, was den Roman des 20. Jahrhunderts ausmacht. Wobei es durch die Querverweise dann natürlich viel mehr werden neben Kafka, Musil, Joyce. Die lebenslange Beschäftigung mit Literatur, die 15-jährige Arbeit an "Stranger than Fiction" schlägt sich in einer fast erschlagenden Fülle an Informationen nieder: Politische, gesellschaftliche, soziologische Aspekte werden genauso beleuchtet wie Leben und Werk der einzelnen Autoren. Interessant auch die subjektive Auswahl des US-Professors und sein erfrischend respektloser Blick auf etablierte Autoren wie Thomas Mann. Auf jeden Fall gibt er genügend Anregungen für weitere Lektüre. (C.H. Beck, 38 Euro) Anja Weigmann © C.H.Beck; congerdesign/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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4/15 - 1971 ist die Welt der Cohens in der Chicagoer Vorstadt noch in Ordnung. Wie viele Familien verbringen sie in Jami Attenbergs neuem Roman "Wir könnten alles sein" ihre Samstage mit Scrabblen. Die Töchter Nancy und Shelly ereifern sich im Buchstabenlegen, Mutter Frieda serviert dazu Popcorn und Vater Rudy will einfach nur die Freizeit genießen. Doch die Idylle trügt. Rudy hat den Holocaust überlebt, für ihn ist der Spieleabend ein Ritual, das ihm Normalität geben soll. Auf skurril-witzige Weise wird erzählt, wie das fragile Gefüge immer mehr auseinanderdriftet, als Erosion in großen zeitlichen und räumlichen Sprüngen. Im Zentrum dieses klug komponierten Romans stehen ohnehin einmal mehr die Frauen. (Schöffling, 25 Euro) Sharon Chaffin © Schöffling & Co.; Okan AKGÜL/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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5/15 - Wie sehr der österreichische Autor Thomas Bernhard auch weltweit wahrgenommen wird, zeigt diese ziemlich kecke Satire der jungen Amerikanerin Zoe Dubno: Für ihren Roman "Nur das Allerbeste" nahm sie einfach das berühmte, seinerzeit skandalöse Bernhard-Werk "Holzfällen" als Vorlage und überschrieb die Konstellation mit Blick auf die New Yorker Kunstszene der Gegenwart. Vor allem das steinreiche Angeber-Paar Eugene (der Fotograf!) und Nicole (die Kuratorin!), einst Gönner der Erzählerin, bekommen ihr Fett ab, wenn diese als Partygast angewidert auf dem weißen Leinensofa sitzt und in Gedanken Rache nimmt für all die Langeweile, Belästigung und ästhetische Geschmacklosigkeit, die sie abbekam... Prickelnd! (dtv, 24 Euro) Wolf Ebersberger © dtv; Andrzej/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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6/15 - Durchaus ein historischer Roman, doch wenn der Franzose Olivier Guez ein Thema anpackt, kann man sicher sein, dass er viel mehr als Fakten aneinanderreiht. Für "Die Welt in ihren Händen" hat er sich die frühe, heute weitgehend vergessene Orientreisende Gertrude Bell vorgenommen, die um 1900 herum wohl die mächtigste und einflussreichste Frau Mesopotamiens war, mit Staatsmännern verkehrte und das Volk verstehen wollte. Atmosphärisch dicht beschreibt Guez das Gebiet, das heute immer noch ein Krisenzentrum ist, und liefert dabei auch das Porträt einer außergewöhnlichen Frau, von der Lawrence von Arabien sagte, sie sei eine Tagträumerin gewesen. Aber, Achtung: "Das sind gefährliche Menschen...". (Kiepenheuer & Witsch, 25 Euro) Bernd Noack © Kiepenheuer & Witsch; Noel Bauza/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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7/15 - Es sind Gegensätze, die aufeinanderprallen: Da ist die vornehme Frau Sylvest, die mit ihren über 80 Jahren in einer Villa residiert. Und da ist ihre Gärtnerin Angelika, die schon mal im Gefängnis saß und von der Hausbesitzerin anerkennend "Fleur" genannt wird. "Das Haus mit den sieben Gärten" von der Frankfurter Autorin und Journalistin Elsemarie Maletzke entführt in eine verwunschene Welt. Fleur versteckt einen Schatz in der Außenanlage - doch sind ihr die Verfolger schon auf der Spur. Diese eigentümliche Lektüre entschleunigt und zieht einen in den Bann: Ein ungewöhnlicher Krimi mit ebenso exzentrischen wie wunderbaren Haupt- und Nebenfiguren! (Oktopus, 18,90 Euro) Sabine Ebinger © Oktopus; Alfred Derks/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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8/15 - Nicht immer nur Schoko-Vanille, bitte! Wie wäre es mal mit Zitronensorbet, aber von Wacholder verfeinert? Oder - eine Spezialität aus Kampanien - mit Eis aus Büffeljoghurt? Der Münchner Autor Peter Peter kennt sich aus mit dem auch in Deutschland so geliebten "Gelato" aus Italien und weiß in seinem gleichnamigen Büchlein gewohnt anregend (den Appetit allemal!) davon zu erzählen. Eine ganze Kulturgeschichte steckt hier in jeder Kugel, von der Antike bis in die Gegenwart, und für die nächste Reise nach Süden sind ausführlich einige ausgesuchte Eisdielen empfohlen, die man als Leckermaul nicht verpassen sollte... Allein in Rom gibt es ja 1400. (Wagenbach, 24 Euro) Wolf Ebersberger © Wagenbach; Sabine Lange/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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9/15 - Ihre Mitbewerber sehen eher aus wie Katzen, Hasen oder seltsame Vögel: Fräulein Feder, die Heldin dieser hinreißenden Graphic Novel, ist hingegen undefinierbar lang, dünn und mit einem Kopf wie eine Bratwurstzange aus Holz. Richtig zupacken kann sie dennoch nicht, und hat als arbeitslose Akademikerin auch gar nicht die Chance. Wie sie mit dem marktschreierischen "Projekt Traumjob" vom zuständigen Amt doch noch aktiv werden soll, davon erzählt die minimalistische Grafikerin Nele Jongeling mit viel absurdem und doch alltäglichem Witz in ihrem druckfrischen Buch "Ich will nicht arbeiten". Für Fans des im Juni laufenden Erlanger Comic-Salons Pflichtlektüre! (Reprodukt, 29 Euro) Wolf Ebersberger © Reprodukt; Jorge Gryntysz/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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10/15 - Eine Handlungsebene beginnt in den späten 1970er Jahren und setzt sich mit der untergehenden DDR auseinander, die andere spielt 2021/22 zwischen Corona-Krise und russischem Angriffskrieg auf die Ukraine. Lukas Rietzschel führt beide Dimensionen in seinem neuen Roman "Sanditz", benannt nach einer fiktiven ostdeutschen Kleinstadt, kunstvoll zusammen und erzählt einfühlsam aus dem Leben dreier Generationen. "Hier wartet niemand auf Sie, nicht einmal die Zukunft", lässt der Autor eine Figur über den Ort sagen. Uns indes erwartet ein sehr lesenswerter, von der Kritik zu Recht gefeierter Roman und gleich zu Beginn eine - im doppelten Wortsinn - fantastische Hommage an den Kinderbuchautor Otfried Preußler. (dtv, 26 Euro) Marco Puschner © dtv; Uwe Thiel/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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11/15 - Jan Jekal: Paranoia in Hollywood. Matthes & Seitz Berlin - Nur frei im Rahmen der Berichterstattung über die Buchvorstellung. © Matthes & Seitz; jesus manz/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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12/15 - "Für meine Familie – die vergangene, die gegenwärtige und die zukünftige" - ihr widmet die nordirische Autorin Maggie O'Farrell ("Hamnet") ihren wortgewaltigen Roman "Land". Im Jahr 1865, gezeichnet von der großen Hungersnot, kartieren Tomás und sein Sohn Liam im Auftrag der Regierung Irland. Das Erkundungsterrain wird mal zu einem mystischen, alles durch Natur verschlingenden Nicht-Ort, wenn sie in einem sagenumwobenen Hain fast ihr Leben verlieren. Mal zum Ort der Hoffnung, wenn Liam und seine Geschwister später über dem Ozean ihr Glück suchen. Auch in der deutschen Übersetzung ist jede sprachliche Nuance sorgsam ziseliert – eines solchen Familienepos mehr als würdig! (Piper, 26 Euro) Regina Heider © Piper; Herbert Bieser/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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13/15 - Karl Ove Knausgard begeistert seine Fans seit Jahren. Nun liegt Band 5 der Morgenstern-Reihe vor - benannt nach der norwegischen Kleinstadt "Arendal". Im Grunde beschreibt Knausgard nicht mehr als eine Nacht im Leben des Protagonisten Syvert Loyning. Der Geschäftsmann strandet im eiskalten Winter des Jahres 1976 wegen einer Autopanne und durchlebt in wenigen Stunden das Dilemma seines Lebens - hier die Familie, Frau und zwei Kinder, das bürgerliche Leben, dort Asja, Ärztin in der Sowjetunion, und die Liebe. Es ist der klassische Konflikt: Vernunft versus Gefühl. Für Knausgard-Fans angemessen kurz, für andere teils quälend lang. Am Ende, das sei verraten, trifft Syvert eine Entscheidung. Immerhin. (Luchterhand, 26 Euro) Michael Husarek © Luchterhand; Nicky/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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14/15 - Wunderbar altersmelancholisch schreibt Hans-Ulrich Treichel in seinem Roman "Das Karussell" (Suhrkamp, 25 Euro) über einen Mann am Ende seiner 70er Jahre, den es noch einmal nach Süditalien zieht, wo er einst als Dozent arbeitete. Das Wiedersehen mit den alten Bekannten, vor allem mit dieser einen Frau, mit der vielleicht eine Liebe möglich gewesen wäre, entpuppt sich dann aber doch als ein Abschiednehmen von Erinnerungen, Träumen und Sehnsüchten. Es ist der feine, lakonische typische Treichel-Ton, der hier in südlicher Landschaft flirrt, in dem Sinnesverwirrungen so behutsam erzählt werden wie auch leise Ahnungen der Zuneigung. Die letzten beiden Sätze drücken all das kurz aus: "Die Welt war komisch. Alles drehte sich." Bernd Noack © Suhrkamp; Salvatore Monetti/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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15/15 - Mord in der Inselidylle: Auf der schwedischen Insel Südkoster wird die Leiche eines jungen Mannes entdeckt – und eine norwegische Zeugin verschwindet kurz darauf. Die Ermittlerin Vega Varg, deren zwei Söhne ebenfalls bei der Polizei arbeiten, übernimmt den Fall, der sich als schwierig gestaltet und sie zunehmend an den ungelösten Mord an ihrem eigenen Mann erinnert. Das Rezept von Asa Hellberg für "Vega Varg – das Schweigen der Insel" geht auf. Man nehme: eine idyllische skandinavische Landschaft, eine eigenwillige wie sympathische Polizistin, ein dunkles Familiengeheimnis – die perfekten Zutaten für einen gelungenen Pageturner! Das Beste: Man darf sich schon auf den nächsten Band der neuen Krimireihe freuen. (Heyne, 17 Euro) Sabine Ebinger © Heyne; Klaus Reiser/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid
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