
„Es geht doch nur um eines“, betonte der Weltmeister von 1990 bei seinem Gastauftritt im Video-Podcast „Studio Blau-Gelb“. Für den einstigen Mittelfeldspieler steht fest, dass die zweithöchste deutsche Spielklasse kaum ausrechenbar ist: „In dieser Liga kann man aufsteigen, auch wenn man nicht zum Favoritenkreis gehört. Das hat man gesehen in den letzten Jahren. Es ist eine ganz bunte Liga, ganz kompliziert und teilweise auch nicht nachvollziehbar“, bilanzierte Matthäus und verwies auf die Fälle Düsseldorf, Elversberg und Paderborn.
Während etwa dem Fußball-Zwerg Elversberg die ganz große Überraschung glückte, musste mit Fortuna Düsseldorf ein großer Traditionsverein den schweren Gang in Liga drei antreten. In den 60er- und 70er-Jahren spielten die Rheinländer noch häufig im Oberhaus. „Ich bin mit dieser Tradition groß geworden“, erinnerte sich der Weltfußballer von 1991 an die verschiedenen Titelträger von damals zurück: „Nürnberg ist 1968 Meister geworden und ein Jahr danach abgestiegen. Das war meine Kindheit und natürlich verfolgst du dann diese Traditionsklubs.“
Was machen die Traditionsvereine falsch?
Eine Frage allerdings treibt den 65-Jährigen um: Was sind die Gründe dafür, dass viele Kultvereine weniger erfolgreich sind als die Kontrahenten an „kleineren“ Standorten? „Mein Herz schlägt schon ein bisschen mehr für die Tradition, aber oft steht sich die Tradition selbst im Weg und blockiert den eigenen Erfolg“, konstatiert die Mittelfeld-Legende. „Wenn man dann sieht, dass Paderborn und Elversberg in die erste Liga aufsteigen, dann muss ja bei den Traditionsklubs mit größeren Stadien und einem größerem Budget irgendetwas falsch gemacht werden. Oder machen die anderen alles richtig?“, spricht der einstige Weltklasse-Akteur einen heiklen Punkt an.
Tatsächlich wird den Vereinen, die auf eine besonders bewegte Historie zurückblicken können, häufig nachgesagt, zu sprunghafte Entscheidungen zu fällen. Kurz gesagt: Es wird nicht gut genug gearbeitet. Dieses Urteil schien sich lange Zeit auch beim Blick nach Nürnberg zu bestätigen, wo Personal und Strategie regelmäßig umgeworfen wurden. Am Valznerweiher allerdings kündigt sich seit den Anstellungen von Joti Chatzialexiou und Miroslav Klose eine Trendwende an. Diese dürfte auch den gebürtigen Mittelfranken Matthäus beruhigen.