
Die Kriminalpolizei Nürnberg hat eine neue Ermittlungskommission gegründet, um Sexualdelikte gegen Mädchen und junge Frauen sowie die Abgabe von Drogen und Medikamenten an Minderjährige im Umfeld des Hauptbahnhofs zu bekämpfen. In diesem Zusammenhang nahm die Polizei am Mittwoch (27.05.2026) zwei Männer fest.
Die Nürnberger Innenstadt und das Umfeld des Hauptbahnhofs sind seit Jahren im Fokus der Polizei und ihrer Sicherheitspartner. Durch gezielte Schwerpunkteinsätze, die Einrichtung von Ermittlungskommissionen und Arbeitsgruppen sowie einer Erweiterung der Videoüberwachung wird mit großem Aufwand gegen die Kriminalität vorgegangen. Dabei ergaben sich zuletzt Hinweise, dass hier junge Mädchen offenbar gezielt von Mitgliedern der Drogenszene angegangen werden.
Wer sind die Täter, wer die Opfer?
Bei den Tätern handelt es sich laut Polizei überwiegend um Männer mit syrischer, pakistanischer und nordafrikanischer Herkunft. Die meist minderjährigen Mädchen stammen aus prekären Verhältnissen und sollen sich wohl regelmäßig im Bereich des Nelson-Mandela-Platzes oder des näheren Umfeldes aufhalten.
Die Männer sollen die Mädchen zunächst umwerben und ihnen anschließend teils harte Drogen wie Crystal Meth geben. Die daraufhin entstandene Abhängigkeit nutzen die Täter dann offenbar gezielt aus. Weitere Betäubungsmittel sollen die Mädchen nur noch als Gegenleistung, etwa für sexuelle Handlungen, erhalten und sich somit zum Teil prostituieren. Es besteht der Verdacht, dass sich in diesem Zusammenhang auch sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen zugetragen haben, wie das Polizeipräsidium Mittelfranken mitteilt.
Wer wurde festgenommen?
Bislang gelang es, zehn Personen zu identifizieren. Gegen vier Personen wird unter anderem wegen des Verdachts auf Handel mit Betäubungsmitteln, Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige und Sexualdelikten ermittelt. Demnach befindet sich ein 23-jähriger syrischer Staatsangehöriger bereits in Untersuchungshaft. Gegen zwei Männer, welche sich derzeit auf der Flucht befinden (ein 22-jähriger Syrer und ein 25-jähriger Staatenloser), erließ ein Ermittlungsrichter Haftbefehle. Zudem wird gegen einen 18-jährigen pakistanischen Staatsangehörigen wegen den genannten Vergehen ermittelt.
Die neue Ermittlungskommission
Um diesen Delikten entgegenzutreten und die bisherigen Ermittlungen effektiv zu bündeln, bildete die Nürnberger Kriminalpolizei die Ermittlungskommission „EKO Kajal“. Diese nahm am 18.05.2026 ihre Arbeit auf und agiert nun in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth sowie den Kooperationspartnern der Stadt Nürnberg.
Ziel der Ermittlungen ist die Identifizierung der Tatverdächtigen, das Erwirken von Haftbefehlen sowie die Prüfung und Einleitung aufenthaltsbeendender Maßnahmen. Zudem werden in Absprache mit den Jugendbehörden präventive Maßnahmen durchgeführt.
Zwei neue Festnahmen
Die neue Ermittlungskommission hat nun einen 22-jährigen Syrer ins Visier genommen. Der Mann wird verdächtigt, zurückliegend eine Minderjährige in seiner Wohnung in Nürnberg vergewaltigt und ihr darüber hinaus ein verschreibungspflichtiges Schmerzmittel verabreicht zu haben. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth durchsuchten Einsatzkräfte der Polizei am Mittwoch (27.05.2026) die Wohnung des Tatverdächtigen. Dort stellten die Beamten entsprechende Medikamente und synthetische Drogen sicher. Die Staatsanwaltschaft stellte Haftantrag gegen den Mann. Im Rahmen der Vorführung erließ das Amtsgericht Nürnberg zwischenzeitlich einen Untersuchungshaftbefehl gegen ihn.
In der betroffenen Wohnung nahmen die Polizeibeamten außerdem einen 35-jährigen Syrer fest. Der Mann führte ein Gemisch aus Kokain und Amphetamin mit sich. Außerdem ergab eine Überprüfung, dass gegen ihn in anderweitiger Angelegenheit bereits ein Haftbefehl bestand. Die Beamten nahmen den Mann fest und brachten ihn in eine Justizvollzugsanstalt.
Unabhängig von diesen beiden Festnahmen laufen die Ermittlungen der „EKO Kajal“ und der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth zur Bekämpfung der im Nürnberger Bahnhofsumfeld erkannten Entwicklungen weiter.
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