Nürnberg - Es klingt unglaublich, kann dir aber im Extremfall zum Verhängnis werden. Experten warnen davor, deine Hände im Netz zu posten - was hinter diesem Hinweis wirklich steckt. Auch die Polizei in Bayern warnt mittlerweile.

Es gehört mittlerweile zu unserem (digitalen und modernen) Leben wie das Zähneputzen am Morgen: Urlaubsbilder, die im Netz geteilt werden. Was als liebgemeinter Gruß an Freunde oder die Familie gedacht ist, kann jedoch im Extremfall auch großen Schaden anrichten.

Denn: Wer seine Hände mit auf das Bild packt, der könnte Betrügern zusätzlich Tür und Tor öffnen. Was zunächst einmal irre klingt, hat einen durchaus ernsten Hintergrund. Deshalb warnen mittlerweile sogar Sicherheitsforscher davor, die eigenen Hände im Netz zu posten. Grund: KI und moderne Bildbearbeitung können aus dem Material Fingerabdrücke sichtbar machen. Beispielsweise mit Hilfe eines 3D-Druckers.

Vor diesen Detailaufnahmen warnen Sicherheitsexperten besonders

Sind Hände oder die Fingerkuppen zu erkennen und dazu noch Licht und Perspektive der Fotos entsprechend hochwertig, können sogar die winzigsten Linienstrukturen sichtbar gemacht werden. Aber auch bei Fotos, die nicht hochauflösend daherkommen, können Betrüger durch moderne Technik im schlimmsten Falle noch etwas Verwertbares herausholen, berichtet der BR in diesem Zusammenhang weiter. So warnen Sicherheitsexperten davor, vor allem Fotos zu teilen, in denen man einen Daumen nach oben oder das „Peace“-Zeichen in die Kamera hält.

Zur Wahrheit gehört an dieser Stelle auch: Ein einziges Foto reicht meist nicht aus, um direkt großen Schaden anrichten zu können. Je mehr Aufnahmen sich aber in einem Profil finden lassen, desto besser lässt sich buchstäblich ein Finger-Puzzle Teil für Teil zusammensetzen.

In der heutigen Zeit nutzen Banken mittlerweile Fingerabdrücke, um sich auf dem Smartphone beispielsweise einloggen oder eine Transaktion verifizieren zu können. Gelangen Kriminelle an diese Fingerabdrücke, könnten sie - rein theoretisch - Konten komplett leerräumen. Das große Problem: Ist ein Fingerabdruck einmal „geklaut“, lässt sich dieser nicht einfach wieder wie ein Passwort ändern oder zurücksetzen.

Zwei Beispiele aus der Vergangenheit machten Schlagzeilen - noch lange vor KI

Meist verlangen Unternehmen heutzutage jedoch auch mehrere Verifizierungsstufen - auch, um derartigen digitalen Diebstählen Einhalt zu gebieten. Trotzdem solltest du biometrische Daten nie zu leichtfertig der Öffentlichkeit Preis geben. Je besser die KI-Bildbearbeitung wird, desto wichtiger werde auch der bewusste Umgang mit Fotos im Netz, mahnt der BR einmal mehr in diesem Zusammenhang. Zudem blickt das Online-Medium auf folgende zwei Vorfälle aus der Vergangenheit zurück:

Bereits vor Jahren machten Meldungen Schlagzeilen, dass Aktivisten den Fingerabdruck des damaligen Innenministers Wolfgang Schäuble „geklaut“ hatten. Man habe diesen aus einem zuvor benutzten Wasserglas gewinnen können, legten die Verantwortlichen damals offen. Man wolle dadurch zeigen, wie leicht sich Fingerabdrücke „klauen“ lassen - das geschah noch lange vor dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Jahre 2008.

Sechs Jahre später - 2014 - rekonstruierte der deutsche Hacker Jan Krissler dann auch den Fingerabdruck der früheren deutschen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Laut eigenen Angaben hätten damals Pressefotos aus wenigen Metern Entfernung ausgereicht, die offiziell von Behörden zuvor geteilt worden seien.

Diese Einstellung auf deinem Smartphone solltest du unbedingt kennen

Sollte man nun gänzlich auf das Posten im Netz verzichten? Selbstverständlich musst du nicht direkt in Panik ausbrechen, wenn du einen Schnappschuss im Netz teilst. Trotzdem solltest du immer genau überlegen, was du wie von dir und deinem aktuellen Standort freigibst. Auch ist es ratsam, in den jeweiligen App-Einstellungen genau festzulegen, wer deine Beiträge sehen kann. Lege beispielsweise fest, dass nur Personen, die du selbst vorher aktiv freigegeben hast, deine Bilder auch ansehen können.

Sein Profil immer komplett öffentlich für alle Menschen zu halten, könnte im Extremfall ein erhöhtes Sicherheitsrisiko für dich und deine eigenen Daten darstellen.

Um komplett auf Nummer sicher zu gehen, solltest du auch folgende Dinge unbedingt beachten:

Hände und Finger nicht in hoher Auflösung frontal zeigen

Nahaufnahmen vermeiden

sensible Bildbereiche unscharf machen

biometrische Verfahren möglichst zusätzlich mit PIN oder Passwort absichern

Auch Polizei in Bayern warnt - aus ganz anderem und simplen Grund

Parallel dazu warnt die Bayerische Polizei übrigens noch aus einem ganz anderen Grund vor Urlaubsbildern. So signalisiere man potenziellen Einbrechern ganz simpel, dass man derzeit nicht zu Hause ist und die eigenen vier Wände komplett leer stehen. So würden Kriminelle immer häufiger auch bewusst Accounts im Netz beobachten und ihre Vorbereitungen starten, wenn man merke, dass Menschen ihre Koffer gerade für einen Urlaub packen. Rein sicherheitstechnisch - so die Polizei in einem Beitrag weiter - sei es deshalb ratsam, Bilder erst im Nachhinein zu posten, wenn du wieder sicher zu Hause angekommen bist. Werden Schnappschüsse noch während der laufenden Reise gepostet, gilt auch hier: Lieber nur für Freunde sichtbar und nicht für alle öffentlich posten. Zudem gibt die Polizei auch noch folgende Hinweise mit auf den Weg, die helfen können, nicht in den Fokus von Kriminellen während des Urlaubs zu geraten:

Öffentlichkeit

Keine Abwesenheitsnotizen auf dem Anrufbeantworter oder in sozialen Medien hinterlassen.

Briefkasten

Bitte Nachbarn, die Post zu leeren. Ein überquellender Kasten ist ein klares Signal.

Beleuchtung

Nutze Zeitschaltuhren für Licht und gegebenenfalls Rollläden (nicht dauerhaft geschlossen halten!).

Sicherung

Fenster, Balkon- und Terrassentüren nicht nur zuziehen, sondern verschließen.

Nachbarschaft

Informiere Vertrauenspersonen. Eine aufmerksame Nachbarschaft ist der beste Schutz.

Prominentes Beispiel zeigt erschreckenden Vorfall: Schaden von einer halben Million Euro

Ein prominentes Beispiel von vor drei Jahren zeigt, wie schnell es im Extremfall gehen kann. So brachen Diebe im Juli 2023 in die Hamburger Wohnung von Sylvie Meis ein. Die Moderatorin befand sich zu diesem Zeitpunkt gerade mit ihrem Sohn im Urlaub auf Ibiza. Kriminelle entwendeten damals unter anderem Luxus-Handtaschen im Wert von einer halben Million Euro. Bis unmittelbar vor der Tat postete Meis zahlreiche Beiträge im Netz, die sie mit ihrem Sohn auf der Sonneninsel zeigten. Heißt im Klartext auch: Die Kriminellen konnten quasi Schritt für Schritt live mit verfolgen, dass sich Meis tausende Kilometer von zuhause entfernt aufhielt und die eigenen vier Wände damit logischerweise komplett leer stehen müssen. Deswegen war es wohl alles andere als Zufall, dass sich die Diebe ausgerechnet diesen Zeitraum für ihren Raubzug ausgesucht hatten. Konnte man sich durch die Bilder ja sicher sein, dass sich die Beklaute selbst nicht in den Räumlichkeiten aufhalten könne.