Nürnberg - Stundenlang steht ein Regionalzug der Deutschen Bahn zwischen München und Nürnberg still. Die Klimaanlage funktioniert nicht, Infos sind Mangelware - und unsere Redakteurin ist mittendrin. Chronik einer Tour de Force.

Dass bei der Deutschen Bahn gelegentlich nicht alles nach Plan läuft, ist ein Euphemismus fürs Abstellgleis. Was unsere Redakteurin zusammen mit den rund 300 anderen Fahrgästen in einem Regionalzug von München nach Nürnberg durchmachen musste, ist allerdings selbst für Bahnverhältnisse harter Tobak. Stundenlang steht der Zug in der prallen Sonne. Die Evakuierten werden schließlich auf einer Wiese untergebracht. Ein gewaltiges Aufgebot an Rettungskräften rückt aus. Zelte werden aufgebaut. Bis in die Nacht hinein bleibt die Lage unklar.

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Der Zug ist in Oberbayern liegengeblieben. © Johanna Michel

Bahnreisende harren stundenlang in aufgeheiztem Zug aus

Mit 15 Minuten Verspätung fuhr der Regionalzug RE1 (4028) um 16.24 Uhr von München ab. Planmäßige Ankunft in Nürnberg sollte laut Deutscher Bahn 17.53 Uhr sein. Eigentlich. Wie unsere Redakteurin berichtet, blieb der Zug jedoch um kurz nach 17 Uhr zwischen Denkendorf und Appertshofen plötzlich stehen. Informationen, wann es weitergehen solle oder ob, gab es keine. Im hinteren Teil des Regionalzuges, wo sich unsere Redakteurin aufhielt, gab es zudem keine Durchsagen. Laut bahn.de handelt es sich um eine „Technische Störung am Zug“.

Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur äußerte sich eine Bahnsprecherin am Abend und bestätigte: „Der Zug blieb aufgrund einer technischen Störung außerhalb des Bahnhofs stehen.“

Ob die technische Störung auch für den Ausfall der Klimaanlage im gesamten Zug verantwortlich ist, ist nicht bekannt. Die Pressestelle der Deutschen Bahn war nicht besetzt und konnte somit nicht für ein Statement zurate gezogen werden. In jedem Fall mussten die Zugreisenden gut zwei Stunden in dem in der prallen Sonne stehenden, sicht stetig weiter aufheizenden Zug ausharren. Um 16 Uhr lagen die Temperaturen in Denkendorf laut wetter.de bei 29 Grad im Schatten.

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Um 16 Uhr lagen die Temperaturen in Denkendorf laut wetter.de bei 29 Grad im Schatten. © Johanna Michel

Zug offiziell „evakuiert“

Erst um circa 19.15 Uhr traf die Feuerwehr ein und öffnete die Türen, sodass die Fahrgäste aus den Waggons aussteigen konnte. Auf Nachfrage unserer Redakteurin erklärte ein Feuerwehrmann, sie seien erst zehn Minuten zuvor verständigt worden.

Der Zug wird inzwischen offiziell als evakuiert deklariert. Wie es nun weitergeht, war zu diesem Zeitpunkt für die gestrandeten Passagiere nicht ersichtlich. Klare Ansagen - Fehlanzeige. Erst allmählich sickerten Informationen durch, denen zufolge wohl Busse als Ersatzverkehr für den Transport nach Nürnberg organisiert würden, ältere Personen und Familien mit Kindern sollten priorisiert behandelt werden.

Rettungsdienst im Großeinsatz - „hier werden jetzt wohl Zelte aufgebaut“

Der Rettungsdienst war mit einem Großaufgebot vor Ort. Wie unsere Redakteurin mitteilte, wurden immer Menschen, die den Strapazen nicht mehr gewachsen waren, in Krankenwagen abtransportiert. Alle anderen Bahnreisenden warten auf einer Wiese nahe der Gleise, wo der Zug stehenblieb - mehr als drei Stunden nach der offiziellen Ankunftszeit (laut Website inzwischen mit 21.51 Uhr angegeben, wozu es nicht mehr kommen sollte) war die Lage noch immer unübersichtlich, der Verbleib der übrigen Fahrgäste nicht geklärt. Zwischenzeitlich war sogar die Rede von Zelten, die behelfsmäßig errichtet werden sollten.

„Hier werden jetzt wohl Zelte aufgebaut, weil ‚es noch dauern kann‘, bis wir abgeholt werden“, so unsere Redakteurin vor Ort um 21.21 Uhr.

Eine halbe Stunde später, um 21.51, exakt zu der Zeit, die der Regio nach eingerechneter Verspätung von rund vier Stunden in Nürnberg hätte eintreffen sollen, saß unsere Redakteurin gemeinsam mit anderen leidgeplagten Passagieren letztlich in einem Bus gen Heimat. Um etwa 23 Uhr traf sie in Nürnberg und damit beinahe fünf Stunden nach DB-Fahrplan in Nürnberg ein.

Zugausfälle und Verspätungen auch am Pfingstmontag

Mittlerweile sei die Strecke zwischen Ingolstadt Hbf und Nürnberg Hbf wieder freigegeben, hieß es am späten Abend weiter von der Bahn. „Es ist aber noch immer mit Verspätungen, Umleitungen sowie Zugausfällen zu rechnen. Wir bedauern die Unannehmlichkeiten sehr“, sagte die Sprecherin.

Auch am Pfingstmontag ist der Zugverkehr auf der Strecke München Hbf - Nürnberg Hbf noch beeinträchtigt.

Folgende Züge zwischen München Hbf und Nürnberg Hbf entfallen am Montag komplett:

Richtung München Hbf:

  • RE 4025 Nürnberg Hbf Abfahrt 14.06 Uhr München Hbf Ankunft 15.53 Uhr
  • RE 4033 Nürnberg Hbf Abfahrt 18.05 Uhr München Hbf Ankunft 19.56 Uhr

Richtung Nürnberg Hbf:

  • RE 4016 München Hbf Abfahrt 12.05 Uhr - Nürnberg Hbf Ankunft 13.53 Uhr
  • RE 4028 München Hbf Abfahrt 16.09 Uhr - Nürnberg Hbf Ankunft 17.53 Uhr
  • RE 4042 München Hbf Abfahrt 20.13 Uhr - Nürnberg Hbf Ankunft 21.53 Uhr