
Mit Kleidung, Kosmetika und Zuneigung sollen Männer laut Ermittlungen der Polizei junge, teils minderjährige Mädchen in der Nürnberger Innenstadt angelockt und sie in eine Abhängigkeit versetzt haben. Die Nürnberger Kriminalpolizei hat nun eine eigene Ermittlungskommission ins Leben gerufen.
Die Ermittlungen gehen auf intensive Schwerpunkteinsätze der Polizei im Bereich der Nürnberger Innenstadt und rund um den Hauptbahnhof zurück. Dabei verdichteten sich Hinweise, dass Angehörige der Betäubungsmittelszene gezielt mit jungen Mädchen in Kontakt traten, vor allem am Nelson-Mandela-Platz sowie im Bereich des Südstadt- und Celtisparks.
Die Mädchen kämen laut Polizei überwiegend aus schwierigen Familien- und Wohnverhältnissen und würden sich regelmäßig in diesen Bereichen aufhalten. Die Männer sollen sie zunächst mit Aufmerksamkeit und Geschenken umworben haben, bevor sie ihnen teils harte Drogen wie Crystal Meth gaben. Die daraus entstandene Sucht nutzten die Verdächtigen dann offenbar gezielt aus: Weitere Drogen soll es nur noch als Gegenleistung für „sexuelle Handlungen oder andere Dienstleistungen“ gegeben haben, wie es in dem Pressebericht weiter heißt. Es bestehe außerdem der Verdacht, dass es dabei auch zu sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen gekommen sei, so die Polizei.
Erst Vertrauen, dann Drogen: Vier Männer im Visier der Ermittler
Bislang konnte die Polizei zehn Personen identifizieren. Gegen vier von ihnen wird wegen des Verdachts des Drogenhandels, der Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige sowie wegen Sexualdelikten ermittelt. Ein 23-Jähriger befindet sich bereits in Untersuchungshaft. Gegen zwei weitere Männer, die sich derzeit auf der Flucht befinden, erließ ein Ermittlungsrichter Haftbefehle. Zudem wird gegen einen 18-Jährigen ermittelt.
Um die Ermittlungen zu bündeln, gründete die Nürnberger Kriminalpolizei am Montag, den 18. Mai 2026, die Ermittlungskommission „EKO Kajal“. Sie arbeite in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth sowie Kooperationspartnern der Stadt Nürnberg, teilte die Polizei mit. Ziel sei es, weitere Tatverdächtige zu identifizieren, Haftbefehle zu erwirken und aufenthaltsbeendende Maßnahmen zu prüfen.
Parallel dazu sollen in Absprache mit den Jugendbehörden präventive Maßnahmen anlaufen, darunter gezielte Aufklärungsarbeit, um zu verhindern, dass weitere Mädchen in ähnliche Abhängigkeiten geraten.
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