
Wer dieser Tage durch die Nürnberger Innenstadt läuft, braucht starke Nerven: In der Königstraße wird seit Monaten gebuddelt, die Lorenzer Passage ist seit über einem Jahr Richtung Hauptmarkt dicht, in der Breiten Gasse laufen weiterhin Bauarbeiten, und auch der Hallplatz wird umgestaltet. Und jetzt kommt die nächste Meldung: Der traditionsreiche Wochenmarkt auf dem Hauptmarkt zieht um – für mehrere Jahre.
Der Hauptmarkt steckt schon seit geraumer Zeit in der Zange mehrerer Großbaustellen. Die Umgestaltung des benachbarten Obstmarkts – eines der größten Stadtentwicklungsprojekte der jüngeren Nürnberger Geschichte – ist nach derzeitigem Stand frühestens in drei Jahren abgeschlossen. Das Projekt sieht unter anderem vor, den Obstmarkt zu einem eigenständigen Platz mit großzügigen Fußgänger- und Aufenthaltszonen, vielen Bäumen und Grünflächen umzugestalten. Diese Bauarbeiten wirken sich direkt auf den Hauptmarkt aus: Weil Leitungen unter dem Platz verlaufen, die im Zuge der Sanierung erneuert werden müssen.
Konkret hat die N-Ergie Netz GmbH bereits Mitte April mit der Erneuerung von Stromkabeln und der Wasserversorgungsleitung entlang der Südseite des Hauptmarkts begonnen. Im gleichen Zuge werden auch Fernmeldekabel verlegt. Die Bauzeit beträgt voraussichtlich zwei bis drei Monate – eine genaue Vorhersage zum Ende sei jedoch erst im Laufe der Arbeiten möglich, da die Dauer von den örtlichen Gegebenheiten abhängt. Bereits im Juni 2025 starteten die umfangreichen Kanalarbeiten am Obstmarkt.
Die Marktleute bekommen all das zu spüren. Lärm, Schmutz und Umsatzrückgänge machen ihnen zu schaffen. Dazu kommt: Seit über einem Jahr ist der Ausgang der Lorenzer Passage in Richtung Hauptmarkt geschlossen – ein Teil der Laufkundschaft bleibe seitdem aus. Die Händler fordern deshalb schon länger eine Verlegung des Markts.
Nürnberger Wochenmarkt zieht in die Königstraße
Und genau das passiert jetzt. Nach Jahrzehnten am Hauptmarkt gibt die Stadt damit dem ausdrücklichen Wunsch der Marktkaufleute nach – und verlegt den Wochenmarkt längerfristig in die Fußgängerzone. Künftig erstreckt sich der Markt entlang der Königstraße von der Museumsbrücke bis zur Klarakirche. Dort soll er bis zum Ende der Bauarbeiten am Obstmarkt bleiben – aktuell auf Sommer 2029 geschätzt.
Nach der nächsten Verlegung – voraussichtlich wegen des Metropolmarathons am 13. und 14. Juni – kehrt der Wochenmarkt nicht mehr an seinen bisherigen Standort zurück. Stattdessen beginnt der Umzug in die Fußgängerzone. Bis alle Stände ihren endgültigen Platz erhalten, werde jedoch noch einige Zeit vergehen, so die Stadt. Ein genaues Enddatum stehe deshalb noch nicht fest.
Mit dem neuen Standort gehen auch Änderungen bei der Aufstellung der Marktstände einher. Ziel sei es laut Stadt, die Schaufenster des ansässigen Einzelhandels frei zugänglich und sichtbar zu halten. Bereits vorhandene Einzelstände in der Fußgängerzone, die klassisches Wochenmarktsortiment wie Obst und Gemüse anbieten, sollen in den neuen Markt integriert werden. Für andere Nutzungen, die nicht zum Wochenmarktkonzept passen, werden alternative Standorte außerhalb der Marktflächen gesucht.
Stadt sieht neue Lösung als Gewinn für alle
Wirtschafts- und Wissenschaftsreferentin Andrea Heilmaier zeigte sich bei der Bekanntgabe zufrieden: „Das überarbeitete Konzept für die Verlegung des Wochenmarkts berücksichtigt die Belange der Marktkaufleute ebenso wie die des Einzelhandels und der Besucherinnen und Besucher – eine ausgewogene Lösung, von der alle profitieren.“ Der Wochenmarkt soll ein fester Bestandteil des städtischen Lebens in Nürnberg bleiben – als Anlaufpunkt für frische, regionale Produkte mitten in der Altstadt.