Nürnberg - Die Gewerkschaft Verdi hat Beschäftigte aus über 130 Betrieben in Bayern zum Streik aufgerufen. In Nürnberg findet heute eine zentrale Kundgebung statt - was Kundinnen und Kunden heute erwartet.

Der Handel streikt – und Nürnberg steht heute im Zentrum der Proteste. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) hat Beschäftigte aus über 130 Betrieben in ganz Bayern für Donnerstag, den 21. Mai 2026, zum Ausstand aufgerufen. Das geht aus einer Pressemitteilung von Verdi hervor. Betroffen sind Betriebe in allen Regierungsbezirken. Zu den bestreikten Unternehmen zählen unter anderem Edeka, H&M, Ikea, Kaufland, Lidl, MediaMarkt, Rewe, Penny und Zara.

Demo und zentrale Kundgebung in Nürnberg

Die Streikenden reisen laut Verdi mit über 45 Bussen aus ganz Bayern zu einer zentralen Kundgebung nach Nürnberg an. Diese beginnt um 11 Uhr und endet gegen 12 Uhr. Ab 12 Uhr ist ein Demonstrationszug durch die Nürnberger Innenstadt geplant.

Einschränkungen für Kundinnen und Kunden möglich

Durch die Streikaktionen kann es laut Verdi zu Einschränkungen im Service, in der Belieferung und der Warenbereitstellung der betroffenen Unternehmen kommen. Kundinnen und Kunden müssen also damit rechnen, dass etwa Kassen schlechter besetzt sind, Regale langsamer aufgefüllt werden und Lieferungen oder Bestellungen später ankommen. Die Gewerkschaft bittet Kundinnen und Kunden um Verständnis. Ziel der Aktionen seien die Arbeitgeber, nicht die Kundschaft.

„Das Verhalten der Arbeitgeber ist unverschämt“

Auslöser der Streiks sind die stockenden Tarifverhandlungen. Seit April werden in Bayern eigenständige Tarifverhandlungen für die Beschäftigten im Einzel- und Versandhandel, im Groß- und Außenhandel sowie im genossenschaftlichen Großhandel geführt. Die Arbeitgeber hätten die Forderungen nach mehr Entgelt abgelehnt und dabei kein eigenes Angebot zur Entgelterhöhung vorgelegt, so Verdi. Anfang Mai war die erste Verhandlungsrunde in München ohne Ergebnis zu Ende gegangen.

„Das Verhalten der Arbeitgeber ist unverschämt“, wird Thomas Gürlebeck, Verdi-Verhandlungsführer im bayerischen Handel, in der Pressemitteilung zitiert. Er verweist auf stark gestiegene Lebenshaltungskosten bei Mieten, Lebensmitteln, Energie und Mobilität: „Die immer weiter steigenden Umsätze und hohen Gewinne bei den Konzernen werden vielfach durch massive Preiserhöhungen erzielt. Für die Beschäftigten eine dramatische Entwicklung, die mittlerweile existenzbedrohend ist.“

Das fordert Verdi für die Beschäftigten

Für die Beschäftigten im bayerischen Einzelhandel verlangt Verdi eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 222 Euro pro Monat sowie eine Anhebung der Ausbildungsvergütungen um 150 Euro. Zudem soll ein rentenfestes Mindesteinkommen von 14,90 Euro pro Stunde für untere Beschäftigtengruppen eingeführt werden. Die Tarifverträge sollen eine Laufzeit von zwölf Monaten haben.

Im Groß- und Außenhandel fordert die Gewerkschaft eine tabellenwirksame Erhöhung der Entgelte um sieben Prozent. Rückenwind erhalten die Forderungen durch eine Beschäftigtenbefragung: Laut Verdi gaben 73 Prozent der rund 4000 Befragten im Einzelhandel an, Probleme zu haben, mit ihrem Gehalt den Lebensunterhalt zu bestreiten. 88 Prozent gehen demnach davon aus, dass ihre Rente sie nicht vor Altersarmut schützt.

Auf die Forderungen von ver.di reagierte Melanie Eykmann, Tarifgeschäftsführerin des Handelsverbands Bayern, mit Skepsis: „Die Forderungen von Verdi gehen weit über das hinaus, was der Einzelhandel derzeit verkraften kann.“ Viele Betriebe stünden unter erheblichem Druck – durch schwache Umsätze, steigende Kosten und eine anhaltende Kaufzurückhaltung. Der Verband kündigte an, in den kommenden Verhandlungen auf einen verantwortungsvollen Abschluss hinarbeiten zu wollen, der faire Einkommen und die Sicherung von Arbeitsplätzen in Einklang bringen solle. Die nächsten Verhandlungstermine: Im Großhandel geht es am 22. Mai weiter, im Einzelhandel am 16. Juni.