Nürnberg - Die Besetzung des zentralen Mittelfelds ist seit Jahren einer der größten Streitpunkte rund um das DFB-Team. Ausgerechnet ein ehemaliger Nürnberger könnte sich jedoch als Problemlösung erweisen.

Längst wirft die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko ihre Schatten voraus. Am Donnerstagmittag will Bundestrainer Julian Nagelsmann das Aufgebot für die nahende Endrunde bekanntgeben - schon vorab allerdings sind zahlreiche Personalentscheidungen durchgesickert. Nachdem Kopfballungeheuer Niclas Füllkrug nach „Sky“-Informationen leer ausgeht, wird übereinstimmend berichtet, dass ein anderer Ex-Nürnberger die Reise über den Atlantik antreten darf: Nathaniel Brown.

Der gelernte Linksverteidiger auf rechts?

Trotz eines eher schwächeren Saisonendspurts hat der gebürtige Amberger eine ausgezeichnete Spielzeit hinter sich, in der Brown ganz eindeutig zu den Lichtblicken bei Eintracht Frankfurt zählte. Könnte der 22-Jährige nun auch im DFB-Team eine tragende Rolle einnehmen? Zumindest einmal bringt der Linksfuß ein vielseitiges Gesamtpaket mit, das ihn auch für die bevorstehende WM-Endrunde interessant macht. Auf der Linksverteidigerposition aber ist David Raum, bekanntlich gebürtiger Nürnberger und ausgebildet bei der SpVgg Greuther Fürth, als Platzhirsch gesetzt.

Rechts hinten allerdings ist die Lage weniger aussichtslos. Zwar darf sich Kapitän Joshua Kimmich seines Stammplatzes sicher sein, ob der 31-Jährige jedoch wirklich als Rechtsverteidiger aufläuft, oder doch wieder ins zentrale Mittelfeld rückt, wird sich zeigen. Auch unter Julian Nagelsmann gab es hier bereits zum wiederholten Male die Rolle rückwärts, begründet insbesondere durch einen Mangel an Alternativen auf der rechten Defensivseite.

Kimmich und Brown würden sich ergänzen

Nathaniel Brown jedoch hat im Verein bereits nachgewiesen, dass er die Rechtsverteidiger-Position durchaus bekleiden kann. Wenn unter dem inzwischen geschassten Albert Riera auch wenig funktionierte, was nicht zuletzt an dem rätselhaften Gebaren des Spaniers lag, hatte dieser zeitweise die Idee, Brown fußverkehrt auf der rechten Seite einzusetzen. Der Ex-Nürnberger jedenfalls löste die neue Aufgabe mit Bravour, hielt seine Seite dicht und schob im eigenen Ballbesitz immer wieder invers ins Mittelfeldzentrum. Hier könnte sich Brown wunderbar mit Kimmich ergänzen, der sich im Aufbauspiel häufig in die Abwehrreihe fallen lässt und dann situativ den rechten Innenverteidiger einer Dreierkette gibt.

Ein weiterer Gesichtspunkt, der für die Umstellung spricht: Tempo. Während Kimmich in der abgelaufenen Saison eine Höchstgeschwindigkeit von 33,08 km/h erreichte und damit im unteren Bundesliga-Mittelfeld rangiert, zählt Brown hier mit satten 35,78 km/h zur Crème de la Crème. Gerade vor dem Hintergrund tiefstehender Gegner, die auf Umschaltsituationen lauern werden, gewinnt der Faktor Schnelligkeit an Relevanz in puncto Tiefen- und Konterabsicherung.

Der deutsche Gruppengegner Elfenbeinküste jedenfalls wird mit dem Leipziger Yan Diomande einen Akteur aufbieten können, der selbst über 36 km/h auf den Tacho bringt und ob seiner Tempodribblings gefürchtet wird. Brown, der fast 70 Prozent seiner Defensivzweikämpfe gewinnt und in der abgelaufenen Spielzeit schon gegen Größen wie Lamine Yamal oder Michael Olisé weitgehend unbeschadet blieb, wäre hier logische Wahl.

Eingespieltes Bayern-Duo im zentralen Mittelfeld

Zugleich könnte Kimmich wieder seine aus dem Verein bekannte Rolle im zentralen Mittelfeld einnehmen, wo er zudem mit Nebenmann Aleksander Pavlovic bestens eingespielt ist. Warum also dieses Mittelfeld-Duo, das die Bundesliga vor unlösbare Aufgaben gestellt hat, auseinanderreißen? Zugegeben: Beide sind keine Kopfballungeheuer. Das ist der von Nagelsmann wiederholt gepriesene Leon Goretzka, der in der Liga nur 36 Prozent seiner Luftduelle für sich entscheiden konnte, jedoch ebenfalls nicht. Zudem offenbart der scheidende Bayern-Star immer wieder technische Defizite sowie Mängel in der Rückwärtsbewegung.

Auch Brown hat zweifelsohne noch seine Baustellen. Etwa zählt das Verteidigen im Raum nicht zu den Stärken des langjährigen Nürnbergers, der sich zudem in der Luft noch steigern muss und selbstredend nicht die Erfahrung der Routiniers vorzuweisen hat. Dennoch wäre es eine mutige Lösung, auf den Frankfurter zu setzen - eine, die sich auszahlen könnte.