Southampton/Nürnberg - Ein Urteil in England beschäftigt derzeit die Fußballwelt - und wirkt sich auch auf den FCN auf. Dieser jedoch könnte unter Umständen sogar vom Eklat auf der Insel profitieren, wenn auch erst auf den zweiten Blick.

Im Spätsommer 2025 entschied sich Caspar Jander dafür, dem Club den Rücken zu kehren und sein Glück beim FC Southampton zu suchen. Zwar erkämpfte sich der Mittelfeld-Stratege schnell einen Stammplatz, seine Mannschaft allerdings durchlitt eine schwere Ergebniskrise.

Anfang November zog der englische Zweitligist dann die Reißleine: Trainer Will Still musste Platz machen für Tonda Eckert. Mit dem Rheinländer an der Seitenlinie stellte sich der Erfolg im Süden Englands wieder ein. Vom 20. Tabellenplatz ausgehend starteten die „Saints“ eine atemberaubende Aufholjagd, die sie bis auf Rang vier der Championship trug - und damit in die Aufstiegsspiele zur Premier League.

Spionage-Skandal begräbt Premier-League-Träume

Nachdem Jander und Co. auch die Halbfinalpartien für sich entscheiden konnten, hätte nun am Samstag das Entscheidungsspiel gegen Hull City gewartet. Daraus allerdings dürfte nichts werden: Mehrfach soll Southampton bei den Gegnern spioniert haben. Als Konsequenz wird der Klub von den Play-offs ausgeschlossen, obendrauf werden dem Verein in der kommenden Saison vier Punkte abgezogen. Southampton hat gegen das Urteil schon Berufung eingelegt, wie die Bild-Zeitung berichtet.

Vor dem Play-off-Halbfinale gegen den FC Middlesbrough war ein Mitarbeiter Southamptons gesichtet worden, der die Einheit der „Boros“ gefilmt und wohl per Live-Stream übertragen hatte. „Kein Verein darf in den 72 Stunden vor einem Spiel direkt oder indirekt das Training eines anderen Vereins beobachten (oder versuchen zu beobachten)“, heißt es in den Regularien der EFL, denen sich der Zweitligist offenbar widersetzte - und dies teuer bezahlt. Rund 160 Millionen Euro würde ein Aufstieg in die Premier League laut der Beratungsgesellschaft Deloitte mindestens einspielen.

Ist der FCN Leidtragender oder Profiteur?

Ganz so viel steht für den 1. FC Nürnberg in der Causa Southampton nicht auf dem Spiel. Allerdings verpasst der Club durch den Nicht-Aufstieg der „Saints“ nach Bild-Informationen Einnahmen in Höhe von gut einer Million Euro, die im Zuge des Jander-Deals als Bonus ausgehandelt wurden. Zudem dürfte eine mögliche Ablösesumme für den wechselwilligen 23-Jährigen niedriger ausfallen, als wenn sein Arbeitgeber das Argument Premier-League-Fußball auf seiner Seite wüsste.

Umgekehrt jedoch ist auch eine weitere Lesart denkbar: Womöglich wäre ein erneuter Transfer des Ex-Nürnbergers unwahrscheinlicher geworden, hätte er die Chance gehabt, in der mutmaßlich besten Liga der Welt mitzuspielen. Insofern könnte sich der Spionage-Skandal aus fränkischer Sicht ebenso als verkappter Segen erweisen, sollte er einen Wechsel Janders begünstigen. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge würden dann zehn Prozent des Verkaufspreises an den Valznerweiher fließen - wohl weit mehr als die verpasste Million.