
Wer heute durch Nürnberg spaziert, bewegt sich nicht nur durch eine lebendige Großstadt, sondern auch entlang eines steinernen Gedächtnisses: Fast vollständig zieht sich die mittelalterliche Stadtmauer auch Jahrhunderte nach ihrer Errichtung um die Innenstadt - ein Relikt, das in seiner Größenordnung zu einer echten Seltenheit geworden ist. Wo andernorts nur noch Fragmente stehen oder Straßennamen an alte Befestigungen erinnern, erzählt die fränkische Metropole ihre Geschichte unübersehbar weiter.
Türme, Tore und Mauern haben den Lauf der Zeit überdauert - und die Zeitreise geht weit zurück: Über hundert Jahre, von 1346 bis 1452, bauten die Nürnbergerinnen und Nürnberg an der Stadtbefestigung, die in den folgenden Jahrhunderten immer wieder an neue Belagerungstechniken angepasst wurde. Heute gilt sie als ein Musterbeispiel erstklassigen Festungsbaus in Europa. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem Nürnberg zu gut 90 Prozent zerstört wurde und auch die Stadtmauer nicht unversehrt blieb, setzten die Nürnbergerinnen und Nürnberger beim Wiederaufbau alles daran, die Mauer zu erhalten. Und so prägt sie heute noch das Stadtbild als historisches Denkmal.
Als einzige deutsche Großstadt wird Nürnberg von einer bis heute erhaltenen Stadtmauer umgeben und sucht ihresgleichen: Die Befestigung ist dem Guide Nürnberger Quartiere zufolge eine der drei gewaltigsten mittelalterlichen Stadtmauern Europas. Insbesondere die Kombination aus Länge und Dicke der Nürnberger Stadtmauer ist demnach einzigartig. Stellenweise ist sie bis zu fünf Meter breit und durchschnittlich sieben bis acht Meter hoch. Von einst 88 Mautertürmen sind noch 71 übrig geblieben. Ebenso finden sich sieben Tore in dem bedeutenden Baudenkmal der Stadt.
Ausflug nach Nürnberg: Dieses Bauwerk darf im Programm nicht fehlen
Ingesamt stehen noch rund 3,5 Kilometer von der ursprünglich gut fünf Kilometer langen Stadtmauer. Nürnberger Quartiere zufolge befindet sich die größte Lücke mit etwa 310 Metern am Laufer Tor, das mit Frauentor, Spittlertor und Neutorturm zu vier Haupttortürmen zählt. Dass das Laufer Tor heute frei steht, hängt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zufolge mit einem früheren Wachstumsschub der Stadt zusammen: Demnach schwoll der Verkehrsstrom Ende des 19. Jahrhunderts so stark an, dass das zugehörige Tor sowie alle umliegenden Gebäude abgerissen wurden.
Wie Christkindlesmarkt, Lebkuchen und Albrecht Dürer gehört die Stadtmauer zu Nürnberg und verleiht der Stadt ihr typisches Flair. Bei Touristinnen und Touristen darf sie deshalb im Programm nicht fehlen. Doch auch Nürnbergerinnen und Nürnberg wissen das Denkmal zu schätzen: Denn der Stadtgraben, der einst zum Schutz der Stadt gedacht war, bietet Raum für Erholung und Freizeit. Etwa Sportanlagen, Schrebergärten, Spazier- und Fahrradwege sowie Spielplätze liegen am Fuß der Stadtmauer, die den Altstadtkern mit Burganlage fast komplett umrahmt.