
War die nun abgelaufene Spielzeit gleichbedeutend mit dem nächsten Entwicklungsschritt? Im Fall des 1. FC Nürnberg ist diese Frage gar nicht leicht zu beantworten. Einerseits sprechen 46 eingefahrene Punkte klar dagegen, nachdem es noch im Vorjahr zwei mehr waren. Andererseits hat sich der Club um zwei Tabellenplätze auf Rang acht verbessert, immerhin die geteilte beste Endplatzierung seit dem Bundesliga-Abstieg 2019.
Und doch bedarf es schon einer sehr gutmütigen Betrachtung, um ein positives Resümee zu ziehen. Schließlich wurde etwa das vor Saisonbeginn ausgerufene Minimalziel Platz sieben verfehlt. Der glanzlose achte Rang bleibt derweil sogar dann bestehen, wenn man lediglich die Spiele nach Schließung des Sommer-Transferfensters heranzieht, als der Kader endlich komplett war. Berufsoptimisten könnten womöglich Platz sieben in der Rückrundentabelle als Teilerfolg bewerten - auch hier trennt den Club allerdings die gleiche Punktzahl zu beiden Relegationsrängen.
Saisonendspurt als Mutmacher
Stichhaltiger ist da wohl der Blick auf den Platz. Im Saisonfinale blieben die Franken fünfmal in Folge ungeschlagen. Während zudem die Auswärtsbilanz lange Zeit verheerend ausfiel, verlor die Klose-Elf keine der letzten fünf Partien in der Fremde. Auch nicht in Hannover, wo die Nürnberger erneut einige vorzeigbare Kombinationen und Passstafetten darboten.
Interessant: Seit der Rolle rückwärts, was die Besetzung im zentralen Mittelfeld angeht, hat der Club nicht mehr verloren. Die Hereinnahmen von Finn Becker und Javier Fernández bedeuteten, dass die Franken wieder vermehrt auf die spielerische Komponente setzen wollten - eine Entscheidung, die sich auszahlen sollte. Nicht nur, aber sicher auch deshalb, weil die beiden Mittelfeld-Strategen wohl beide auch in der kommenden Saison für den FCN auflaufen dürften.
Sommer der Wahrheit: FCN am Scheideweg
Damit allerdings stehen sie beim Blick auf die übrigen Stammspieler - mit Ausnahme von Julian Justvan - ziemlich alleine da. Zwar gelten bislang lediglich die Abschiede der beiden Leihgaben Berkay Yilmaz und Henri Koudossou als sicher, weitere Abgänge dürften jedoch folgen. Da auch das Trio aus Jan Reichert, Luka Lochoshvili und Fabio Gruber Begehrlichkeiten weckt, ist nicht auszuschließen, dass der Club seine gesamte Hintermannschaft verlieren wird. Die Verpflichtung von Fynn Otto wirkt dem zumindest ansatzweise entgegen.
Im Mittelfeld liebäugelt Rafael Lubach mit einem Tapetenwechsel, auch für Adam Markhiev könnten Angebote eintrudeln. Bleibt schließlich noch Mohamed Ali Zoma, der der begehrteste und teuerste Nürnberger werden dürfte. Zugegeben: Es ist schwer denkbar, dass jeder der genannten Akteure den Verein verlässt. Ebenso wenig allerdings wird der FCN horrende Transfersummen ausschlagen können, wie auch der Sportvorstand weiß: „Ich hoffe, dass wir dieses Jahr einige tragende Säulen halten können. Das werden wir nicht bei jedem schaffen“, sagte Joti Chatzialexiou vor dem letzten Heimspiel gegenüber Sky.
Dem Vernehmen nach war insbesondere das Thema Spielerverkäufe einer der Knackpunkte, wieso sich die Verlängerung mit Miroslav Klose zur monatelangen Hängepartie entwickelte. Ob Kloses Wunsch, einen eingespielten Kern an Leistungsträgern zu halten und so die eingeschlagene Entwicklung voranzutreiben, erfüllt wird, ist mehr als fraglich. Einmal mehr steht der FCN am Scheideweg - zähneknirschend könnte er sich für den nächsten Ausverkauf entscheiden. Das Einspielen allerdings sollte unabhängig davon besser schneller vonstatten gehen als in der abgelaufenen Saison.