
Vor nicht allzu langer Zeit musste Miroslav Klose noch zähneknirschend anmerken, dass seine Mannschaft in der Vergangenheit immer gerade dann enttäuschte, wenn sie nicht den ganz großen Druck verspürte. „Wenn es ein bisschen lockerer wurde und um nichts mehr ging, haben wir ganz schlecht abgeliefert“, resümierte der Coach vor dem Frankenderby gegen die SpVgg Greuther Fürth.
Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Club bereits den Klassenerhalt gesichert - das war nach dem 1:0-Heimsieg über Magdeburg am 31. Spieltag der Fall. Die Befürchtungen Kloses sollten sich diesmal allerdings als haltlos erweisen. Keines seiner drei „bedeutungslosen“ Duelle verlor der Altmeister, der die Saison zudem als fünfmal in Serie ungeschlagenes Team beendet. Ist der FCN also auf dem besten Weg, zu einer Siegermentalität zu finden?
Wie nachhaltig ist die Entwicklung?
Das wiederum wird freilich erst in der kommenden Saison zu beantworten sein. Immerhin aber stemmte sich die Klose-Elf gegen Hannover, für die es bekanntlich noch um den Aufstieg in die Bundesliga ging, gegen diverse Widrigkeiten und zeigte Resilienz. Gleich zweimal kamen die Franken nach einem Rückstand zurück, was auch der Trainer honorierte: „Für uns ging es um nichts mehr, aber wir haben immer alles reingehauen. Das ist Mentalität. Wir haben auch nach dem Rückstand nicht aufgegeben“, lobte Klose seine Mannschaft.
Zur ganzen Wahrheit gehört sicherlich, dass der FCN gegen die spielfreudigen Niedersachsen nicht immer sattelfest wirkte. Das Fehlen von Adam Markhiev machte sich in der Rückwärtsbewegung bemerkbar, wenngleich auch der Finne hier gelegentlich Defizite offenbarte. Nicht zuletzt durfte sich der Club einmal mehr beim erneut hervorragend aufgelegten Jan Reichert bedanken, der seine Farben in mehreren Szenen im Spiel hielt. Der 24-Jährige mauserte sich im Saisonverlauf zu einem der besten Torhüter in Liga zwei - und könnte zum letzten Mal zwischen den Nürnberger Pfosten gestanden haben.
Insofern wird sich erst noch zeigen müssen, wie es in der kommenden Spielzeit um die fränkische Mentalität bestellt ist. Immerhin könnten zahlreiche Akteure den Verein verlassen. Nahezu die gesamte Hintermannschaft um den in Hannover als Torschützen in Erscheinung getretenen Luka Lochoshvili ist hier zu nennen, ebenso wie der zum wiederholten Male herausragende Mohamed Ali Zoma. Auf Sportvorstand Joti Chatzialexiou jedenfalls, der noch vor wenigen Monaten angekündigt hatte, mehr Zweitliga-Fußball spielen zu wollen, warten herausfordernde Monate.