
Die Deko-Kette Depot ist erneut in finanzielle Schieflage geraten. Die GDC Deutschland GmbH hat beim Amtsgericht Aschaffenburg die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt, wie eine Gerichtssprecherin bestätigte.
Geschäftsführer Christian Gries will das Unternehmen sanieren. „Wir wollen auf jeden Fall weitermachen und möglichst viele Filialen erhalten“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Als Gründe für die Insolvenz nannte er neben Zöllen und der wachsenden Online-Konkurrenz durch Plattformen wie Temu auch die Kaufzurückhaltung. „Es ist eine schwierige Zeit für den Handel. Viele Kunden schauen stark auf die Preise.“ Preisreduzierungen seien jedoch auf Dauer kein Mittel, um ein rentables Geschäft zu führen.
Gries rechnet mit weiteren Filialschließungen. „Eine genaue Zahl können wir noch nicht sagen.“ Man werde „alles auf den Prüfstand stellen“ und Gespräche mit den Vermietern führen. Zudem soll das Konzept von Depot angepasst werden.
Das Gericht hat die vorläufige Eigenverwaltung bereits angeordnet. Zum vorläufigen Sachwalter wurde der Rechtsanwalt Thomas Rittmeister aus Frankfurt bestellt. Bei der Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung im Amt. Die Lebensmittelzeitung hatte zuvor berichtet.
Probleme nach der Pandemie
Depot hat seinen Sitz im unterfränkischen Großostheim. Während und nach der Corona-Pandemie kämpfte die Kette mit Schwierigkeiten. Schon 2024 meldete das Unternehmen Insolvenz in Eigenverwaltung an. Daraufhin wurden bundesweit zahlreiche Filialen geschlossen. Die Filiale im Einkaufszentrum Forum Stein bei Nürnberg wurde im Zuge der Restrukturierungsmaßnahmen Ende 2024 geschlossen und auch der Standort in der Stadtgalerie Schweinfurt stellte ebenfalls Ende 2024 den Betrieb ein.
Weitere Standorte in der Region standen oder stehen im Rahmen der Sanierungswellen (bei denen allein im Frühjahr 2025 rund 100 weitere Filialen abgewickelt wurden) unter genauer Beobachtung, wie mehrere Medien vermelden: Für die Filialen in Ansbach und Rothenburg/Tauber gab es während der ersten Schließungswellen vorerst vorsichtige Entwarnung, ihr langfristiger Verbleib hängt jedoch stark von den laufenden Verhandlungen mit den Vermietern ab, meldet die FLZ. Wie wiederum die SZ schreibt, seien große Teile des fränkischen Filialnetzes - mit den Standorten Erlangen, Bamberg, Bayreuth und Würzburg wurden im Zuge des harten Sparkurses und der jüngsten Entwicklungen im Mai 2026 auf Mietkonditionen und Rentabilität überprüft. Die Depot-Filiale in der Fürther „Neuen Mitte“ (Rudolf-Breitscheid-Straße 11) wird dauerhaft schließen, heißt es auf der Seite nn.de. Nachdem die Filiale im Zuge der ersten Sanierungswelle Ende 2024 nach langem Bangen zunächst gerettet werden konnte, ist das Aus nun endgültig - entsprechende Hinweise sind an der Schaufensterfassade zu sehen.
Aktuell betreibt Depot noch mehr als 150 Geschäfte, vor einigen Jahren waren es noch rund 400. Zur Zahl der Beschäftigten machte Gries auf Nachfrage keine Angaben.
Viele Insolvenzen - Mäc Geiz ebenfalls in dieser Woche
Die Branche steht wegen der schwachen Konsumstimmung und des wachsenden Onlinehandels unter Druck. Jeder sechste Einzelhändler in Deutschland fürchtet laut der monatlichen Konjunkturumfrage des Ifo-Instituts inzwischen um die Existenz. Im April schätzten 17,4 Prozent der Unternehmen ihre Lage als existenzbedrohend ein, so viele wie nie zuvor.
In dieser Woche hatte auch der Non-Food-Discounter Mäc Geiz Insolvenz angemeldet. Die Zahl der Pleiten in der Branche befindet sich auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren. Der Kreditversicherer Allianz Trade verzeichnete im vergangenen Jahr 2.571 Fälle. Branchenexperten erwarten weiter steigende Zahlen.
In den vergangenen Jahren haben bereits Zehntausende Geschäfte in Deutschland geschlossen - nicht nur wegen Insolvenzen. Laut einer Schätzung des Handelsverbands Deutschland (HDE) dürfte die Zahl der Läden in diesem Jahr unter 300.000 sinken. Ende 2015 waren es noch etwa 372.000.
