Nürnberg - Johannes Bruckmeier ist in Nürnberg meist mit dem Skateboard zu sehen - und noch etwas hat er dabei: seinen Blindenstock. Trotz einer angeborenen Augenkrankheit ist Bruckmeier als Skater erfolgreich.

Wenn Johannes Bruckmeier in Nürnberg skaten geht, dann gibt es nur ihn, sein Board und seinen Blindenstock. Aufgrund einer Augenkrankheit bleiben Bruckmeier, geboren 1994, heute nur zwei Prozent seiner Sehkraft. Er selbst beschreibt das gegenüber dem Bayerischen Rundfunk (BR) so: „Das entspricht, wenn man sich das vorstellen mag, wie wenn man durch einen Strohhalm schaut, auf eine Entfernung von 30 Zentimeter scharf. Wenn es hell ist, sehe ich nur weiß, wenn es dunkel ist, dann sehe ich quasi fast nur schwarz.“

Die Krankheit mit der Bezeichnung Retinitis Pigmentosa ist angeboren und verschlechterte sich bei Bruckmeier seit der Kindheit stetig. Seine Netzhaut starb immer weiter ab, bis er im Alter von sechs Jahren fast blind war. Eine Operation habe das weitere Voranschreiten der Krankheit bis zur völligen Erblindung aber gestoppt, heißt es in einem Bericht der Süddeutschen Zeitung.

Der BR widmet Bruckmeier nun eine Folge der Portraitreihe „Lebenslinien“. Das Skaten sei ein „Befreiungsschlag“, heißt es in dem Beitrag. Zuvor fühlte er sich von seinem Umfeld jahrelang bevormundet. Als eine Beziehung zu Bruch ging, war er am Boden. Das Skaten half ihm, wieder auf die Beine zu kommen.

Mit Hilfe seines Blindenstocks erkundet Bruckmeier zunächst seine Umgebung, tastet Hindernisse und die Fahrstrecke ab, etwa am Nürnberger Kornmarkt. Und auch beim Skaten selbst hat er den Stock zur Hand, um sich zu orientieren.

Blinder Skateboarder aus Nürnberg: „Ich wollte einfach machen, worauf ich Bock habe“

Der Schritt, mit dem Skaten anzufangen, war kein Selbstläufer. „Ich wollte schon immer skaten, aber da waren viele Menschen, die Angst hatten, dass ich mich verletzten könnte, deshalb konnte ich das halt nicht ausführen, leider“, sagt er im BR-Portrait. Es sei ihm von außen immer gesagt worden, wie er leben solle, welche Sportarten er machen solle, dass er nichts Handwerkliches machen solle. „Mir hat so ein bisschen die eigene Entscheidungsfreiheit gefehlt“, erklärt Bruckmeier. Immer seien ihm die Entscheidungen abgenommen worden. „Aber ich wollte einfach machen, worauf ich Bock habe“, so der Anfang 30-Jährige. Inzwischen tritt er als Skateboarder bei internationalen Wettbewerben an.

Gleichzeitig zeigt er blinden Kindern, was alles möglich ist. Er möchte ihnen vermitteln, dass die Einschränkung eine Nebensache ist und sie nicht zwangsläufig nur mit anderen blinden Kindern zusammen sein müssen. Gerade über die Sportarten könne man sich in Gruppen inkludieren. Seine Behinderung sei für ihn kein Thema mehr, er habe sich akzeptiert, resümiert der Wahl-Nürnberger.